Veröffentlicht in Vom König zum Führer

Die Monarchie wiederherstellen?

Die noch vor der Machtübergabe gescheiterte Mesalliance zwischen dem Hohenzollernhaus und der NS-Bewegung hatte ein mehrmonatiges Nachspiel, in dem die kaiserlichen Getreuen ein letztes Mal versuchten, ihre Restaurationspläne zu artikulieren. Nach dem pseudomonarchistischen Mummenschanz, den die NS-Führung am Tag von Potsdam inszeniert hatte, wurde die „Königsfrage“ zwischen Mai 1933 und April 1934 mehrfach von den offiziellen Vertretem Wilhelms II. bei Hitler vorgetragen. Vier Mal traten führende Monarchisten in dieser Zeit als Bittsteller auf, um die Möglichkeiten einer Restauration zu sondieren, einmal berührte auch der DAG-Vorsitzende Fürst Bentheim im persönlichen Gespräch mit Hitler die monarchische Frage. Anders als den Fürsten Bentheim, dessen vorauseilender Gehorsam die DAG inmerhin gegen das Verbot der monarchistischen Verbände vom Februar 1934 immunisieren und ein Reichsgesetz gegen den Mißbrauch adliger Namen erwirken konnte, ließ Hitler die Boten des Monarchismus auf Granit beißen, Etwa sechs Wochen nach dem Tag von Potsdam empfing Hitler den kaisertreuen Friedrich v. Berg, den gestürzten DAG-Adelsmarschall. Nach den Informationen, die der anwesende Reichswehrminister Werner v. Blomberg an den „Hausminister“ des Exilkaisers weitergab, hatte Hitler vage, jedoch weitgehende Versprechungen gemacht: „Als Abschluß seiner Arbeit sehe [Hitler] die Monarchie“, hieß es im Gesprächsprotokoll. In Frage käme allerdings allein die Hohenzollernmonarchie, eine Restauration der Throne in den Bundesstaaten sei abzulehnen. Der Zeitpunkt der Restauration sei allerdings noch nicht gekommen und die Monarchie nur als Ergebnis eines siegreichen Krieges denkbar. Bei einer zweiten Unterredung im Oktober 1933, die der Generalbevollmächtigte des Exilkaisers, General a. D. Wilhelm v. Dommes, mit Hitler führte, war die Tonlage bereits deutlich aggressiver. Das monarchistische Drängen seines Gesprächspartners wies Hitler „leidenschaftlich“ zurück: Die Aufgabe bestünde in der Niederwerfung von Kommunismus und Judentum. Der Kronprinz als Person und die Monarchie als Institution seien nicht „hart genug“ für diese Aufgabe. Im Februar 1934 schließlich wies Hitler die Emissäre in äußerst scharfer Form zurück. Das Gesprächsklima hatte sich im Vorfeld durch scharf antimonarchistische Reden aufgeladen, in denen u. a. Baldur v. Schirach und Richard Walther Darre Wilhelm II. als Feigling verhöhnt hatten. Dommes‘ Vorhaben, für die Ehre seines „angegriffenen Herrn mit der Waffe einzutreten“, scheiterte ebenso wie sein Versuch, mit seinen Klagen bei Hitler durchzudringen. In hochfahrendem Ton verbat sich Hitler nunmehr, in seiner „Aufbauarbeit“ fortlaufend von den deutschen Fürsten gestört zu werden. Zur Erreichung dieser Ziele — „Ausrottung der Verbrecher der November-Revolution“ und Aufbau der Reichswehr — benötige er 12-15 Jahre Zeit.

Ließen die Anfragen von Berg und Dommes bereits ein erstaunliches Ausmaß politischer Naivität erkennen, so wurde dieses von prominenten Standesgenossen noch weit übertroffen. Die vollständige Verkennung der politischen Lage durch adlige Monarchisten aus dem ehemaligen inner circle um den Kaiser illustriert eine im Herbst 1933 verfaßte Petition an Hindenburg - auch wenn sich diese Form der offensichtlich altersbedingten Realitätsblindheit nicht auf eine ganze Generation übertragen läßt.

Generalleutnant a. D. August v. Cramon hatte im Oktober 1933 eine an den Reichspräsidenten gerichtete Denkschrift verfaßt, in der die Wiedereinsetzung Wilhelms II. in seine königlichen Rechte, gewissermaßen als Geschenk zu seinem 75. Geburtstag im Januar 1934 vorgeschlagen wurde. Zur „Erbweisheit des Geschlechts“ kämen nunmehr Weisheit und Würde des Alters hinzu. Der „Führergedanke“ müsse zwangsläufig „im unsterblichen Führertum, der Erbmonarchie‘“ enden und Hitler werde dabei behilflich sein: „Adolf Hitler selbst ist, soweit bekannt, Monarchist.“

Von Beratern umgeben, die von der neuen Zeit mehr verstanden, hatte Hindenburg geantwortet, der Moment für die Rückkehr des Kaisers sei noch nicht gekommen. Von den absurden Bittschriften militärisch-monarchistischer Fossile abgesehen, wurde innerhalb der Adelsverbände und in privaten Korrespondenzen überall dort, wo überhaupt noch über eine Restauration raisoniert wurde, die Parole „abwarten“ ausgegeben. Für die DAG-Leitung wies Fürst Bentheim 1937 die „unerfüllbaren Forderungen“ in der „monarchischen Frage“ und der „Kirchenfrage“ zurück: Die monarchische Frage, so der Fürst, „steht unbeschadet der persönlichen Einstellung des Einzelnen für die DAG als solche nicht zur Debatte.“

Einige Monate nach Cramons Denkschrift prallten in Berlin die alte und die neue Rechte aus Anlaß der monarchistischen Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag Wilhelms II. am 27.1.1934 scharf aufeinander. Während im fernen Doom noch einmal die versammelten „Fürstlichkeiten in ihren alten, bunten Uniformen und de[r] fabelhaftfe] Schmuck der Damen [zu] bewundern“ waren, wurde die zentrale Festveranstaltung im Berliner Zoo von marodierenden SA-Schlägertrupps gestürmt. Hitler nahm die öffentlichen Demonstrationen monarchistischen „Eigen-Sinns“ zum Anlaß, die monarchistischen Verbände verbieten zu lassen.
Der Bericht, den Rüdiger Graf v. d. Goltz, Vorsitzender des Reichsverbandes deutscher Offiziere und seit Mai 1933 Parteimitglied, über die Vorgänge verfaßte, zeugt vom Entsetzen über Äußerlichkeiten, das für die ältere Generation typisch war. Empört schilderte der 70-jährige Generalmajor a. D. die Vorgänge nach seiner Geburtstagsrede auf „unseren ehemaligen Obersten Kriegsherren“: „Zwei Stunden nach der Rede brach eine Horde teils in Zivil, teils unter Missbrauch des braunen Hemdes ein und hauste wie die Bolschewiken, misshandelte Offiziere und ihre Frauen, zerstörte Mobiliar und schoss Scheintotpistolen und Feuerwerkskörper mit lautem Knall ab, die die Damenkleider verdarben. [...] Ich sagte dann noch an die Versammelten: Das eben Erlebte wird Adolf Hitler niemals billigen. Lassen Sie sich in der Treue zu ihm nicht irre machen.“ Das überlieferte Entsetzen der anwesenden Adligen belegt weniger politische Differenzen als das drastische Fehlurteil der gealterten Monarchisten, die neben den nationalsozialistischen Zielen auch die Brutalität der dazugehörigen Methoden falsch eingeschätzt hatten.

Bezeichnenderweise fand die Sprengung der monarchistischen Kaisergeburtstagsfeiern mit Magnus v. Levetzow unter einem adligen Polizeipräsidenten statt, der vier Jahre lang der politische Chefkoordinator des Exilkaiser, war und im Nationalsozialismus das Vehikel gesehen hatte, mit dem Wilhelm II. dereinst zum Thron rollen würde, Der kaiserliche Admiral a. D. hielt bereits zu diesem Zeitpunkt keine Mittel mehr in der Hand, um gegen die Ausschreitungen vorzugehen. Bereits 1935 wurde Levetzow, bezeichnend auch dies, mit dem SA- und SS-Führer Wolf Heinrich Graf v. Helldorf durch einen Standesgenossen abgelöst, der seit längerem „zur Bewegung“ gehört hatte.

Auf einem Berliner Ball der Adelsgenossenschaft im Januar 1934 drang nach dem Bericht der Kolumnistin Bella Fromm eine braun uniformierte „Horde“ ein, die mehrere der anwesenden älteren Herren zu Fall brachte, mit den Helmen der adligen Offiziere Fußball spielte und die anwesenden Damen mit dem Revolver bedrohte. Das Parteiabzeichen, das viele der adligen Ballgäste nunmehr offen und nicht länger „verschämt unter dem Rockaufschlag“ trugen, wie Fromm zynisch vermerkte, erwies sich hier als unzureichende Versicherung gegen die entfesselten kleinbürgerlich-proletarischen Ressentiments. Der oben bereits zitierte Generalleutnant a. D. August v. Cramon, Präsident des Garde-Kavallerie-Klubs, wandte sich nunmehr hilfesuchend an den Kronprinzen und protestierend an eine NSDAP-Parteistelle: „Ich muss Ihnen leider bekennen, dass die Empörung über diese Vorkommnisse in unseren und nicht den schlechtesten Kreisen, die absolute Anhänger des Herrn Reichskanzlers Hitler sind, eine sehr große ist [...]“. Die Antwort, die Cramon von einen adligen Parteimitglied erhielt, bringt zum Ausdruck, wie wenig die alte Garde der kaisertreuen Monarchisten vom „faschistischen Stil“ (Mohler) verstanden hatte. In betont respektlosem Ton wurde Cramon mitgeteilt, daß „der grösste Teil von uns [...] durchaus nicht monarchisch gesonnen, sondern auf Hitler und das nationalsozialistische Programm eingeschworen [ist]. Zudem verrate ich Ew. Excellenz kein Geheimnis, wenn ich die Tatsache ausspreche, dass die Kampfrichtung der nationalsozialistischen Bewegung sich stets gegen Marxismus und Reaktion richtete und richtet. [...] Mit bitterem Schmerze sehen unsere Kameraden schon heute, dass an allen Ecken und Enden die Gegner aus dem bürgerlichen-nationalen Lager sich mit grossem Geschick nach vorne zu schieben verstehen. Für diese aber sind wir nicht in den Strassenkampf gezogen, nicht verwundet, nicht verhaftet worden. Wir haben das Recht, auch hier das Recht der Revolution, die eine nationalsozialistische  Revolution ist, durchzusetzen. Das sind wir gerade den vielen Tausenden von Kameraden aus der Jungarbeiterschaft, die neben uns standen, als wir für die gute Gesellschaft noch indiskutierbare Rowdies und Hakenkreuzbanditen waren, vor unserem Gewissen schuldig.“


Aufräumkommando der SA

Eine Erklärung für die Schärfe der verwendeten Angriffe findet sich weniger in politischen als in sozio-kulturellen Differenzen. Wichtig ist, sich die enorme soziale und kulturelle Distanz zu vergegenwärtigen, die zwischen Schloß, Gutshaus und Casino einerseits, SA-Heim und „Sturmlokal“ andererseits lagen. Wie nicht anders zu erwarten, tat sich der bayerische Adel mit der nach 1933 notwendigen Mimikry besonders schwer. Auch dazu ein sprechendes Beispiel: 1936 sorgte die Ankündigung des Angriff, eine Artikelserie mit dem Titel „Menschen, die in Schlössern wohnen“ publizieren zu wollen, im bayerischen Adel für nervöse Unruhe. Das Blatt hatte die Entsendung einer „fliegenden Redaktion“ angekündigt, die sich vor Ort bei einer alten Adelsfamilie umsehen wollte, die „in generationenlangem Besitz von Schlössern“ war. Besorgt hatte der DAG-Hauptgeschäftsführer v. Bogen in einem Rundschreiben gewarnt, die Redaktion würde „wohl auch etwaige tatsächlich vorhandene Misstände nicht unerwähnt lassen.“ In der bayerischen DAG-Leitung kam an schnell überein, nicht gerade „den Schnurrbartfugger [...] in den Vordergrund“ zu stellen. Die Suche nach einem NS-treuen Vetter, der bereit war, sein Schloß und seine NS-Treue inspizieren zu lassen, nahm einige Zeit in Anspruch: „Also lasse Deinen bewährten Blick gleiten über die Mannen und treffe Deine Wahl nur sicher gut und sorgsam. Jedenfalls dürfte es sich empfehlen, dıe ‚Gekürten‘ vorher an einem Ort zwecks genauer Instruktion zu versammeln [...].“ Fürst Öttingen bat die Berliner DAG-Leitung um mehr Zeit, um „besonders geeignet erscheinende Schlossbesitzer“ ausfindig zu machen, wies den von Berlin gewünschten Termin zurück und schlug vor, „die ‚fliegende Redaktion‘ zuerst auf Reisen in andere, vor allem norddeutsche [Regionen] zu schicken, damit wir in Bayern inzwischen die Sache besonders sorgfältig vorbereiten können. In Kenntnis gesetzt, daß der Angriff „nicht gerade zu den sentimentalen Publikationsorganen“ zählte, suchte man nach Standesgenossen, deren Auftreten auch vor dem strengen Blick alter Kämpfer bestehen würden. Mit spöttischem Unterton wurde eine Entsendung der NS-Redakteure „nach Pöttmes, Thüngen oder Aystetten‘“ geplant, drei Güter, deren Besitzer zu den im bayerischen Adel relativ seltenen Parteigenossen gehörten. Tatsächlich scheint man der „fliegende Redaktion“ letztlich einen Besuch im Schloß des fränkischen Barons Aufseß vorgeschlagen zu haben.

Die lebensweltlichen Barrieren blieben v. a. zwischen den katholischen Grandseigneurs und dem Gros der Parteigenossen auch nach 1933 unvermindert hoch. Ein skurriles Beispiel für den Erhalt solcher Barrieren bot im Herbst 1938 ein Anlauf der Regensburger NSDAP, sich der stählernen Abzäunungen um die eindrucksvollen Schloßanlagen der Fürsten v. Thurn und Taxis zu bemächtigen. In einem Schreiben an das fürstliche Hofmarschallsamt ermannte sich der „Schrott-Einsatzstab“ der örtlichen NSDAP-Kreisleitung, dem Fürsten den vollständigen Abbruch der Umzäunungen vorzuschlagen: „Die Zäune und Gitter, [...], sind vielfach völlig überflüssige unschöne Überbleibsel einer vergangenen Zeit und Geschmacksrichtung und sollen möglichst verschwinden.“ Faktisch war die hier propagierte „Entrümpelung“ Teil eines Programms zur Stahlzufuhr an die deutsche Rüstungsindustrie. Symbolisch läßt sich die Initiative jedoch auch als Aufforderung zum Abbruch hochadliger Distinktionen lesen: Der „Schrott-Einsatzstab“ rüttelt am Schloßzaun eines der reichsten deutschen Fürsten. Die geplante „Entrümpelung“ der eisernen Unterschiede mahnte die Fürstenfamilie, endlich zum Teil der Volksgemeinschaft zu werden. Der als Angebot, nicht als Drohung formulierte Hinweis auf „ein Abräumkommando der SA“, das den „kostenlosen Abbruch des Vorgartenzaunes“ bewerkstelligen würde, brachte die fürstliche Verwaltung in Verlegenheit. Nach einigen Debatten über die angemessene Formulierung teilte das Hofmarschallamt dem „Schrott-Einsatzstab“ mit, „daß es uns aus künstlerischen Gesichtspunkten, wie auch aus Sicherheitsgründen nicht möglich erscheint, unsere eisernen Umfriedungen um die Anwesen [...] zu entfernen.“ Das SA-Kommando blieb dem Schloß und sein Besitzer der NS-Bewegung fern. Über das Erscheinen des Fürsten auf örtlichen „Sonnenwendfeiern“, auf das die Kreisleitung gedrängt hatte, und ein Arrangement mit dem örtlichen SS-Reitersturm, der die Reitbahn im Schloß kostenlos nutzen durfte, scheinen die fürstlichen Anpassungsleistungen nicht hinausgegangen zu sein. Anders als fünf Mitglieder der fürstlichen Gesamtfamilie, die 1938 der Partei beitraten, näherten sich weder der Fürst noch der Erbprinz der Partei an. „Bei der Partei war ich nie, da ich mich als gläubiger Katholik nicht kompromittieren wollte“. Die Erklärung des Erbprinzen im Rahmen seines Entnazifizierungsverfahrens ist, ergänzt um die Distanz aus der Position des hochadligen Multimillionärs, durchaus plausibel.


...aber officiell sind wir nicht monarchisch eingestellt

Wie im bayerischen spielten auch im welfischen Partikularmonarchismus Adlige eine maßgebliche Rolle.  Beide Strömungen enthielten ein anti- borussisches Element, für dessen symbolische Akzentuierung welfisch orienterte Adelsfamilien ihre Söhne in Lederhosentracht und edelweißbestickten Hosenträgern einem Spießrutenlaufen unter ihren niedersächsischen Mitschülern aussetzten.
Neben den einflußreichsten monarchistischen Strömungen in Bayern, Preußen, Sachsen und Hannover kam eine weitere, im katholischen Adel Südwest- und Westdeutschlands einflußreiche Linie hinzu, die sich am alten Reichsgedanken orientierte. In Übereinstimmung mit seinen westfälischen Standesgenossen bezeichnete der Abt Augustinus von Galen, ein Bruder des später berühmten Bischofs, das Monarchieproblem 1926 als eine Cura posterior und hielt die Ansprüche des Hauses Habsburg im Gegensatz zu jenen der Hohenzollern für berechtigt: ,,Was die Hohenzollern betrifft, so hatte ihr Kaisertum mit dem des alten Reiches nicht das geringste zu tun [...]. Die Hohenzoller waren daher in gar keiner Weise Rechtsnachfolger der alten Kaiser und von diesem Gesichtspunkt aus könnten sie folglich als etwa bevorzugte Bewerber um die künftige Krone absolut nicht in Frage kommen." Die Orientierung am Reichsgedanken, verbunden mit guten Beziehungen zum hohen Klerus und einer hohenzollernkritischen, habsburgfreundlichen Einstellung, die der westfälische Graf hier vertrat, war für einflußreiche Mitglieder des südwestdeutschen Adels, besonders für die dortigen Standesherren charakteristisch.
Gerade bei den Anhängern des realitätsfernen Reichsgedankens fand sich oftmals eine gelassene Einstellung gegenüber der Republik. Für den südwestdeutschen Adelsverein, der mit den bayerischen Verbänden freundschaftliche Beziehungen unterhielt, erklärte Attila Graf v. Neipperg einem bayerischen Standesgenossen, auch im Südwesten sei der Adel monarchistisch, aber anders als im wittelsbachertreuen Bayern. Nur teilweise gehörte die Loyalität der Standesgenossen den Häusern Württemberg und Zähringen, viele westdeutsche Adlige jedoch hätten die „Sünden“ der Fürsten aus der napoleonischen Zeit nicht vergessen. Auch der Monarchismus, den Graf Neipperg hier umriß, glich eher einer vagen Grundhaltung als einem praktikablen Programm: „Diese Leute sind ganz Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Und bis zu einem gewissen Grad bin ich cum grano salis auch bei dieser Seite. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir zeigen und beweisen wollen, dass der Adel in der Republik notwendig ist, noch notwendiger als in der Monarchie, wo alles seinen mehr oder minder geregelten Gang ging. Aber officiell sind wir nicht monarchisch eingestellt.“

Autor:

He fell from the sky and played the blues.