Verleumdungen jedoch durch eine Kirche, die nicht nur im Mittelalter Millionen verfolgt und massakriert, sondern auch noch im 20. Jahrhundert den bisher wohl größten Verbrecher aller Zeiten »immer wieder« und »eindringlichst« unterstützt hat; die ihm 1933 »um keinen Preis die Kräfte der Kirche entziehen«, vielmehr jedermann seiner »großen Aufbauarbeit« zuführen wollte; die 1935 »jede staatsfeindliche Handlung und Haltung von Mitgliedern strengstens« verwarf und auch 1936 »das Oberhaupt des Deutschen Reiches... mit allen Mitteln zu unterstützen« versprach; die ein Jahr vor Ausbruch des Krieges Hitlers »Wirken für die Zukunft mit ihren besten Segenswünschen« begleitete und bei Kriegsbeginn den katholischen Soldaten befahl, »aus Gehorsam zum Führer ihre Pflicht zu tun und bereit zu sein, ihre ganze Person zu opfern«; die 1941 seinen Überfall auf die Sowjetunion »mit Genugtuung« verfolgte und bekannte: »Wir haben immer wie der (!) und noch im Hirtenbrief des Sommers unsere Gläubigen zu treuer Pflichterfüllung, zu tapferem Ausharren, opferbereitem Arbeiten und Kämpfen im Dienste unseres Volkes in schwerster Kriegszeit eindringlichst (!) aufgerufen«, um dann gleich nach dem Zusammenbruch Hitler und die Nazis zu verdammen — Verleumdungen also durch eine solche Kirche empfinde ich als Ehre.
Mit Gott und den Faschisten, Karlheinz Deschner
Schlagwort: Christianity
Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta
S. Eminenz und Hoheit, der Fürst und 77. Großmeister des Ordens, Fra' Angelo de Mojana di Cologna, dem die vorliegende Untersuchung in Ehrerbietung und Ergebenheit unterbreitet sei, stand dem Werk mit gütigem Wohlwollen Pate. Respektvollen Dank schuldet der Verfasser S. Exz. Obödienz-Großkreuz-Bailli Quintin Jermy Gwyn, dem Großkanzler des Ordens, wie S. Durchlaucht, dem Fürst-Großprior des Großpriorates von Österreich, Bailli Fra' Friedrich A. Kinsky von Wchnitiz und Tettau, für die richtungweisenden und fördernden Gespräche zur Struktur und zum Recht, zur Spiritualität und dem geistlich-ritterlichen Selbstverständnis des Forschungsobjektes in einer technisch sich wandelnden Welt. S. Exz. Botschafter Comte Robert de Billy und der verewigte Ministre-Conseiller an der Gesandtschaft des Ordens bei der Republik Österreich, Dr. Leopold Hayden, denen der Verfasser im diplomatischen Dienste zur Seite stehen durfte und darf, vermittelten ihm während ungezählter Begegnungen den unverwechselbar nobilitär-melitensischen Geist und machten ihn mit den alten und neuen Imperativen des achtspitzigen Malteserkreuzes in unserer Zeit vertraut.

Der Direktor der Wiener Diplomatischen Akademie, S. Exz. Botschafter Baron DDr. Arthur Breycha-Vauthier de Baillamont, Mitglied der Magistralkommission für die Auswärtigen Angelegenheiten und sozialen Assistenzen des Ordens, hat dem Verfasser in persönlicher Freundschaft sein umfassendes Privatarchiv wie auch seinen langjährigen Erfahrungsschatz über das Leben im Malteserorden in zuvor kommender und hilfsbereiter Weise zugänglich gemacht. Der Genannte hat sich auch selbst der Mühe unterzogen, das Manuskript der vorliegenden Arbeit zu vidieren und zu korrigieren, wofür ihm besonders herzlicher Dank bekundet sei. Aufrichtigen und lebenslangen Dank schuldet der Verfasser seinen verehrten Lehrern Prälat em. Prof. Dr. h. c. mult. DDr. Johannes Messner und dem Nestor der Völkerrechtswissenschaft em. Prof. Dr. h. c. mult. Dr. Alfred Verdross, von denen er den Zugang und Impulse zum Verständnis des "bonum commune humanitatis" aus naturrechtlicher und christlicher Perspektive erfahren und empfangen durfte. Ebenso aufrichtig bleibt der Autor den Vorständen des Instituts für Völkerrecht und internationale Beziehungen an der Wiener Universität verbunden: Prof. Dr. Karl Zemanek und Botschafter a. D. Prof. Dr. Stefan Verosta vermittelten ihm ihr völkerrechtliches Wissen und akzeptierten vorliegende Untersuchung als Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung.
Herr Senator e. h. Ministerialrat a. D. Dr. Johannes Broermann, der Inhaber des Verlages Duncker & Humblot, und der Österreichische Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, Frau Dr. Hertha Firnberg, haben in verständnisvoller Aufgeschlossenheit die Drucklegung der Untersuchung ermöglicht. Gemäß den spirituellen Intentionen des Völkerrechtssubjekts "Souveräner Malteser-Ritter-Orden" sei diese wissenschaftliche Arbeit unter die Auspizien des Heiligen Johannes des Täufers gestellt, der dieser religiösen, nobilitären und sozialhospitalären, weltweit verbreiteten Kommunität ihren ursprünglichen und noch heute primär verbindlichen Namen gegeben hat!
Nun erhebt sich die Frage: besteht der adelige Charakter des Ordens und seiner Ritter heute "nur" mehr aus der vielzitierten "adeligen ( = edlen) Gesinnung" oder hält der Orden in partiellem Sinne an einem Blutadel fest?
Sowohl, als auch. Für die Zulassung zur 1. und 2. Klasse des Ordens sind gewisse, in der vorliegenden Arbeit nicht näher zu beschreibende, Adelsproben erforderlich. Einige Zweige der dritten Klasse tragen allerdings ein besonderes Merkmal, das melitensischem, internen Recht entspricht: deren Angehörige sind "cavalieri die grazia magistrale", also Ritter "durch die Gnade des Großmeisters", im ordensinternen Sinne persönlichen "melitensischen Adels", ohne jedoch Prädikate, Wappenrechte und Vererbbarkeit damit junktimiert zu empfangen.
Ohne Zweifel profitiert der Orden von seiner "religiösen Abhängigkeit" vom Heiligen Stuhle, als ihn dieser auf Grund seines internationalen Prestiges beglaubigt und ihn a priori des Verdachtes der religiösen Separation, der gesellschaftlichen Eigenbrötelei, ja des Schismas und des Daseins einer religiösen Sekte entledigt. Der Heilige Stuhl gewährt dem Orden ein spirituelles Akkreditiv, indem er ihn unmittelbar an den Lebensstrom der katholischen Weltkirche anschließt, gebunden hält und seine religiösen Kanäle speist. Es ist daher nur eine Selbstverständlichkeit, daß auch im weltlich-diplomatischen Bereich die Missionen des Heiligen Stuhles und des Ordens nämlich Nuntiaturen und Botschaften, Internuntiaturen und Gesandtschaften, Apostolische Delegationen und melitensische Delegationen auf das Beste kooperieren. Denn der Malteserorden ist "kirchlicher" als jedes andere Völkerrechtssubjekt neben der Katholischen Kirche, respektive dem Heiligen Stuhl. R. A. Graham rechnet den Malteserorden zu jenen Staaten (einschließlich jener Völkerrechtssubjekte, die nicht Staat sind), in denen keine "Trennung von Kirche und Staat" besteht.
Aus Malteserorden und Völkergemeinschaft (Robert Prantner, 1974)

The work continuously cites for sources a book authored by the Order themselves at a publisher specialized on arts and museums. Numerous aristocratic members of the order are the authors of the chapters and they are cited individually by Prantner as if to appear like they are independent sources.




Robert Pranter erhielt später den Päpstlichen Ritterorden des heiligen Gregor des Großen.
Aus Der Malteserorden (Alexander Krethlow) https://rjkg.de/ojs/index.php/rjkg/article/download/58004/57891/57946
Seit den 1830er-Jahren kamen dem Orden sowohl Angebote zur Übernahme hospitalischer Aufgaben als auch Hinweise auf die Opportunität verstärkter karitativer Tätigkeit, besonders durch Mitglieder des österreichischen Erzhauses, zu. Die hohe Wertschätzung von ritterlich-militärischem Glanz und Prestige der Ordensführung hatte jedoch zur Folge, dass diese Chance nicht oder zu spät genutzt wurde. Tatsächlich sahen sich die Ordensritter, insbesondere diejenigen die noch auf Malta ihren Kriegsdienst geleistet hatten, nicht gerne in einem zweitrangigen Hospital in Modena sitzen oder die Rechnungsbücher eines Krankeninstituts prüfen. Sie suchten viel lieber der Nobelgarde des betreffenden Herzogtums oder am päpstlichen Hofe standesgemäßen aber nur mehr beschränkt nutzlichen Dienst zu leisten. Die Marktlücke des militärischen Sanitätsdienstes füllte daher eine andere Organisation. Der Schweizer Henry Dunant (1828-1920) gründete im Jahre 1863 das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege dessen Symbol das Rote Kreuz bald die systematische Kriegskrankenpflege monopolisierte. Indem der Malteserorden mit seinen diskriminierenden Aufnahmebestimmungen dem Prinzip der sozialen Ungleichheit und seinen vielfach überkommenen adeligen Traditionen verhaftet blieb verpasste er hier eine bedeutende Chance.
So hatte ein Rechtsritter bis 1914 eine fast 50-prozentige Chance, Komtur zu werden und in den Genuss der Ertrage einer Kommende zu gelangen, was seine Lebenshaltung weiter verbesserte. Einzelnen Adelsfamilien gelang es mit Erfolg, durch mehrfache Vertretung in den Rechtsrängen und damıt im Provinzkapitel die Nachfolge in der Verwaltung der einträglichen Kommenden in ihren Händen zu behalten.
Für eine Mitgliedschaft als Ehrenritter oder Ehrendame waren die Motivationen breiter gefächert. So schuf der Orden im religiösen Bereich die Möglichkeit, dass der katholische Adelige in standesgemäßer Umgebung seinen Glaubenspflichten nachkommen konnte. Auch in politischer Hinsicht sind Beitrittsmotivationen erkennbar. Da traditionale Eliten und die katholische Kirche in ganz Europa bevorzugte Zielgruppen liberaler und sozialistischer Kritik waren, diente der Malteserorden der Geistlichkeit und dem Adel als transnationale Plattform zur Demonstration gemeinsamer Wertemuster. Auf nationaler Ebene war die Ehrenmitgliedschaft ebenso Ausdruck eines politischen Bekenntnisses. So stellte sie im Großpriorat Rom lange Zeit ein Zeichen für die besondere Verbundenheit mit dem Papst und für eine relative Distanz zu savoyischen Königshaus dar. Diese Ehrenmitgliedschaft in der Rheinisch-Westfälischen Malteser-Genossenschaft, die stark ultramontan ausgerichtet war, verwies auf einen ebenso deutlichen politischen Positionsbezug wie bei Teilen des ehemals polnischen Adels, der mit der Zugehörigkeit einem bestimmten Großpriorat antipreußische, antirussische oder antiösterreichische Tendenzen zum Ausdruck brachte.
Bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts kann indes von einer ernsthaften hilfsdienstlichen Tätigkeit kaum gesprochen werden. Für karitative Beschäftigung bot der Orden insbesondere für die Damen einen standesgemäßen Rahmen. Die Rechtsritter als Kerngruppe der Gemeinschaft waren wenig in die aktive Hospitalität des Ordens eingebunden. Der aktive Dienst am notleidenden Mitmenschen wurde zum Teil ordensfremden Institutionen überlassen. Gerne übernahmen einzelne Ehrenritter aber die organisatorische und verantwortliche Leitung hilfsdienstlicher Einsätze. Die Karitas diente somit dazu, dem Orden in der Öffentlichkeit eine zeitgerechte Existenzberechtigung zu verschaffen. Auf diese Weise erfüllte die hilfsdienstliche Aktivität eine Aufgabe von zentraler ordenspolitischer Bedeutung.







Religion und arkane Hierarchie
Der Orden der Gold- und Rosenkreuzer als geheime Kirche im 18. Jahrhundert
Renko D. Geffarth
Die abendländische Esoterik nahm ihren Ausgangspunkt in der italienischen Renaissance in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit der Wiederentdeckung antiker Schriften, etwa des spätantiken Corpus Hermeticum, als dessen Urheber die mythische Priestergestalt des Hermes Trismegistos galt, und ihrer Übertragung ins Lateinische durch den Philosophen Marsilio Ficino. [...]
Aus der Rezeption der Kabbala, des Platonismus und der Hermetik im deutschen Sprachraum entstanden schließlich das frühneuzeitliche Magiekonzept des Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim und in der Folge unter Einbindung der Alchemie die paracelsische Naturphilosophie, die Theosophie Jakob Böhmes und die Pansophie der Rosenkreuzerschriften des 17. Jahrhunderts—all dies immer im Wechselspiel und Widerstreit mit dem Christentum und seinen Konfessionen, die solche heterodoxen Strömungen durchaus auch als Häresie verfolgten. [...]
Schlögl betont den aufgeklärten Charakter auch der esoterischen Geheimbünde, da sie mit ihrer Bemühung um diesseitige Erlösung der ‚Schöpfung‘ eine „Alternative zur Heilsökonomik der christlichen Kirchen“ darstellten und daher dem „Selbstbewußtsein der Menschen am Ende des 18. Jahrhunderts“ entgegengekommen seien. [...]
In einem Überblicksaufsatz, der den Illuminatenorden und die Gold- und Rosenkreuzer behandelte, betonte der Münchner Historiker und Ordinarius Ludwig Hammermayer 1993 noch einmal den Gegensatz zwischen den ‚radikal-aufklärerischen‘ Illuminaten und den ‚theokratischen‘ Rosenkreuzern. [...]
Offensichtlich Reformen herausfordernde gesellschaftlich-kulturelle Bereiche waren die im 16. Jahrhundert entstandenen konfessionellen und die damit verbundenen politischen Spannungen im Reich, die Rolle der Religion in Kultur und Gesellschaft und nicht zuletzt das als mangelhaft empfundene Verständnis von ‚Wissenschaft‘. Diese drei Kernthemen sollten nun mit Hilfe der geheimen Bruderschaft der Rosenkreuzer einer Erneuerung unterzogen werden, die einem einheitlichen ‚Weltbild‘ folgte. Die Rosenkreuzermanifeste und der sich in den Jahren nach ihrem ersten Erscheinen vollziehende Diskurs sind damit nicht nur die Vermittler einer auf den Arzt und Hermetiker Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493– 1541), und die Hermetik der Renaissance rekurrierenden frühneuzeitlichen esoterischen Tradition, sondern ebenso Ausdruck der Wahrnehmung der Krisenhaftigkeit des frühen 17. Jahrhunderts.[...]
Diese ersten Jahre nach dem Erscheinen der Manifeste gelten als die Periode der ‚älteren‘ Rosenkreuzer, gefolgt von einer ‚mittleren‘ Periode, die aus der Übersetzung der Schriften in andere europäische Sprachen und ihrer Rezeption in anderen Ländern, insbesondere in England, resultierte; der Beginn dieser zweiten Periode wird im allgemeinen um die Mitte des 17. Jahrhunderts angesetzt und ihre Dauer bis in das frühe 18. Jahrhundert ausgedehnt. Für die ‚mittleren Rosenkreuzer‘ gibt es erste Spekulationen um tatsächlich existierende Bruderschaften oder auch nur Kreise von Personen, die sich selbst als Rosenkreuzer betrachteten oder bezeichneten; so soll etwa Gottfried Wilhelm Leibniz Mitglied eines Kreises von Alchemisten und Rosenkreuzern gewesen sein. Nach wie vor gilt aber auch für diese Phase des ‚Rosenkreuzertums‘, dass es eine wirkliche Gesellschaft, einen Orden, vergleichbar mit demjenigen des späten 18. Jahrhunderts, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gegeben hat. [...]
Die Entwicklungsgeschichte der im folgenden Abschnitt vorgestellten Freimaurerei weist allerdings Einflüsse aus der Rezeption der Rosenkreuzerschriften im England des 17. Jahrhunderts auf, die etwa über Elias Ashmole (1617–1692), Mitglied der 1660 gegründeten Royal Society und einer der frühen Freimaurer, vermittelt wurden. Die in der vorliegenden Studie gewählte chronologische Reihenfolge ‚Ältere Rosenkreuzer‘—Freimaurer—Gold- und Rosenkreuzer beruht daher auf der begründeten Annahme, zwischen den Rosenkreuzermanifesten und der frühen Freimaurerei habe es ebenso eine inhaltliche Verbindung gegeben, wie es zwischen der Freimaurerei des 18. Jahrhunderts und dem Orden der Gold- und Rosenkreuzer einen strukturellen Zusammenhang gab. [...]
The Sacrificial Body and the Day of Doom
Alchemie und Apokalyptischer Diskurs in der Reformation
Urszula Szulakowska
Es war Luther, der als erster das Papsttum mit dem Antichristen identifizierte, und auf dieser Grundlage hatten lutherische Künstler das Haupt der Hure Babylon mit der päpstlichen Tiara gekrönt, wie in der Wittenberger Bibel von 1522 (Offenbarung 17,1-7). Außerdem setzten sie den Papst mit dem Tier aus dem Abgrund gleich (Offenbarung 11,7). Das apokalyptische Standardrepertoire wurde in Luthers unmittelbarem Umfeld von Lucas Cranach in seinen Holzschnitten für die Passion Christi und Antichristi (1521) und für Luthers Septembertestament (1522) geschaffen. Trotz des internationalen und historischen Ansehens von Dürers apokalyptischen Stichen (1498), die in die Wittenberger Bibel (1522) übernommen wurden, entwickelte sich die spätere protestantische Ikonographie nicht nach seinem Vorbild, sondern nach dem von Cranach entwickelt. [...]
Man glaubte, dass das Martyrium die Kirche mit dem geistigen Reichtum der göttlichen Gnade versorgen würde, der Grundlage für ihre künftige Entwicklung auf Erden. [...]
Nach dieser Lehre war das Fleisch der Grund des menschlichen Heils, seine Qualen eine Notwendigkeit, sei es im Leben als Märtyrer für Christus oder nach dem Tod im Zustand der Läuterung. [...]
In der mittelalterlichen Lehre war es allein die Kirche, die das Überleben des Subjekts (d. h. des Körpers) genehmigen konnte, indem sie dafür sorgte, dass die Seele und ihr vorübergehender somatischer Körper entweder ins Fegefeuer oder (in seltenen Fällen) durch die Gnade der Sakramente der Kirche direkt in den Himmel gingen. [...]
Einige paracelsische Alchemisten, insbesondere Heinrich Khunrath (ca. 1560-1605) und Stefan Michelspacher (aktiv ca. 1615-23), wurden sowohl von den lutherischen als auch von den katholischen Behörden verfolgt. Khunrath war ein Alchemist aus Sachsen, dem Kernland der Reformation, aber seine theologische Haltung war charakteristisch für die zweite Generation von Protestanten, die der Meinung waren, dass Luthers Werk unvollständig geblieben war und eine weitere religiöse Reform unerlässlich war. [...]
Die Abweichler von den etablierten protestantischen Kirchen waren wichtige Wegbereiter einer säkularen, gegenüber religiösen Spaltungen toleranten Gesellschaft, in der Kirche und Staat getrennt waren. Bei der Charakterisierung dieser Dissidenten hat Séguenny ein Konzept des Philosophen Leszek Kolakowski übernommen, nämlich das der "Religion ohne Kirche". Ich möchte hinzufügen, dass ein wenig bekannter Aspekt der Geschichte des Säkularismus die Rolle der paracelsischen Theosophie bei der Schaffung einer heterogenen Gesellschaft ist, die nicht konforme religiöse Ansichten unterstützt.[...]

Historiker wie Frances Yates in ihrer Untersuchung der "Rosenkreuzer-Aufklärung" und Joscelyn Godwin in seiner Analyse der "Theosophischen Aufklärung" haben die integrale Beziehung zwischen Esoterik und proto-demokratischen Ansichten festgestellt. Sie haben gezeigt, wie die Rosenkreuzer oder die "Illuminaten" des 18. Jahrhunderts sich selbst als Vorreiter des aufgeklärten Denkens in ihrer Entwicklung der intellektuellen Traditionen des klassischen Humanismus bezeichneten.[...]
Philosophiehistoriker der Renaissance, wie z. B. Kristeller, haben gezeigt, dass die Hermetik der Renaissance auch zur Entstehung eines stärker individualistischen Glaubens beitrug. Es war Cosimo de Medici, der Marsilio Ficino 1463 gebeten hatte, das neu gefundene Corpus Hermeticum ins Lateinische zu übersetzen. Er vollendete nur die ersten vierzehn Traktate, und es war Lodovico Lazzarelli, der den Rest (Traktate XVI-XVIII) übersetzte und sie als Diffinitiones Asclepii in Champiers Ausgabe von 1507 veröffentlichte. Dieser hermetische Korpus bestand größtenteils aus religiösen Texten aus dem zweiten Jahrhundert, die von verschiedenen heidnischen Gruppen in der späthellenistischen Periode verfasst wurden. Einige von ihnen waren vom frühen Christentum beeinflusst worden, während andere von nahöstlichen Glaubensvorstellungen inspiriert waren. In der frühchristlichen Zeit wurden sie unter dem Pseudonym „Hermes Trismegistus“ zusammengefasst. Als synkretistische Verschmelzung verschiedener hellenistischer theosophischer Überzeugungen und Praktiken war der Hermetismus im vorchristlichen Ägypten im zweiten Jahrhundert entstanden. Zu seinen Quellen gehörten die chaldäischen Orakel, der Orphismus, die sibyllinischen Prophezeiungen, Theogonien, die das griechische Pantheon mit denen der von Alexander eroberten Völker des Nahen Ostens verbanden, Initiationsriten und magische Papyri, die aus den wuchernden Kulten des hellenistischen Ägyptens stammten und von denen einige von Konzepten der christlichen Soteriologie beeinflusst worden waren. Der Hermetismus unterscheidet sich somit historisch vom Neoplatonismus, einem theosophischen Diskurs, der eine direkte Abstammung vom klassischen platonischen Denken behauptet. Tatsächlich hatte die Vielfalt der religiösen Ideen im späten Römischen Reich Plotin dazu angeregt, seine eigene Darstellung einer dreischichtigen Kosmologie mit einer begleitenden Ontologie zu entwickeln, die zu mystischer Erfahrung neigte. Plotin hatte keinerlei Interesse an magischen Ritualen, sondern war auf die spirituelle Erleuchtung für sich und seine Schüler bedacht.
Als Antwort auf frühere Zweifel an seinen religiösen Überzeugungen hatte Fludd in den Jahren 1618-20 die Declaratio Brevis an König Jakob I. geschrieben. Die alchemistische Aneignung der christlichen Sakramente der Taufe und des Abendmahls wurde von den herrschenden Kirchen nicht begrüßt. Keine von ihnen konnte eine Chemie akzeptieren, die behauptete, Substanzen herzustellen, die dem Leib und dem Blut Christi gleichwertig waren und dieselbe Gnade der geistigen und körperlichen Heilung gewährten. Das Wunder des Brotes und des Weines in der Messe oder im Abendmahlsgottesdienst war einzigartig und konnte niemals mit chemischen Mitteln nachgeahmt werden, egal wie fromm und betend man war. Darüber hinaus erlaubte keine der Kirchen unbefugten Laien, den sakramentalen Ritus zu vollziehen, was das Vorrecht von Priestern war, die von einem Bischof durch direkte apostolische Übertragung von Christus förmlich ernannt worden waren. Wenn sie, wie Fludd, kabbalistische Engel (vor allem Metatron) in die alchemistische Version des Ritus einführten, wurde er, wie Mersenne behauptete, als Anhänger der abscheulichsten dämonischen Magie betrachtet. Die guten oder schlechten Absichten spielten dabei keine Rolle: Es ging um die Frage, wer dieses mächtige Wunder kontrollieren sollte.
Die Behauptung, dass ein einzelner Mensch, der von einer rein inneren Gnade geleitet wird, sein eigenes Wesen in das Christi verwandeln kann, führte zu einer zweiten Konsequenz, nämlich dass die Kirche, ob römisch oder lutherisch, für das Werk der geistlichen Erlösung irrelevant wurde. In der Organisation der dissidenten religiösen Gruppen waren es die Laien, die die kirchliche Hierarchie als Leiter des inneren Gewissens ablösten. Sie begründeten ihr Streben nach Unabhängigkeit von der kirchlichen Kontrolle mit den Aussagen Christi über die Rolle des Heiligen Geistes nach seinem Tod.[...]
Das christliche Bild des Menschensohns, insbesondere das des Apostels Paulus, war teilweise ein historisches Erbe einer vorchristlichen Anthropos-Gestalt, deren Kult im zweiten Jahrhundert v. Chr. in Palästina, Syrien und Ägypten existierte. Diese aus Mesopotamien stammende Person war in den apokalyptischen Texten von Daniel, Hesekiel und Henoch 2 in einen jüdischen Kontext übertragen worden. [...]
Das Bild des "Menschensohns" ("Anthropos") trat im zweiten Jahrhundert v. Chr. in das Judentum ein und erschien zunächst als eine namenlose, menschenähnliche Person, die in Daniel beschrieben wird und später in der Henochgeschichte zu einer messianischen Figur wurde. Er war ein iranisches Element, das in den jüdischen Bericht über die Erschaffung Adams aufgenommen wurde. Der "Menschensohn" oder "Anthropos" ist eine Übersetzung des hebräischen Begriffs "bar nasha", der in den synoptischen Evangelien und in den hebräischen Apokalypsen von Daniel und Hesekiel vorkommt. Im semitischen Sprachgebrauch war "bar nasha" kein Vorname, sondern bedeutete einfach "einer" oder "jemand". Es waren die hellenistischen Christen, die den Begriff in Anlehnung an die griechische Übersetzung als "Menschensohn" ("Anthropos") interpretierten: "ο υιος του ανθροπον". Der ursprüngliche jüdische "bar nasha" taucht zum ersten Mal im Buch Daniel 7, 13-14 auf, wo auch die Lehre von der Auferstehung des Leibes zum ersten Mal erwähnt wird. Später taucht er im apokryphen Buch Henoch (1. Jahrhundert v. Chr.) wieder auf, das der messianischen Prophetie neue Elemente hinzufügt, indem es den nichtjüdischen Menschensohn, die Geschichte seiner Verborgenheit durch Gott, seine Rolle bei der Offenbarung der Geheimnisse und seine endgültige Aufgabe als Weltrichter integriert. Hesekiel wiederum entwickelte eine eschatologische Erzählung, die einen Endsieg in Jerusalem und ein anschließendes Gericht prophezeite. Der übermenschliche "Bar Nasha" repräsentierte als Gottes Vorkämpfer das auserwählte Volk. Kraeling unterscheidet in der Tat zwischen den historischen Figuren des "Anthropos" und des "Menschensohns", die in der späteren christlichen Apokalyptik miteinander verschmolzen wurden. Anthropos gehörte als siegreicher Kämpfer zur Schöpfungsgeschichte, während der Menschensohn "Bar Nasha" ein eschatologischer Typus war. [...]
Viele Propheten und Magier glaubten, dass der Heilige Geist in der Endzeit die verborgenen Geheimnisse der Natur enthüllt, wie Christus es vorausgesagt hatte. Diese waren nur denen zugänglich, die dem wahren Glauben anhingen, nämlich den Lutheranern. Es ist kein Zufall, dass das Wiederaufleben der Alchemie im späten 16. Jahrhundert in den lutherischen Gebieten Europas stattfand, insbesondere in den östlichen deutschen Staaten bis hin nach Schlesien, wo lebhafte Gruppen paracelsischer Alchemisten entstanden. Luthers Hauptschüler, der Humanist Philipp Melanchthon (der auch Reuchlins Schwiegersohn war), zeigte ein besonderes Interesse an der Alchemie. Er förderte auch die Nutzung der neuen humanistischen Wissenschaft der Linguistik, um heilige Texte auf weitere Prophezeiungen zu untersuchen. [...]




Alterations of State
Sacred Kingship in the English Reformation
Richard C. McCoy
Könige waren in Europa jahrhundertelang heilige Personen, die als gesalbte Stellvertreter des Herrn auf Erden angesehen wurden. Die Kirche und ihre Sakramente galten als heiliger als die Monarchie, doch wurden den mittelalterlichen Herrschern immer noch sakrale, geistliche und sogar wundertätige Kräfte zugeschrieben. Die Krönung wurde von einigen als ein Sakrament angesehen, das einer Weihe gleichkam; der königlichen Berührung wurden heilende Wirkungen zugeschrieben, und die mystische Vorstellung von den zwei Körpern des Königs implizierte, dass das Königtum niemals starb. Außerdem hatten Herrscher von Karl dem Großen bis zu den Habsburgern die kaiserliche Autonomie gegenüber dem Papsttum beansprucht, was zu Spannungen zwischen Königen und Klerikern führte. Die Reformation verschärfte diesen Konflikt, während sie gleichzeitig die älteren Vorstellungen von einem heiligen Königtum erheblich erweiterte und sie gleichzeitig grandioser und problematischer machte. In England wurde der Bruch Heinrichs VIII. mit Rom durch neue Theorien der königlichen Oberhoheit gerechtfertigt, die den König zum Oberhaupt der Kirche und des Klerus sowie zur geistlichen Verkörperung des Reiches machten.
Mit dem Fortschreiten der Reformation wurden sogar die Sakramente selbst eingeschränkt und die Messe abgeschafft. Diese Entwicklungen führten zu dem, was John Bossy eine "Migration des Heiligen" nennt, bei der "die sozial integrativen Kräfte der Hostie" auf die "Rituale der Monarchie und der weltlichen Gemeinschaft" übertragen wurden. Unter den Tudors erlangte die königliche Gegenwart etwas von der ehrfurchtgebietenden Heiligkeit der Realpräsenz Christi in der Eucharistie und drohte sie zeitweise sogar zu ersetzen. Unter Edward wurden die Lettner abmontiert und manchmal durch das königliche Wappen ersetzt, und das Fronleichnamsfest wurde schließlich verdrängt und durch einen Elisabethkult und seine jährlichen königlichen Prozessionen ersetzt. Sowohl die alten als auch die neuen Vorstellungen vom sakralen Königtum riefen immer noch zunehmende Ambivalenz und sogar Feindseligkeit hervor, und die Anfechtungen und Konflikte hielten auch während der Reformation an. "Da der Protestantismus die körperliche Heiligkeit ablehnte", so Paul Kléber Monod in The Power of Kings, "... konnte er leicht mit einem Königtum kollidieren, das den Körper heilig machte." Eifrigere Protestanten hielten die Verehrung der Monarchie für ebenso götzendienerisch wie die Anbetung der Hostie und kritisierten wiederholt die Unzulänglichkeiten der gottgefälligen Herrschaft unter den Tudors. Unter den Stuarts nahm der Widerstand der Puritaner zu, was den Bürgerkrieg anheizte und zur Hinrichtung Karls I. im Jahr 1649 führte. Der Kampf der englischen Reformation um das heilige Königtum wurde durch Königsmord und republikanische Herrschaft kaum gelöst. Zu John Miltons Entsetzen verstärkte das von Karl I. vergossene Blut nur noch die Tendenz Englands zu "einer zivilen Art von Idolatrie in der Vergötterung der Könige". Der König erwies sich nach seinem Tod und seiner Niederlage als beliebter als zu Lebzeiten, was die Unterstützung für die Wiedereinsetzung von Karl II. im Jahr 1660 beflügelte. Dennoch wurden die papistischen Sympathien der Stuarts zunehmend unangenehm, und Jakob II. wurde 1688 abgesetzt. Indem die Glorious Revolution das göttliche Erbrecht in Frage stellte, beschädigte sie die traditionelleren Vorstellungen vom sakralen Königtum ernsthaft und leitete eine neue Ära der konstitutionellen Monarchie ein.
Wie diese kurze Zusammenfassung zeigt, wurden die Auseinandersetzungen um die englische Monarchie in der frühen Neuzeit immer turbulenter. Es war eine Zeit, die in den Worten verschiedener zeitgenössischer Berichte von "vielen großen Veränderungen und schrecklichen Umwälzungen" geprägt war, von "Tagen der Erschütterung". Selbst ein relativ reibungsloser Übergang konnte schreckliche Befürchtungen wecken. In seiner Chronik von 1603, die ironischerweise den Titel The Wonderful Year (Das wunderbare Jahr) trägt, bringt Thomas Dekker die Ängste im Zusammenhang mit dem Tod von Elisabeth und der Nachfolge von Jakobus zum Ausdruck, indem er ausruft: "What an EarthQuake is the Alteration of a State!" Jeder Regimewechsel konnte akute Ängste hervorrufen, denn während der englischen Reformation waren politische Veränderungen oft auch mit religiösen Veränderungen verbunden. König Jakobus verstand diese Ängste und versuchte, seinen neuen Untertanen zu versichern, dass solche drastischen Veränderungen hinter ihnen lägen, als er 1604 in Hampton Court sprach: "In diesem Land hat König Heinrich VIII. gegen Ende seiner Herrschaft viel verändert, König Eduard VI. noch mehr, Königin Maria hat alles rückgängig gemacht, und zuletzt hat Königin Elisabeth (von berühmtem Andenken) die Religion so geregelt, wie sie jetzt ist. Darin bin ich glücklicher als sie, denn sie waren geneigt, alles zu ändern, was sie etabliert fanden, während ich noch keinen Grund sehe, das zu ändern, was ich bereits festgelegt habe." Jakobs eigene Feindseligkeit gegenüber den Puritanern verschärfte jedoch während seiner gesamten Regierungszeit die konfessionellen Konflikte, die von seinen Erben nur noch weiter angefacht wurden.
Die Religionspolitik Karls I. trug dazu bei, den Bürgerkrieg auszulösen, der ihn den Kopf kostete, und die Konversion Jakobs II. zum Katholizismus löste die Glorreiche Revolution aus, die ihn und schließlich die Stuart-Dynastie den Thron kostete. Für viele in England müssen diese Veränderungen wie ein Erdbeben gewirkt haben.
Geschichte und Politik
Um die heutige Politik mach ich einen großen Bogen, es ist immer noch authoritäre Bevormundung und ein echter Dialog findet ohnehin nicht statt. In einer Demokratie wäre jeder Politiker, aber wenn Menschen tagein tagaus keine Zeit haben weil sie ihr Leben mit repetitiver Arbeit zubringen müssen von der sie selbst überhaupt nichts haben, für Leute die sie nicht einmal kennen bloß um immer wieder die selbe Betonkiste und den selben Vergaser zu bezahlen bleibt ihnen einfach keine Zeit und Kraft um selbst eingehend aktuelle Themen zu studieren und eigene Meinungen und Aussagen zu erlangen. Mangels eigener Einsichten bleibt nur eine der vorgefertigten Meinungen zu adaptieren, zwischen Rot, Blau oder Schwarz zu wählen.
Menschen werden absolut nicht zur Emanzipation erzogen, man könnte von klein auf alle 2-3 Wochen Teilnahme an politischen Debatten fördern, sie aktiv in der Politik miteinbeziehen und dazu entsprechend von Arbeit und Verpflichtungen freistellen, so würden politisch gebildete Menschen erzogen, aber in Wirklichkeit will man das überhaupt nicht.
Mit 6 Jahren werden Kinder in ein Zuchthaus gesteckt wo es heißt sitz still und schweig, in Schule und Ausbildung ist es vollkommen irrelevant was richtig ist, es geht einzig darum zu sagen was sie hören wollen, es geht um Gehorsam. Es wird einem beigebracht, dass man nichtkann, es wird einem nicht beigebracht man könne mit Leichtigkeit fremde Sprachen lernen, sondern dass es langwierig und schwierig ist, dass man es nur durch teure Lehrer und Zertifikate kann und es kurzum am besten lasst und arbeiten geht.
Jedes Kind würde mit allerhöchster Freude freiwillig Mathematik studieren und geniale Roboter, Vehikel oder schlaue Häuser konstruieren weil es ein Vergnügen ist wenn man nicht "Fehlleistungen" diagnostiziert bekommt, abgestraft wird wenn man nicht "gut genug" leistet, aber das sind die wirklichen wertvollen Dinge im Leben und werden jedem von klein an genommen. Möchte man ein eigenes Vehikel oder Haus konstruieren? Keine Genehmigung.
Es stellt sich niemand freiwillig tagein tagaus an die Straße und verkauft Döner, die Menschen werden als Kinder gebrochen und diese Formen gepresst, denn dieses System braucht Putzfrauen und Mechaniker. In Wirklichkeit braucht es die nicht, wir können fast alle mühselige Arbeiten automatisieren und abschaffen, aber man will es nicht. Müssten die Leute ihren Mist selbst wegräumen, selbst putzen, anstatt andere dafür zu bezahlen, dann würden sie mit Sicherheit weniger Dreck machen, es sich besser überlegen was es tatsächlich wert ist. Es müsste niemand bei McDonalds Burger braten wenn man da hingehen kann und sich das selbst machen. Ford hat das Förderband und die automatisierte Fabrik entwickelt und so die Massenproduktion, wir wollten diese Maschinen entwickeln damit sie uns die Arbeit abnehmen, aber diesen Vorteil behält der Fabriksbesitzer, der Kapitalist, der Konzern ein, das ist ihr Profit. Da es nun nichtmehr wirklich notwendig ist dass jeder sein Leben mit Arbeit zubringt (und tatsächlich nie war) werden Milliarden in sinnlosen Kriegen wortwörtlich verbrannt denn für dieses Geld das die Nationalbanken drucken bürgt der Bürger und muss dafür arbeiten.
Es würde aber auch niemand in seiner freien Zeit tagtäglich Ekzeme untersuchen oder Gutachten verfassen, der Arzt, der Anwalt ist in Wirklichkeit kein Stück schlauer als der Tankwart und muss alles kaufen weil er von nichts eine Ahnung hat, er ist noch nichtmal ein Arzt, sondern nur ein HNO, ganz besonders von der Politik hat er keine Ahnung, das können nur echte Politiker, so muss er andere für sich entscheiden lassen, muss sich regieren lassen.
Da hat man dann noch nicht einmal den Marx geschafft und der liegt 160 Jahre zurück. Warum der Marxismus nicht funktioniert? Weil jene die vom bestehenden System profitieren nicht wollen, dass sich der Arbeiter erhebt, von seinen Ketten befreit und sein Kapital und seine Rechte in die eigene Hand nimmt. Das Paradies ist möglich, da kommen wir her, dann vergessen wir allerdings all die negativen Dinge, die Probleme und Schwierigkeiten des Lebens und öffnen ihnen Tür und Tor, der Marxismus ist keine Wunderlösung und so auch keine Utopie.
Als im Zuge der französischen Revolution Seine Hochwohlgeboren der König von Frankreich Louis XVI vor dem Tribunal nur noch "citoyen Capet" war, ein Bürger, bedeudete das, dass sich selbst der allerhöchste Adel plötzlich mit Bürgerrechten und Gedankengut auseinandersetzen musste. Die adligen Dynastien lassen sich nicht in das kleinbürgerliche Bild vom Nationalstaat pressen, sie definierten sich durch ihre weitverzweigten Verwandschaften an den internationalen Höfen. Was mit der Revolution geschah versetzte der Aristokratie ganz Europas einen Schlag, es war klar, dass das Hl. Röm. Reich dt. Nat. nicht verschont bleiben würde und so kam man dem zuvor indem man den Niemand, das unbeschriebene Blatt aus Korsika kurzerhand über alle Klassen hinweg zum Kaiser machte und das HRR erlosch, unter Fanfaren ritt er in Paris ein und beendete die Revolution und überzog Europa mit Kriegen um die bevorstehenden Veränderungen im Keim zu ersticken und war damit nicht gänzlich ohne Erfolg.
[...] mit der Unterjochung der Arbeiterklasse, welche Februar und März gemacht hatte, gleichzeitig ihre Gegner besiegt wurden – die Bourgeoisrepublikaner in Frankreich, die den feudalen Absolutismus bekämpfenden Bürger- und Bauernklassen auf dem gesamten europäischen Kontinent; daß der Sieg der honetten Republik in Frankreich gleichzeitig der Fall der Nationen war, die auf die Februarrevolution mit heroischen Unabhängigkeitskriegen geantwortet hatten; daß endlich Europa mit der Besiegung der revolutionären Arbeiter in seine alte Doppelsklaverei zurückfiel. In die englisch-russische Sklaverei. Der Junikampf zu Paris, der Fall Wiens, die Tragikomödie des Berliner NovembersA1, die verzweifelten Anstrengungen Polens, Italiens und Ungarns, Irlands Aushungerung – das waren die Hauptmomente, in denen sich der europäische Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse zusammenfaßte, an denen wir nachwiesen, daß jede revolutionäre Erhebung, mag ihr Ziel noch so fernliegend dem Klassenkampf scheinen, scheitern muß, bis die revolutionäre Arbeiterklasse siegt, daß jede soziale Reform eine Utopie bleibt, bis die proletarische Revolution und die feudalistische Kontrerevolution sich in einem Weltkriegmit den Waffen messen. In unserer Darstellung, wie in der Wirklichkeit, waren Belgien und die Schweiz tragikomische karikaturmäßige Genrebilder in dem großen historischen Tableau, das eine der Musterstaat der bürgerlichen Monarchie, das andere der Musterstaat der bürgerlichen Republik, beides Staaten, die sich einbilden, ebenso unabhängig von dem Klassenkampf zu sein wie von der europäischen Revolution.
Friedrich Engels
Mit Kriegen lässt sich die eigene Bevölkerung noch viel besser unterdrücken und kontrollieren als Fremde, Krieg ist immer der selbe Klassenkampf und so ist klar dass es sich bei den beiden letzten großen Kriegen um nichts anderes handelte.
Kaiser Wilhem wollte die Novemberrevolution 1918 durch einen Marsch auf Berlin wie Napoleon beenden, was ihn davon abhielt war die äußert blutige Absetzung der Zaren durch die russischen Revolutionäre. Dass er sich nun auf seine Villa in Doorn zurückzog wurde ihm vom alten Adel als Fahnenflucht und Desertation nie vergeben, man warf ihm vor er hätte besser heldenhaft für das Kaiserreich sterben sollen. Den niederen Adel traf es nach 1918 besonder schwer, viele mussten nun als Tankwarte oder Sektetärinnen arbeiten oder waren gar auf Spenden der DAG angewiesen und waren entsprechend wütend auf die Niederlage und besonders die Republik, sie radikalisierten sich nach völkisch rechts.
Der hohe Adel musste zwar auch Verluste in Kauf nehmen, war aber weiterhin von enormen Reichtum und Besitzungen, ihnen war die Republik natürlich nicht minder verhasst, allerdings konnten sie den Kampf auf ganz anderem Niveau austragen, sie konnten auch ohne Anflüge von Hetze wie "nordischer Rasse" Anwalts- und Doktorengremien zu Felde führen die etwa die Auflösung der Fideikommisse aufzuhalten wussten und waren natürlich in allen wichtigen Positionen der Republik und des Dritten Römisch-Deutschen Reichs bestens vertreten, Hindenburgs Familie konnte mit Sicherheit sorgenfrei leben.
Ein paar eindrückliche Stellen aus Stephan Malinowskis Dissertation/Buch von 2003 Vom König zum Führer:
Etwa sechs Wochen nach dem Tag von Potsdam empfing Hitler den kaisertreuen Friedrich v. Berg, den gestürzten DAG-Adelsmarschall. Nach den Informationen, die der anwesende Reichswehrminister Werner v. Blomberg an den „Hausminister“ des Exilkaisers weitergab, hatte Hitler vage, jedoch weitgehende Versprechungen gemacht: „Als Abschluß seiner Arbeit sehe [Hitler] die Monarchie“, hieß es im Gesprächsprotokoll. In Frage käme allerdings allein die Hohenzollernmonarchie, eine Restauration der Throne in den Bundesstaaten sei abzulehnen. Der Zeitpunkt der Restauration sei allerdings noch nicht gekommen und die Monarchie nur als Ergebnis eines siegreichen Krieges denkbar.
Generalleutnant a. D. August v. Cramon hatte im Oktober 1933 eine an den Reichspräsidenten gerichtete Denkschrift verfaßt, in der die Wiedereinsetzung Wilhelms II. in seine königlichen Rechte, gewissermaßen als Geschenk zu seinem 75. Geburtstag im Januar 1934 vorgeschlagen wurde. Zur „Erbweisheit des Geschlechts“ kämen nunmehr Weisheit und Würde des Alters hinzu. Der „Führergedanke“ müsse zwangsläufig „im unsterblichen Führertum, der Erbmonarchie‘“ enden und Hitler werde dabei behilflich sein: „Adolf Hitler selbst ist, soweit bekannt, Monarchist.“
Eine Rede von 1930, in der Wilhelm II. in Doorn die Inflation des Führerbegriffes beklagte:
Führer sein! Das will heutzutage jeder. Führer bieten sich allerorten an. Als Führer spielen sich viele auf [...]. Und dennoch, überall der Schrei nach Führern!
In einer sonderbaren Mischung aus christlichen und neu-rechten Motiven erneuerte Wilhelm II. seinen Führungsanspruch. Der Führergedanke sei von Gott zuerst den Sumerern „geoffenbart‘ worden. König Hammurabi habe den „Führerberuf“‘ vor 5000, seine eigenen Vorfahren vor 500 Jahren von Gott übertragen bekommen. „Allein, diesen Führern ist wiederum der Führer Jesus Christus!“ Räumlich und gedanklich fern von allen politischen Realitäten ernannte der Exilkaiser Jesus zum jenseitigen, sich selbst zum irdischen „Führer“. Die vorangestelite Passage aus dem Johannes-Evangelium, die der Ansprache den Titel gegeben hatte, bezog der Kaiser-Führer auf sich selbst: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“
Eine „mobile“ Schnittstelle entstand durch die Aktivitäten der zweiten Ehefrau Wilhelms II., Hermine Prinzessin v. Reuß, die bei ihren Deutschlandaufenthalten in den wichtigsten Zirkeln der politischen Rechten verkehrte. Offenbar nahm sie 1929, am Rande des Nürnberger Parteitages, Kontakt mit der NSDAP-Führung auf. Der Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung mit Hitler ist unklar, gut dokumentiert ist hingegen ein Treffen mit Hitler im Salon der Baronin Tiele-Winckler im November 1931. In Anwesenheit der „Kaiserin“, Görings und der adligen Chefberater Wilhelms II. hielt Hitler einen mehrstündigen Monolog, in dem er seine Absicht darlegte, „alle Novemberverbrecher [...] öffentlich strangulieren“ zu lassen. Der Vortrag begeisterte Gastgeberin und Gäste gleichermaßen, die Ehefrau des Kaisers äußerte sich positiv über den „sympathisch[en]“ Hitler, „auch über seinen guten und geraden Gesichtsausdruck und seine guten Augen und ihren Ausdruck ohne Falsch“, Erfreut über das Ergebnis des Treffens faßte Magnus v. Levetzow seine Eindrücke von Hitler in einem Brief an Fürst v. Donnersmarck zusammen: „Er war gut im Tellerchen, Donnerwetter nochmal.“
Usw, das Buch enthält eine Fülle an Quellenmaterial, siehe Bücher
Die Republik war also verhasst und so wurde wiederum ein Niemand, ein unbeschriebenes Blatt hervorgeholt sie zu beseitigen. Es musste ein Niemand sein der keine Verbindungen zu bestehenden Mächtigen Strukturen hatte denn sonst würden alte Bündnisse und Rivalitäten ein effektives Handeln unmöglich machen.
Die Republik als Feind mag eine gemeinsame Front des hohen Adels gewesen sein, aber alte Bande und Rivalitäten waren deshalb noch lange nicht vergessen:
In Übereinstimmung mit seinen westfälischen Standesgenossen bezeichnete der Abt Augustinus von Galen, ein Bruder des später berühmten Bischofs, das Monarchieproblem 1926 als eine Cura posterior und hielt die Ansprüche des Hauses Habsburg im Gegensatz zu jenen der Hohenzollern für berechtigt: ,,Was die Hohenzollern betrifft, so hatte ihr Kaisertum mit dem des alten Reiches nicht das geringste zu tun [...]. Die Hohenzoller waren daher in gar keiner Weise Rechtsnachfolger der alten Kaiser und von diesem Gesichtspunkt aus könnten sie folglich als etwa bevorzugte Bewerber um die künftige Krone absolut nicht in Frage kommen."
Gerade bei den Anhängern des realitätsfernen Reichsgedankens fand sich oftmals eine gelassene Einstellung gegenüber der Republik. Für den südwestdeutschen Adelsverein, der mit den bayerischen Verbänden freundschaftliche Beziehungen unterhielt, erklärte Attila Graf v. Neipperg einem bayerischen Standesgenossen, auch im Südwesten sei der Adel monarchistisch, aber anders als im wittelsbachertreuen Bayern. Nur teilweise gehörte die Loyalität der Standesgenossen den Häusern Württemberg und Zähringen, viele westdeutsche Adlige jedoch hätten die „Sünden“ der Fürsten aus der napoleonischen Zeit nicht vergessen. Auch der Monarchismus, den Graf Neipperg hier umriß, glich eher einer vagen Grundhaltung als einem praktikablen Programm: „Diese Leute sind ganz Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Und bis zu einem gewissen Grad bin ich cum grano salis auch bei dieser Seite. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir zeigen und beweisen wollen, dass der Adel in der Republik notwendig ist, noch notwendiger als in der Monarchie, wo alles seinen mehr oder minder geregelten Gang ging. Aber officiell sind wir nicht monarchisch eingestellt.“
Noch in den 30ern sagte Churchill die Russen seien die größte Bedrohung für Europa, dass sich Allierte und Russen verbündeten mag deshalb vor dem Krieg undenkbar gewesen sein. Als sie sich nach dem Krieg nun ohne gemeinsamen Feind gegenüberstanden brach die alte Abneigung wieder hervor, allerdings machten die nun eingetretenen Friedensverträge ein weiteres Bekriegen unmöglich und so schwelte es stattdessen als Kalter Krieg, der bevorzugt auf dem Verliererland Deutschland (und anderen Marionetten) ausgetragen wurde: es wurde in den allierten Westen und den russischen Osten zerrissen. Wie das Ganze ausgegangen ist, ist nun bekannt: heutzutage ist hier alles Amerikanisch, amerikanische Banken und Konzerne so weit das Auge reicht. Zu den ersten Änderungen nach dem Krieg gehörten etwa Sachen wie Gebrüder Grimm als "zu deutsch" ("antisemitisch", über allen Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen hinweg kommen in Drei Märchen Juden vor, der Christ kommt hier kein Stück besser weg, im Gegenteil) aus dem Unterricht zu entfernen und dass Zeitungen und Nachrichtenagenturen ihre Konzessionen von den Besatzern anfragen mussten. So wurden Bildung und Nachrichtenwesen alliert geschalten und entsprechend ist die Geschichtsschreibung und Politik heute eine Allierte, in der der Deutsche das absolute Feindbild, der Nazi ist an dem es nichts Gutes geben kann.
Dabei hat die politische Konstellation einer nationalistischen, sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an und für sich noch überhaupt nichts mit Antisemitismus oder Diktatur zu tun. Tatsächlich ist das System der Nationalstaaten der Nationalismus, das ist die Neue Weltordnung, die neue Eliten hervorbrachte. Im internationalen Druck und Konkurrenzkampf zeigt der Nationalismus seine problematischen Facetten wie eine Tendenz zur Fremdenfeindlichkeit, denn der Staat stellt die eigenen Bürger vor alle Fremden. Der Staat ist ein Bund aus Menschen der andere, Fremde ausschließt, der höchste Bund ist heute der mit sich selbst, so neigt die Freiheit zur Individualität zum Egoismus der sich vor alle anderen stellt. Ehedem war der Bund mit Gott der allerhöchste, der Herr ist wichtiger als das eigene Leben, die Christen sind die Märtyrer, Knechte ihrer Herren, darum hat man die Religionen so bereitwillig verbreitet, Islam bedeutet wörtlich Unterwerfung, sich Allah dem Herren unterwerfen.
Das vorhin im Zitat erwähnte "unsterbliche Führertum" deutet eine wichtige Facette des Adligen Selbstverständnis an: sie sind durch ihre Blutlinie "unsterblich", solange diese fortbesteht, "der König ist tot, lang lebe der König", während es das Testament des gemeinen Volkes ist, dass ihr Leben und ihre Errungenschaften der Herr und nicht sie selbst ererben.
Die Welt der Geschichten der Heiligen Schrift begnügt sich nicht mit dem Anspruch, eine geschichtlich wahre Wirklichkeit zu sein - sie behauptet, die einzig wahre, die zur Alleinherrschaft bestimmte Welt zu sein. ... Die Geschichten der Heiligen Schrift werben nicht, wie die Homers, um unsere Gunst, sie schmeicheln uns nicht, um uns zu gefallen und zu bezaubem - sie wollen uns unterwerfen, und wenn wir es verweigern, so sind wir Rebellen". Der Glaube an den einen, sich in Israels Geschick der Welt offenbarenden Gott ist herrisch und exklusiv.
Otto Kaiser – Zwischen Athen und Jerusalem
"Das Volk des christlichen Staats ist nur ein Nichtvolk, das keinen eignen Willen mehr hat, sein wahres Dasein aber in dem Haupte besitzt, dem es untertan, welches ihm jedoch ursprünglich und seiner Natur nach fremd, d.h. von Gott gegeben und ohne sein eignes Zutun zu ihm gekommen ist." (Bruno Bauer)
Bruno Bauer, Zur Judenfrage 1843
Der einzige Mensch, der gilt, der König, ist ein von den andern Menschen spezifisch unterschiedenes, dabei selbst noch religiöses, mit dem Himmel, mit Gott direkt zusammenhängendes Wesen.
Karl Marx, Zur Judenfrage, 1844
Der christliche Staat kann seinem Wesen nach den Juden nicht emanzipieren; aber, setzt Bauer hinzu, der Jude kann seinem Wesen nach nicht emanzipiert werden. Solange der Staat christlich und der Jude jüdisch ist, sind beide ebensowenig fähig, die Emanzipation zu verleihen als zu empfangen.
Karl Marx, Zur Judenfrage, 1844
Eine Überlegung wie das alles seinen Anfang nahm:
Es handelt sich um eine internationale Vortragsreihe an der Uni Heidelberg
Ich (bin) Darius, der große König, König der Könige, König in Persien, König der Länder, des Hystaspes Sohn, des Arsames Enkel, der Achämenide. Es spricht der König Darius: Mein Vater ist Hystaspes, des Hystaspes Vater (war) Arsames, des Arsames Vater Ariaramnes, des Ariaramnes Vater Teispes, des Teispes Vater Achämenes.
Behistun-Inschrift
Es spricht der König Darius: Deswegen werden wir Achämeniden genannt. Von alters her sind wir adlich, von alters her war unser Geschlecht königlich. Es spricht der König Darius: 8 meines Geschlechtes waren vor dem Könige. Ich bin der neunte. 9 sind wir in zwei Reihen Könige.
Diese Genealogie ist besonders bedeutsam, weil Darius wie Kyrus behauptet, sein Anspruch auf den Thron beruhe auf seiner familiären Abstammung. Außerdem behauptet er wie Cyrus, dass seine Familie über einen langen Zeitraum nacheinander Könige gewesen sei. Was soll man von diesen Aussagen halten? Es gibt auffällige Abwesenheiten in dieser Genealogie, darunter Cyrus und Cambyses. Herodot erwähnt in einer Geschichte über Kambyses in Ägypten, dass Dareios ein Mitglied der Garde von Kambyses und ein "Mann ohne große Bedeutung" war (III.139-40). Herodot zufolge hatte Darius also keinen Anspruch auf den Thron, obwohl er von adliger Geburt war. David Stronach argumentiert jedoch, dass Darius' Vorfahren möglicherweise die Kontrolle über bestimmte Gebiete in Fars hatten und er somit aus einer Familie von Monarchen stammte (2003: 256).
Judah and the Judeans in the Achemenid Period – Negotiating Identity in an International Context
Daher ist seine Behauptung nicht unbedingt eine Lüge. Was versucht Darius dann mit seiner Genealogie? Es gibt eindeutige Beispiele von Usurpatoren, die nicht versucht haben, einen Stammbaum zu erstellen, um ihren Anspruch auf den Thron zu begründen. Das klassische Beispiel ist der neuassyrische Herrscher Sargon II., der nie einen Stammbaum vorlegte, um seinen Anspruch auf den Thron zu belegen. Darius behauptete jedoch nicht, dass er keinen königlichen Stammbaum hatte, sondern begründete sein Recht auf den Thron mit seiner Familie. Allerdings nennt er außer den Familiennamen keine weiteren Einzelheiten. Anders als Cyrus gibt er keinen geografischen Ort für das angebliche Königreich seiner Vorfahren an.
Dareios versuchte also, mit Hilfe seiner Genealogie neu zu definieren, was es bedeutet, der rechtmäßige Monarch zu sein. Briant bemerkt: "Dareios erlangte die Macht nicht, weil er ein Achämenide (im Sinne des Clans) war, sondern weil er durch seinen Aufstieg zum Königtum die Realität dessen, was es bedeutete, 'Achämenide' zu sein, neu definieren konnte" (2002: 111).
Es waren auch Darius und Darius II. die sich arisch und ihre Heimat das Land der Arier (Iran) nannten. Es ist menschliche Frühzeit und Wilhelm lag mit seiner zeitlichen und geographischen Einordnung über den Ursprung des Königtums womöglich nicht weit von der Wahrheit entfernt. Genesis erwähnt Nimrod als dem ersten der mächtig wurde, der erste aller Könige (in der hebräischen Wahrnehmung). Diese antiken Akteure entschieden maßgeblich den weiteren Verlauf der Geschichte und prägten die Begriffe und Strukturen die für lange Zeit vorherrschend waren, so mag sich der spätere Adel etwas über den "arischen" Ursprungs ihrer Herrscherkaste zusammengereimt haben und als Reaktion auf die neuen Wissenschaften wie der biologisch-zoologischen Vererbungslehre eine rassistische gegenübergestellt haben welche die Höherwertigkeit der eigenen Abkunft bestätigen soll. Wie sehr und wie viele davon tatsächlich überzeugt waren sei dahin gestellt, wie im Zitat vorhin erwähnt ging es auch darum "zu beweisen dass der Adel in der Republik notwendig ist", sie waren sich also des Wandels der Zeit bewusst und wollten die eigene Stellung als Elite durch eine Neudefinition als Führertum wahren, mit Programmen wie "Neuadel aus Blut und Boden" und "Dem Adel sein Recht".
Auf Blut und Boden baut der Führer sein Drittes Reich. Wir haben seit 7 Jahrhunderten um die Blutauslese gewußt und haben auf altbewährter Rasse und Kultur mit weiser Wahl unseren Blutsstrom aufgebaut und fortgeführt. [...] Alle die großen Ideale, die der Führer dem deutschen Volke gesetzt hat, sie stammen aus alt-germanischem Erbgut und nicht zuletzt aus den tiefsten Schatzkammern des deutschen Adels. So ist der deutsche Adel dem Nationalsozialismus von Grund auf wesens- und stammverwandt. Zur Zeit der roten Regierungen hieß es: herunter mit der Aristokratie, wir wollen alle Proletarier sein. Jetzt heißt es umgekehrt: Der einfache Mann aus dem Volke soll emporsteigen, und auf der Ebene einer wahren Aristokratie wollen wir alle uns wieder treffen. [...] Was die Zukunft uns bringen wird, überlassen wir Gottes Hand und der Erleuchtung des Führers. Eines aber wissen wir. Unser altes Geschlecht ist kein Fremdkörper im Dritten Reich, der morscht und zerfällt, es ist ein tragender Quader im Bau, gehärtet in Jahrhunderten. [...] Sieg Heil! Sieg Heil! Sieg Heil!
Friedrich v. Bulöw, 1935
1921 sah ein alldeutscher Baron das EDDA-Projekt als die bewußte Fortsetzung der von jeher schon vom Adel durch Pflege der Stamm und Ahnenkunde geübten [...] Auswahlzüchtung [...]. Die Einstellung des Adels auf den Auslesegedanken und die Rassezüchtung ist daher für den Adel gar kein neues, sondem eigentlich ein selbstverständliches Ziel.
Stephan Malinowski
Ich kann Möpse züchten, und ich kann Dackel züchten, aber wenn mir das Malör (sic) passiert, und ich den Korb voll junge Dackelmöpse kriege, so werden sie mit Fug und Recht ersäuft. Das ist weder antimopsisch noch antidackelig, sondern ein Ausfluß der jahrhundertealten Erfahrung, daß alle Bastarde minderwertig sind.
Börries Frhr. v. Münchhausen
Es gibt weitere interessante Paradigmenwechsel im Zuge der Neuzeit.
Man kann jemanden nur als wohlhabend bezeichnen im Vergleich zu jemanden der weniger hat, es kann nur Reiche geben, wenn es Arme gibt, sie haben zu viel, was anderswo fehlt. Die Mächtigen waren nur mächtig wenn sie über anderen standen, für Mächtige muss es Unterdrückte geben, die Formulierung dass ihre Macht vom Volk beziehen ist eben die Idee der Republik und Demokratie. Dabei stellt man fest, dass was sich ändert bloß die Einstellung der Menschen zum Gegenstand ist, dass die Politik bloß ein Instrumentensatz ist der variieren kann. In Wirklichkeit *ist* jeder Politiker und beeinflusst mit seinen Entscheidungen tagtäglich den Verlauf der Gesellschaft mit, ob das nun im politischen Apparat erkannt und gefördert wird oder nicht. So ist auch Sozialismus und Kommunismus viel mehr ein Größe als eine Entscheidung, niemand kann alleine sein Leben bestehen, jeder bezieht aus der Gesellschaft und was er mit seinem Leben tut ist was er zurück gibt, ob sich das beziffern lässt hängt vom verwendeten Wertesystem ab.
Um also von der antiken Epoche in der sich die Ansprüche auf Herrschertum durch Abstammung etablierten weiter in die Zeit des im Artikel behandelten antiken Judentums zu springen zitiere ich nochmal das Buch:
Von Rad schlug eine dreiteilige Struktur für P (Priesterschrift) vor. Er unterschied zwischen "drei mächtigen konzentrischen Kreisen . . die von außen nach innen fortschreitend in das Heilsgeheimnis Gottes einführen: der Weltkreis, der Noahkreis und der abrahamitische Kreis".
[…]
Der Kreis Abrahams umfasst "das abrahamitische Haus", bestehend aus den Arabern ("Ismael"), Israel (d. h. "Samaria") und Juda ("Jakob") sowie Edom ("Esau").
[…]
Dieser abrahamitische Kreis wird durch den abrahamitischen Bund in Genesis 17 definiert, der den teilnehmenden Bundespartnern Fruchtbarkeit, Landbesitz (was eher ein Recht auf Nutzung als auf Besitz zu bedeuten scheint) und Nähe zu Gott verspricht.
The circle of Israel narrows the focus down to the nation of God alone. It is generally concerned with the establishment of the sanctuary, which enables the sacrificial cult of Israel. This sacrificial cult alone is what allows Israel to achieve atonement. The sanctuary and the implementation of the cult seem to function as the partial restoration of the initial creation, in the sense of a second “creation within creation.” The circle of Israel is not established by its own covenant because the foundational promise of the presence of God (“I will be your God”) was already given in Gen 17:7 (cf. Exod 6:7, 29:45–46).[…]
Ob der Abraham des priesterlichen Schreibers sich dessen bewusst ist oder nicht, er bittet darum, dass Ismael Jhwh's Priester wird; und es ist diese Bitte, die Ismael verweigert und stattdessen dem noch nicht geborenen Isaak angeboten wird. In diesem ganzen Austausch (V. 18-21) geht es also nicht um die Frage, ob Ismael im Land Kanaan leben darf - das Recht Ismaels, in Kanaan zu leben, ist in V. 8 ein für allemal geklärt -, sondern nur darum, ob es einen weiteren Sohn braucht, d. h. eine weitere Kategorie unter Abrahams multinationalen Nachkommen. Und die Antwort auf diese Frage lautet ja. Sarahs Sohn Isaak wird jene Nachkommen Abrahams zeugen, die dazu bestimmt sind, Jhwhs priesterliches Volk zu werden.
Judean Identity abd Eucumenicity, Konrad Schmid
Ein weiteres auffälliges Merkmal des Buches Esther ist die weitgehende Abwesenheit von Gott in diesem Buch. Dies hat natürlich zu zahlreichen Spekulationen über versteckte Anspielungen, Doppeldeutigkeiten usw. Anlass gegeben. Andererseits ist es falsch, den scheinbar "säkularen" Charakter des Buches als Hinweis auf eine geringere Qualität des Buches zu betrachten. Ich denke, wenn wir uns der Esther-Geschichte mit den Bemerkungen über Gott nähern, die oben bei der Behandlung von Genesis 20 gemacht wurden, wird etwas Licht in die Angelegenheit gebracht. Der persönliche Gott der Patriarchen wurde in 1. Mose 20 in ein universelles göttliches Wesen verwandelt, zu dem Israeliten und Heiden sprechen können und an dessen universelle Gesetze sich sogar scheinbar fremde Könige halten können. Dieser Wandel von einem persönlichen zu einem universellen Gott wird in Esther noch einen Schritt weitergeführt. Da keine der Handlungen, die zu einer Gefährdung der Juden in Persien führen, ausdrücklich mit dem religiösen Faktor in Verbindung gebracht wird, ist das Fehlen eines direkten göttlichen Eingriffs vielleicht verständlich. Nur am Rande sei erwähnt, dass die offensichtliche Nichteinmischung Persiens in die religiösen Angelegenheiten seiner Untertanen Persien zu einem idealen Schauplatz für die Legitimation eines neuen Festes macht, das den üblichen Vorstellungen von biblischen Festen zu widersprechen scheint. Der Konflikt zwischen Mordechai und Haman, von dem in Esth 3,1-15 berichtet wird, wird häufig unter Bezugnahme auf Exodus 20,1-5 interpretiert. Zwar wird חוה in der Bestimmung von Exod 20,5 verwendet, aber nichts im Text von Esther deutet darauf hin, dass Haman irgendeine göttliche Eigenschaft hatte, und nur der Targum fügt diesen Aspekt hinzu, indem er angibt, dass Haman das Bildnis eines Götzen auf seiner Kleidung trug. [Das Motiv der Göttlichkeit Hamans kommt nur in Judg 3,8 vor, wo Nebukadnezar göttliche Ehren beansprucht: "Und er zerstörte alle ihre Heiligtümer und schändete ihre kultischen Haine. Er erhielt den Befehl, alle Götter der Erde auszulöschen, damit alle Völker der Erde allein Nebukadnezar dienen und alle Sprachen und Stämme ihn allein als Gott anbeten sollten"]
The Absent Presence, Anselm C. Hagedorn
Trotz Mordechais Aussage, dass er ein Jude ist (Esth 4:4bβ), gibt es in der hebräischen Bibel Beispiele, in denen es vollkommen akzeptabel ist, sich vor einem anderen Mann niederzuwerfen (siehe Gen 23:7, 27:29; 1 Kön 1:31). Die Kombination der hebräischen Verben חוה und כרע ist normalerweise Gott vorbehalten (Ps 22,30; 95,6; 2 Chr 7,3), "aber wenn Götzendienst die Ursache für Mordechais Nichteinhaltung ist, schweigt der Text seltsamerweise darüber. Außerdem ist es schwer zu verstehen, warum der König befiehlt, einen Untergebenen wie einen Gott zu behandeln, wenn er es selbst nicht ist." Esth 3:4bβ (כי הגיד להם אשר הוא יהודי ) scheint eher auf Esth 3:8-15 vorauszuschauen, als dass es als angemessener Grund dafür dienen würde, warum Mordechai sich weigert, sich zu beugen.
Die Historizität einer Geschichte nach ihrem Realitätsgrad zu beurteilen, bedeutet, Wahrheitsähnlichkeit mit Historizität zu verwechseln.
Adele Berlin
Was für uns heute Märchen und Mythen sind war für unsere Vorfahren die einzig wirkliche Realität. Zweifellos haben die Glühbirne, die Medizin, Hygiene und die Bildung den Teufel besiegt, und dennoch selbst wenn man ihn für ein Hirngespinst hält (das Tier, das Tier im Menschen ist wohl kein Hirngespinst) hatte er enormen Einfluss auf die Menschengeschichte.
Die Welt die wir durch unsere Augen sehen ist ein Bild in unserem Kopf, wir erleben unsere eigenen Sinne, unsere eigene Wahrnehmung, nicht eine äußere Welt "an sich" (Kant). Die Natur, die Tier- und die Pflanzenwelt können sich nicht an die Grenzen halten die wir auf eine Landkarte drucken weil sie nicht existieren, in der Welt gibt es weder Geschwindigkeitsvektoren noch Meter oder Minute. Es sind Konzepte des menschlichen Geists.
Die Logik ist eine Disziplin der Philosophie, die Mathematik eine Disziplin der Logik, das ist die griechische Schule und der Ursprung und Grundlage der unseren, deshalb ist es für uns klar und einfach zu verstehen wenn die alten Griechen von Kosmos und Chaos, Ordnung und Unordnung sprechen, wenn aber die jüdische Kabbala von den Sephiroth oder die Vedantas vom Brahman sprechen so ist das nicht logisch und deshalb auch nicht *richtig*, denn richtig *oder* falsch ist eine ganz spezifische logische Operation. Um also fremde und alte Kulturen zu verstehen muss man in der Lage sein sich vom eigenen Weltbild zu lösen. Wir gehen immer gerne davon aus, dass wir allen vergangenen Menschen überlegen sind, schließlich hätten wir ja alle deren Erfahrungen hinter uns, in Wirklichkeit steckt darin ein Trugschluss, niemand hat all die Erfahrungen gemacht, man verlässt in fast allem auf die Aussagen anderer. Fortschritt wird heute als Mantra gepredigt und dabei vergessen dass zu schnelles Wachstum nicht erhalten werden kann oder am anderen Ende etwas verloren geht, so sind im Laufe der Geschichte eine Menge Dinge auf der Strecke geblieben, wie etwa Naturverbundenheit. "Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen", die Technologie is sogar nur oberflächlich, viel ursächlicher und deshalb bedeutender sind die grundlegenderen, einfacheren Dinge und so sind die frühesten Fragen der Menschheit auch die am längsten währen und unsere "Überlegenheit" gegenüber unseren Vorfahren auch bloß eine die wir uns nur gerne selbst bestätigen wollen.
Gottesfurcht
Der erste Artikel von der Allmacht des Schöpfers erzeugt kindliche Gottesfurcht, der zweite vom eingeborenen Sohne Liebe zu Gott, das Empfangen vom heiligen Geiste wirket Scham und Grausen vor Sünde, das Geboren von der Jungfrau Keuschheit und ernstliche Tugendübung, das Gelitten ein williges Ertragen aller Widerwärtigkeit. Die Frage: Wie kommt Pontius Pilatus in das Symbol? hatte zahlreichen Erklärern Kopfschmerzen verursacht. Man hatte auf ihn als die Spitze der Regierung im heiligen Lande hingewiesen, hatte von seiner angeblichen Heimat Pontus gesprochen und anderes mehr. Der Fromme des 15. Jahrhunderts sieht von all dieser unfruchtbaren Gelehrsamkeit ab. Bei ihm heißt es einfach: Unter Pontius Pilatus wirket in uns den rechten Gehorsam gegen alle Menschen. Die historische Notiz will also nichts anderes besagen als das Wort des Paulus: Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.
Die Kreuzigung ferner wirket bei uns Abkehr von der Welt und ihrer bösen Lust, der Tod Jesu, daß wir allen Sünden, Untugenden und unserer eigenen Natur absterben. Sein Grab bringt uns Frieden des Herzens ohne allen Streit, seine Höllenfahrt die rechte Bruderliebe, vermöge deren wir allen Menschen zu Hilfe kommen und in unserm Gebete der Seelen im Fegefeuer wie der Leute auf Erden fleißig gedenken.
Christus ist von den Toten auferstanden: so stehen wir auf von allen bösen Gewohnheiten und den Einwirkungen der Gestirne und richten unsere drei Geisteskräfte auf Gott und auf nützliche Dinge. Er fuhr zum Himmel und ermöglichte uns dadurch ein wahrhaft schauendes Leben. In der detaillierten Art, wie die fünf Grade der Schauung beschrieben werden, tritt das spezielle Interesse des Mystikers klar zutage. Der Gedanke an Christi Wiederkunft zum Gericht erzieht uns zur Gerechtigkeit. Dem Artikel vom heiligen Geiste verdanken wir eine Reinheit des Herzens, kraft deren wir nicht wieder schlecht werden noch werden können.
Von einer heiligen katholischen Kirche, deren weltumspannende Macht die sonstigen Erklärer mit Vorliebe den begrenzten Konventikeln der Ketzer gegenüberstellten, weiß der Fromme nichts. Er kennt nur eine heilige Christenheit, deren Güter darin bestehen, daß wir Kinder Gottes, Brüder Jesu Christi, Jünger des heiligen Geistes und Genossen der Apostel werden. Der Artikel vom ewigen Leben erfüllt uns mit Hoffnung und Sehnsucht nach dem Jenseits, bewahrt uns vor den Sorgen dieses Lebens und läßt uns willig von ihm scheiden. Mit dem Amen aber geben wir uns gelassen in Gottes Willen, von uns aus das zu wollen, was er will.
Es wird nicht schwer sein, alle diese Sätze aus Eckart oder anderen mystischen Schriftstellern des 14. Jahrhunderts zu belegen.

Der Christliche Staat
Der sogenannte christliche Staat ist die christliche Verneinung des Staats, aber keineswegs die staatliche Verwirklichung des Christentums. Der Staat, der das Christentum noch in der Form der Religion bekennt, bekennt es noch nicht in der Form des Staats, denn er verhält sich noch religiös zu der Religion, d.h., er ist nicht die wirkliche Ausführung des menschlichen Grundes der Religion, weil er noch auf die Unwirklichkeit, auf die imaginäre Gestalt dieses menschlichen Kernes provoziert. Der sogenannte christliche Staat ist der unvollkommene Staat, und die christliche Religion gilt ihm als Ergänzung und als Heiligung seiner Unvollkommenheit. Die Religion wird ihm daher notwendig zum Mittel, und er ist der Staat der Heuchelei. Es ist ein großer Unterschied, ob der vollendete Staat wegen des Mangels, der im allgemeinen Wesen des Staats liegt, die Religion unter seine Voraussetzungen zählt, oder ob der unvollendete Staat wegen des Mangels, der in seiner besondern Existenz liegt, als mangelhafter Staat, die Religion für seine Grundlage erklärt. Im letztem Fall wird die Religion zur unvollkommenen Politik. Im ersten Fall zeigt sich die Unvollkommenheit selbst der vollendeten Politik in der Religion. Der sogenannte christliche Staat bedarf der christlichen Religion, um sich als Staat zu vervollständigen. Der demokratische Staat, der wirkliche Staat, bedarf nicht der Religion zu seiner politischen Vervollständigung. Er kann vielmehr von der Religion abstrahieren, weil in ihm die menschliche Grundlage der Religion auf weltliche Weise ausgeführt ist. Der sogenannte christliche Staat verhält sich dagegen politisch zur Religion und religiös zur Politik. Wenn er die Staatsformen zum Schein herabsetzt, so setzt er ebensosehr die Religion zum Schein herab.
Um diesen Gegensatz zu verdeutlichen, betrachten wir Bauers Konstruktion des christlichen Staats, eine Konstruktion, welche aus der Anschauung des christlich-germanischen Staats hervorgegangen ist.
"Man hat neuerlich", sagt Bauer, "um die Unmöglichkeit oder Nichtexistenz eines christlichen Staates zu beweisen, öfter auf diejenigen Aussprüche in dem Evangelium »Bei Bauer: den Evangelien«hingewiesen, die der [jetzige] Staat nicht nur nicht befolgt, sondern auch nicht einmal befolgen kann, wenn er sich nicht [als Staat] vollständig auflösen will." "So leicht aber ist die Sache nicht abgemacht. Was verlangen denn jene evangelischen Sprüche? Die übernatürliche Selbstverleugnung, die Unterwerfung unter die Autorität der Offenbarung, die Abwendung vom Staat, die Aufhebung der weltlichen Verhältnisse. Nun, alles das verlangt und leistet der christliche Staat. Er hat den Geist des Evangeliums sich angeeignet, und wenn er ihn nicht mit denselben Buchstaben wiedergibt. mit denen ihn das Evangelium ausdrückt, so kommt das nur daher, weil er diesen Geist in Staatsformen, d.h. in Formen ausdrückt, die zwar dem Staatswesen in dieser Welt entlehnt sind, aber in der religiösen Wiedergeburt, die sie erfahren müssen, zum Schein herabgesetzt werden. Es ist die Abwendung vom Staat, die sich zu ihrer Ausführung der Staatsformen bedient." (p. 55.)
Bauer entwickelt nun weiter,
das Volk des christlichen Staats nur ein Nichtvolk ist, keinen eignen Willen mehr hat, sein wahres Dasein aber in dem Haupte besitzt, dem es untertan, welches ihm jedoch ursprünglich und seiner Natur nach fremd, d.h. von Gott gegeben und ohne sein eignes Zutun zu ihm gekommen ist.
From Karl Marx – On the Jewish Question

Politische Emanzipation
Die politische Emanzipation des Juden, des Christen, überhaupt des religiösen Menschen, ist die Emanzipation des Staats vom Judentum, vom Christentum, überhaupt von der Religion. In seiner Form, in der seinem Wesen eigentümlichen Weise, als Staat emanzipiert sich der Staat von der Religion, indem er sich von der Staatsreligion emanzipiert, d.h., indem der Staat als Staat keine Religion bekennt, indem der Staat sich vielmehr als Staat bekennt. Die politische Emanzipation von der Religion ist nicht die durchgeführte, die widerspruchslose Emanzipation von der Religion, weil die politische Emanzipation nicht die durchgeführte, die widerspruchslose Weise der menschlichen Emanzipation ist,
Die Grenze der politischen Emanzipation erscheint sogleich darin, daß der Staat sich von einer Schranke befreien kann, ohne daß der Mensch wirklich von ihr frei wäre, daß der Staat ein Freistaat sein kann, ohne daß der Mensch ein freier Mensch wäre.
Bauer selbst gibt dies stillschweigend zu, wenn er folgende Bedingung der politischen Emanzipation setzt:
"Jedes religiöse Privilegium überhaupt, also auch das Monopol einer bevorrechteten Kirche, müßte aufgehoben, und wenn einige oder mehrere oder auch die überwiegende Mehrzahl noch religiöse Pflichten glaubten erfüllen zu müssen, so müßte diese Erfüllung als eine reine Privatsache ihnen selbst überlassen sein".
Der Staat kann sich also von der Religion emanzipiert haben, sogar wenn die überwiegende Mehrzahl noch religiös ist. Und die überwiegende Mehrzahl hört dadurch nicht auf, religiös zu sein, daß sie privatim religiös ist.
Aber das Verhalten des Staats zur Religion, namentlich des Freistaats, ist doch nur das Verhalten der Menschen, die den Staat bilden, zur Religion.
Es folgt hieraus, daß der Mensch durch das Medium des Staats, daß er politisch von einer Schranke sich befreit, indem er sich im Widerspruch mit sich selbst, indem er sich auf eine abstrakte und beschränkte, auf partielle Weise über diese Schranke erhebt. Es folgt ferner, daß der Mensch auf einem Umweg, durch ein Medium, wenn auch durch ein notwendiges Medium sich befreit, indem er sich politisch befreit. Es folgt endlich, daß der Mensch, selbst wenn er durch die Vermittlung des Staats sich als Atheisten proklamiert, d.h., wenn er den Staat zum Atheisten proklamiert, immer noch religiös befangen bleibt, eben weil er sich nur auf einem Umweg, weil er nur durch ein Medium sich selbst anerkennt. Die Religion ist eben die Anerkennung des Menschen auf einem Umweg. Durch einen Mittler. Der Staat ist der Mittler zwischen dem Menschen und der Freiheit des Menschen. Wie Christus der Mittler ist, dem der Mensch seine ganze Göttlichkeit, seine ganze religiöse Befangenheit aufbürdet, so ist der Staat der Mittler, in den er seine ganze Ungöttlichkeit, seine ganze menschliche Unbefangenheit verlegt.
[…]
Der Mensch emanzipiert sich politisch von der Religion, indem er sie aus dem öffentlichen Recht in das Privatrecht verbannt. Sie ist nicht mehr der Geist des Staats, wo der Mensch - wenn auch in beschränkter Weise, unter besonderer Form und in einer besondern Sphäre - sich als Gattungswesen verhält, in Gemeinschaft mit andern Menschen, sie ist zum Geist der bürgerlichen Gesellschaft geworden, der Sphäre des Egoismus, des bellum omnium contra omnes »Krieges aller gegen alle«. Sie ist nicht mehr das Wesen der Gemeinschaft, sondern das Wesen des Unterschieds. Sie ist zum Ausdruck der Trennung des Menschen von seinem Gemeinwesen, von sich und den andern Menschen geworden - was sie ursprünglich war. Sie ist nur noch das abstrakte Bekenntnis der besondern Verkehrtheit, der Privatschrulle, der Willkür. Die unendliche Zersplitterung der Religion in Nordamerika z.B. gibt ihr schon äußerlich die Form einer rein individuellen Angelegenheit. Sie ist unter die Zahl der Privatinteressen hinabgestoßen und aus dem Gemeinwesen als Gemeinwesen exiliert. Aber man täusche sich nicht über die Grenze der politischen Emanzipation. Die Spaltung des Menschen in den öffentlichen und in den Privatmenschen, die Dislokation der Religion aus dem Staate in die bürgerliche Gesellschaft, sie ist nicht eine Stufe, sie ist die Vollendung der politischen Emanzipation, die also die wirkliche Religiosität des Menschen ebensowenig aufhebt, als aufzuheben strebt.
From Karl Marx – On the Jewish Question

Christlicher Staat und Juden
Der christliche Staat kann seinem Wesen nach den Juden nicht emanzipieren; aber, setzt Bauer hinzu, der Jude kann seinem Wesen nach nicht emanzipiert werden. Solange der Staat christlich und der Jude jüdisch ist, sind beide ebensowenig fähig, die Emanzipation zu verleihen als zu empfangen.
Der christliche Staat kann sich nur in der Weise des christlichen Staats zu dem Juden verhalten, das heißt auf privilegierende Weise, indem er die Absonderung des Juden von den übrigen Untertanen gestattet, ihn aber den Druck der andern abgesonderten Sphären empfinden und um so nachdrücklicher empfinden läßt, als der Jude im religiösen Gegensatz zu der herrschenden Religion steht. Aber auch der Jude kann sich nur jüdisch zum Staat verhalten, das heißt zu dem Staat als einem Fremdling, indem er der wirklichen Nationalität seine chimärische Nationalität, indem er dem wirklichen Gesetz sein illusorisches Gesetz gegenüberstellt, indem er zur Absonderung von der Menschheit sich berechtigt wähnt, indem er prinzipiell keinen Anteil an der geschichtlichen Bewegung nimmt, indem er einer Zukunft harrt, welche mit der allgemeinen Zukunft des Menschen nichts gemein hat, indem er sich für ein Glied des jüdischen Volkes und das jüdische Volk für das auserwählte Volk hält.
[…]
Die starrste Form des Gegensatzes zwischen dem Juden und dem Christen ist der religiöse Gegensatz. Wie löst man einen Gegensatz? Dadurch, daß man ihn unmöglich macht. Wie macht man einen religiösen Gegensatz unmöglich? Dadurch, daß man die Religion aufhebt. Sobald Jude und Christ ihre gegenseitigen Religionen nur mehr als verschiedene Entwicklungsstufen des menschlichen Geistes, als verschiedene von der Geschichte abgelegte Schlangenhäute und den Menschen als die Schlange erkennen, die sich in ihnen gehäutet, stehn sie nicht mehr in einem religiösen, sondern nur noch in einem kritischen, wissenschaftlichen, in einem menschlichen Verhältnisse. Die Wissenschaft ist dann ihre Einheit. Gegensätze in der Wissenschaft lösen sich aber durch die Wissenschaft selbst.
From Karl Marx – On the Jewish Question
