Veröffentlicht in Zitate

Jean-Jacques Rousseau

Wir sehen eine Handvoll mächtiger und wohlhabender Menschen auf dem Höhepunkt ihres Reichtums und Vermögens, während die Masse in Elend und Bedeutungslosigkeit dahinkriecht, weil erstere die Dinge, die sie besitzen, nur deshalb wertschätzen, weil andere davon ausgeschlossen sind, und ohne ihre Lage zu ändern, würden sie ihre Freude daran verlieren, wenn das Leiden der Menschen aufhörte.

Veröffentlicht in Vatikan, Kirche und italienischer Adel

Schwarzer Adel

Bemerkenswert ist weiterhin das Verhalten des süditalienischen und des römischen Adels. So folgte im Süden der Halbinsel, laut Benedetto Croce, »eine große Zahl adliger Familien« den Bourbonen für einige Jahre ins römische Exil. Croce teilte uns zudem mit, dass diese nach 1870 denselben Weg »in Gruppen oder einzeln« zurückgingen! Gegen Ende des Jahrhunderts milderte der Aufenthalt des mondänen, jungen Fürsten Vittorio Emanuele in Neapel ihre Ablehnung. Dennoch macht dieses Verhalten deutlich, wie fremd einem Großteil des Adels - insbesondere denjenigen, die eng mit dem bourbonischen Hof verbunden waren und die über den größten Reichtum und Einfluss verfügten! - die Erschaffung des neuen Staates in der entscheidenden Phase war. Aufsehenerregender war der Fall Rom, wo nach 1870 viele Familien des »schwarzen« papsttreuen Adels dem vereinten Italien und den Savoyer »Besatzern« lange Zeit feindlich gesonnen blieben. Auch in der Hauptstadt heilte die Zeit Wunden, aber viele hielten ihre ablehnende Haltung sogar bis zum Abschluss der Lateranverträge bei. Die Kluft zwischen »schwarzen« papsttreuen und »weißen« liberalen Adligen war von besonderer Bedeutung, da sie die reichen und prestigträchtigen Familien der römischen Fürsten betraf, aus denen seit Jahrhunderten Päpste und Kardinäle hervorgegangen waren. Sie verfügten über einen fast königgleichen Status und waren mit großen Reichtümern sowie starkem sozialen Einfluss ausgestattet. Diese Adligen Neapels und Roms machten zusammen 15 bis 20 Prozent des gesamten italienischen Adels aus, auf die Piemontesen entfiel ein Anteil von 10 Prozent. Auch andernorts, wo die Dynastien und Höfe weniger stark verankert waren als das Papsttum in Rom, existierten regelrecht Sektoren von Aristokraten, die sich — wenn auch weniger auffällig — kaum mit der nationalen Sache identifizierten.

Aus Hochkultur als Herrschaftselement – Italienischer und deutscher Adel im langen 19. Jahrhundert

Herausgegeben von: Gabriele B. Clemens , Malte König und Marco Meriggi

Veröffentlicht in Vatikan, Kirche und italienischer Adel

Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta

S. Eminenz und Hoheit, der Fürst und 77. Großmeister des Ordens, Fra' Angelo de Mojana di Cologna, dem die vorliegende Untersuchung in Ehrerbietung und Ergebenheit unterbreitet sei, stand dem Werk mit gütigem Wohlwollen Pate. Respektvollen Dank schuldet der Verfasser S. Exz. Obödienz-Großkreuz-Bailli Quintin Jermy Gwyn, dem Großkanzler des Ordens, wie S. Durchlaucht, dem Fürst-Großprior des Großpriorates von Österreich, Bailli Fra' Friedrich A. Kinsky von Wchnitiz und Tettau, für die richtungweisenden und fördernden Gespräche zur Struktur und zum Recht, zur Spiritualität und dem geistlich-ritterlichen Selbstverständnis des Forschungsobjektes in einer technisch sich wandelnden Welt. S. Exz. Botschafter Comte Robert de Billy und der verewigte Ministre-Conseiller an der Gesandtschaft des Ordens bei der Republik Österreich, Dr. Leopold Hayden, denen der Verfasser im diplomatischen Dienste zur Seite stehen durfte und darf, vermittelten ihm während ungezählter Begegnungen den unverwechselbar nobilitär-melitensischen Geist und machten ihn mit den alten und neuen Imperativen des achtspitzigen Malteserkreuzes in unserer Zeit vertraut.

Fra’ Angelo de Mojana di Cologna

Der Direktor der Wiener Diplomatischen Akademie, S. Exz. Botschafter Baron DDr. Arthur Breycha-Vauthier de Baillamont, Mitglied der Magistralkommission für die Auswärtigen Angelegenheiten und sozialen Assistenzen des Ordens, hat dem Verfasser in persönlicher Freundschaft sein umfassendes Privatarchiv wie auch seinen langjährigen Erfahrungsschatz über das Leben im Malteserorden in zuvor kommender und hilfsbereiter Weise zugänglich gemacht. Der Genannte hat sich auch selbst der Mühe unterzogen, das Manuskript der vorliegenden Arbeit zu vidieren und zu korrigieren, wofür ihm besonders herzlicher Dank bekundet sei. Aufrichtigen und lebenslangen Dank schuldet der Verfasser seinen verehrten Lehrern Prälat em. Prof. Dr. h. c. mult. DDr. Johannes Messner und dem Nestor der Völkerrechtswissenschaft em. Prof. Dr. h. c. mult. Dr. Alfred Verdross, von denen er den Zugang und Impulse zum Verständnis des "bonum commune humanitatis" aus naturrechtlicher und christlicher Perspektive erfahren und empfangen durfte. Ebenso aufrichtig bleibt der Autor den Vorständen des Instituts für Völkerrecht und internationale Beziehungen an der Wiener Universität verbunden: Prof. Dr. Karl Zemanek und Botschafter a. D. Prof. Dr. Stefan Verosta vermittelten ihm ihr völkerrechtliches Wissen und akzeptierten vorliegende Untersuchung als Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung.

Herr Senator e. h. Ministerialrat a. D. Dr. Johannes Broermann, der Inhaber des Verlages Duncker & Humblot, und der Österreichische Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, Frau Dr. Hertha Firnberg, haben in verständnisvoller Aufgeschlossenheit die Drucklegung der Untersuchung ermöglicht. Gemäß den spirituellen Intentionen des Völkerrechtssubjekts "Souveräner Malteser-Ritter-Orden" sei diese wissenschaftliche Arbeit unter die Auspizien des Heiligen Johannes des Täufers gestellt, der dieser religiösen, nobilitären und sozialhospitalären, weltweit verbreiteten Kommunität ihren ursprünglichen und noch heute primär verbindlichen Namen gegeben hat!


Nun erhebt sich die Frage: besteht der adelige Charakter des Ordens und seiner Ritter heute "nur" mehr aus der vielzitierten "adeligen ( = edlen) Gesinnung" oder hält der Orden in partiellem Sinne an einem Blutadel fest?

Sowohl, als auch. Für die Zulassung zur 1. und 2. Klasse des Ordens sind gewisse, in der vorliegenden Arbeit nicht näher zu beschreibende, Adelsproben erforderlich. Einige Zweige der dritten Klasse tragen allerdings ein besonderes Merkmal, das melitensischem, internen Recht entspricht: deren Angehörige sind "cavalieri die grazia magistrale", also Ritter "durch die Gnade des Großmeisters", im ordensinternen Sinne persönlichen "melitensischen Adels", ohne jedoch Prädikate, Wappenrechte und Vererbbarkeit damit junktimiert zu empfangen.


Ohne Zweifel profitiert der Orden von seiner "religiösen Abhängigkeit" vom Heiligen Stuhle, als ihn dieser auf Grund seines internationalen Prestiges beglaubigt und ihn a priori des Verdachtes der religiösen Separation, der gesellschaftlichen Eigenbrötelei, ja des Schismas und des Daseins einer religiösen Sekte entledigt. Der Heilige Stuhl gewährt dem Orden ein spirituelles Akkreditiv, indem er ihn unmittelbar an den Lebensstrom der katholischen Weltkirche anschließt, gebunden hält und seine religiösen Kanäle speist. Es ist daher nur eine Selbstverständlichkeit, daß auch im weltlich-diplomatischen Bereich die Missionen des Heiligen Stuhles und des Ordens nämlich Nuntiaturen und Botschaften, Internuntiaturen und Gesandtschaften, Apostolische Delegationen und melitensische Delegationen auf das Beste kooperieren. Denn der Malteserorden ist "kirchlicher" als jedes andere Völkerrechtssubjekt neben der Katholischen Kirche, respektive dem Heiligen Stuhl. R. A. Graham rechnet den Malteserorden zu jenen Staaten (einschließlich jener Völkerrechtssubjekte, die nicht Staat sind), in denen keine "Trennung von Kirche und Staat" besteht.


Aus Malteserorden und Völkergemeinschaft (Robert Prantner, 1974)

The work continuously cites for sources a book authored by the Order themselves at a publisher specialized on arts and museums. Numerous aristocratic members of the order are the authors of the chapters and they are cited individually by Prantner as if to appear like they are independent sources.


Robert Pranter erhielt später den Päpstlichen Ritterorden des heiligen Gregor des Großen.


Aus Der Malteserorden (Alexander Krethlow) https://rjkg.de/ojs/index.php/rjkg/article/download/58004/57891/57946

Seit den 1830er-Jahren kamen dem Orden sowohl Angebote zur Übernahme hospitalischer Aufgaben als auch Hinweise auf die Opportunität verstärkter karitativer Tätigkeit, besonders durch Mitglieder des österreichischen Erzhauses, zu. Die hohe Wertschätzung von ritterlich-militärischem Glanz und Prestige der Ordensführung hatte jedoch zur Folge, dass diese Chance nicht oder zu spät genutzt wurde. Tatsächlich sahen sich die Ordensritter, insbesondere diejenigen die noch auf Malta ihren Kriegsdienst geleistet hatten, nicht gerne in einem zweitrangigen Hospital in Modena sitzen oder die Rechnungsbücher eines Krankeninstituts prüfen. Sie suchten viel lieber der Nobelgarde des betreffenden Herzogtums oder am päpstlichen Hofe standesgemäßen aber nur mehr beschränkt nutzlichen Dienst zu leisten. Die Marktlücke des militärischen Sanitätsdienstes füllte daher eine andere Organisation. Der Schweizer Henry Dunant (1828-1920) gründete im Jahre 1863 das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege dessen Symbol das Rote Kreuz bald die systematische Kriegskrankenpflege monopolisierte. Indem der Malteserorden mit seinen diskriminierenden Aufnahmebestimmungen dem Prinzip der sozialen Ungleichheit und seinen vielfach überkommenen adeligen Traditionen verhaftet blieb verpasste er hier eine bedeutende Chance.


So hatte ein Rechtsritter bis 1914 eine fast 50-prozentige Chance, Komtur zu werden und in den Genuss der Ertrage einer Kommende zu gelangen, was seine Lebenshaltung weiter verbesserte. Einzelnen Adelsfamilien gelang es mit Erfolg, durch mehrfache Vertretung in den Rechtsrängen und damıt im Provinzkapitel die Nachfolge in der Verwaltung der einträglichen Kommenden in ihren Händen zu behalten.

Für eine Mitgliedschaft als Ehrenritter oder Ehrendame waren die Motivationen breiter gefächert. So schuf der Orden im religiösen Bereich die Möglichkeit, dass der katholische Adelige in standesgemäßer Umgebung seinen Glaubenspflichten nachkommen konnte. Auch in politischer Hinsicht sind Beitrittsmotivationen erkennbar. Da traditionale Eliten und die katholische Kirche in ganz Europa bevorzugte Zielgruppen liberaler und sozialistischer Kritik waren, diente der Malteserorden der Geistlichkeit und dem Adel als transnationale Plattform zur Demonstration gemeinsamer Wertemuster. Auf nationaler Ebene war die Ehrenmitgliedschaft ebenso Ausdruck eines politischen Bekenntnisses. So stellte sie im Großpriorat Rom lange Zeit ein Zeichen für die besondere Verbundenheit mit dem Papst und für eine relative Distanz zu savoyischen Königshaus dar. Diese Ehrenmitgliedschaft in der Rheinisch-Westfälischen Malteser-Genossenschaft, die stark ultramontan ausgerichtet war, verwies auf einen ebenso deutlichen politischen Positionsbezug wie bei Teilen des ehemals polnischen Adels, der mit der Zugehörigkeit einem bestimmten Großpriorat antipreußische, antirussische oder antiösterreichische Tendenzen zum Ausdruck brachte.


Bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts kann indes von einer ernsthaften hilfsdienstlichen Tätigkeit kaum gesprochen werden. Für karitative Beschäftigung bot der Orden insbesondere für die Damen einen standesgemäßen Rahmen. Die Rechtsritter als Kerngruppe der Gemeinschaft waren wenig in die aktive Hospitalität des Ordens eingebunden. Der aktive Dienst am notleidenden Mitmenschen wurde zum Teil ordensfremden Institutionen überlassen. Gerne übernahmen einzelne Ehrenritter aber die organisatorische und verantwortliche Leitung hilfsdienstlicher Einsätze. Die Karitas diente somit dazu, dem Orden in der Öffentlichkeit eine zeitgerechte Existenzberechtigung zu verschaffen. Auf diese Weise erfüllte die hilfsdienstliche Aktivität eine Aufgabe von zentraler ordenspolitischer Bedeutung.


Veröffentlicht in Vatikan, Kirche und italienischer Adel

Haus Savoy

Aus https://diemaechtigstenfamilienderwelt.ch/2020/01/25/haus-savoyen/

Obwohl die Savoyens dem Vatikan nahe stehen, brachten sie dennoch mindestens zwei Freimaurer hervor. Die Freimaurer und der Vatikan/Klerus waren von Anfang an verfeindet und bekämpften sich mit Propaganda, Hetze und Intrigen. Der Vatikan förderte in der Vergangenheit mehrfach die Verfolgung der Freimaurer, während die Freimaurer die Aufklärung sowie die Trennung von Staat und Kirche förderten. Nach dem 2. Weltkrieg scheinen die beiden Gruppen eine Art Waffenstillstand ausgehandelt zu haben. Ab da konnte sich die katholische Kirche im Volk der USA und Grossbritannien etablieren. Zuvor wurden dort die Katholiken diskriminiert. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Katholiken eine kleine Minderheit in den USA. Es sind bis heute kaum Katholiken in der Elite der beiden Länder vertreten. Nur ein britischer Premierminister war katholisch getauft (Boris Johnson), aber auch der war später anglikanisch konfirmiert. Neben Joe Biden war nur ein US-Präsident Katholik, nämlich der erschossene Kennedy. Alle anderen US-Präsidenten waren Protestanten und fast ein Drittel davon waren Freimaurer. Schon die Pilgerväter der USA waren Puritaner (Protestanten) und werden dementsprechend den Vatikan nicht gemocht haben. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts waren Katholiken von der britischen Thronfolge ausgeschlossen und Thronfolger durften keine Katholiken heiraten. 2015 wurde das Gesetz geändert. Das britische Königshaus war übrigens eine der wichtigsten Freimaurerfamilien der letzten 200 Jahren.

Amadeus I. (1845-1890) war der erste bekannte Freimaurer aus dem Haus Savoyen. Er war von 1871 bis 1873 König von Spanien. Er hob das bis dahin geltende Freimaurer-Verbot in Spanien auf. Schliesslich dankte Amadeus freiwillig ab und die erste spanische Republik wurde gegründet, die fortan von Politikern regiert wurde, von denen viele Freimaurer waren. Die Republik konnte sich fast zwei Jahre halten, wurde dann aber durch eine Monarchie ersetzt und Mitglieder des Hauses Bourbon erlangten wieder die Macht in Spanien. Amadeus heiratete in zweiter Ehe Maria Letizia Bonaparte, eine Nichte des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte. Marias Vater Napoléon Joseph und ihr Grossvater Jérôme waren wie weitere Mitglieder der Bonaparte Familie Freimaurer. Der Freimaurer Napoléon Joseph Bonaparte heiratete ebenfalls in das Haus Savoyen.

Viktor Emanuel von Savoyen (*1937 [✝2024]) traf die Päpste Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus. [Eine Audienz beim Papst ist nicht gerade gewöhnlich, alle Päpste seiner Lebenszeit - und nicht bloß ein Mal - zu treffen ein eindeutiges Indiz für enge Beziehungen, Anm.] Er war wie gesagt Mitglied der P2 [ital. Freimaurerloge] und ist zudem Mitglied des Malteserordens. Er musste schon öfters vor Gericht: In den 70er-Jahren wurde wegen internationalem Waffenhandel gegen ihn ermittelt. Er vermittelte den Verkauf von 300 Kampfhubschraubern an seinen Freund, den Schah von Persien. Die Hubschrauber gelangten schliesslich in Jordanien, Taiwan und Südafrika. Viktor Emanuel wurde durch diese Waffenverkäufe reich, wie ein Cousin erzählte. 1978 gab er mehrere Gewehrschüsse ab, die den deutschen 19-Jährigen Dirk Hamer töteten. Es soll ein Versehen gewesen sein. 1991 wurde Viktor Emanuel vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freigesprochen, aber wegen illegalen Waffenbesitzes zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Dirk Hamer war der Sohn des verurteilten Alternativmediziners Ryke Geerd Hamer, ein Verschwörungstheoretiker, der seine eigene germanische Medizinkunde entwarf. 2006 wurde Viktor Emanuel verhaftet. Man warf ihm vor, eine kriminelle Vereinigung gegründet zu haben, die für Korruption und Ausbeutung von Prostituierten verantwortlich ist. Dabei hatte Viktor Emanuel Kontakte in die Glücksspielindustrie. Er soll für Besucher eines Kasinos junge Prostituierte beschafft haben. Bei dieser Untersuchung wurde gegen weitere Leute wegen Korruption, Erpressung, Geldwäsche und Mafiaverbindungen ermittelt. Einer der Verdächtigten war Viktor Emanuels Cousin Simeon Sachsen-Coburg-Gotha, das Oberhaupt der nicht amtierenden Königsfamilie Bulgariens. Simeon war auch Ministerpräsident von Bulgarien. Ihm wurde vorgeworfen, dass er sich bestechen liess und dafür einem italienischen Unternehmer half in Bulgarien an öffentliche Aufträge zu kommen. Viktor Emanuel diente dabei als Vermittler. Es wurde auch gegen drei Carabinieri (Polizisten) ermittelt. Man verdächtigte sie, Informationen aus einer Datenbank an Viktor Emanuel und seine Leute weitergeleitet zu haben. Viktor Emanuel wurde letztendlich freigesprochen.

https://diemaechtigstenfamilienderwelt.ch/2020/01/25/haus-savoyen/
Vittorio Emanuelle in the robe of the Order of Saints Mauritius and Lazarus
Viktor Emanuel in der Robe des hauseigenen Ordens der heiligen Mauritius und Lazarus
Vittorio Emanuelle III. King of Italy, Pope Pious XI. and Mussolini
Viktor Emanuel III. König von Italien, Papst Pius XI. und Mussolini
Mussolini mit Savoyer Abzeichen, darunter der hauseigene Orden der Heiligen Mauritius und Lazarus
Veröffentlicht in Vatikan, Kirche und italienischer Adel

Die Colonnas

Guido Colonna di Paliano (1908-1982) vertrat Italien ab 1933 als Diplomat in New York, Toronto, Kairo, Stockholm und London. In dieser Zeit war Italien eine faschistische Diktatur, die von Benito Mussolini geführt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Diktatur war Guido Colonna Generalvertreter der italienischen Delegation bei den Verhandlungen zum Marshallplan. Von 1948 bis 1956 war er der erste stellvertretende Generalsekretär der OEEC und somit stellvertretender Chef der internationalen Organisation. Die OEEC war der Vorläufer der heutigen OECD. Guido Colonna besetzte eine führende Position im italienischen Aussenministerium und war italienischer Botschafter in Norwegen. Er war von 1962 bis 1964 stellvertretender Generalsekretär der NATO und damit stellvertretender Chef des mächtigsten Militärbündnisses der Welt. Er führte den Vorsitz im Nordatlantikrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der NATO. Er war in den 60er Jahren auch Mitglied der EWG/EEC-Kommission. Sie war der Vorläufer der heutigen EU-Kommission.


Guido Colonna di Paliano (1908-1982) vertrat Italien ab 1933 als Diplomat in New York, Toronto, Kairo, Stockholm und London. In dieser Zeit war Italien eine faschistische Diktatur, die von Benito Mussolini geführt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Diktatur war Guido Colonna Generalvertreter der italienischen Delegation bei den Verhandlungen zum Marshallplan. Von 1948 bis 1956 war er der erste stellvertretende Generalsekretär der OEEC und somit stellvertretender Chef der internationalen Organisation. Die OEEC war der Vorläufer der heutigen OECD. Guido Colonna besetzte eine führende Position im italienischen Aussenministerium und war italienischer Botschafter in Norwegen. Er war von 1962 bis 1964 stellvertretender Generalsekretär der NATO und damit stellvertretender Chef des mächtigsten Militärbündnisses der Welt. Er führte den Vorsitz im Nordatlantikrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der NATO. Er war in den 60er Jahren auch Mitglied der EWG/EEC-Kommission. Sie war der Vorläufer der heutigen EU-Kommission.

Guido Colonna di Paliano gründete 1973 zusammen mit dem US-Amerikaner David Rockefeller die Trilaterale Kommission. Diese einflussreiche Denkfabrik dient dem Austausch der Eliten von Nordamerika, Westeuropa und Japan. In der Trilateralen Kommission sind viele Wirtschaftsführer und Politiker vertreten. Guido Colonna wird den Niederländer Max Kohnstamm gekannt haben, da dieser ebenfalls Mitgründer der Trilateralen Kommission war. Kohnstamm war ein Freund der niederländischen Königsfamilie. Kohnstamm war auch Mitgründer des Bilderberg-Treffens und gilt als einer der Gründerväter der EU.

Nachdem Guido Colonna di Paliano seine Karriere als Diplomat aufgegeben hatte, ging er in die Privatwirtschaft. Er war im Vorstand des italienischen Automobilkonzerns Fiat. Das Unternehmen wurde von der Agnelli Familie gegründet, die es bis heute kontrolliert. Die Agnellis gelten als die mächtigste Familie der italienischen Wirtschaftselite und heirateten in mehrere italienische Adelsfamilien. Guido Colonna kannte Giovanni Agnelli, das Familienoberhaupt. Sie waren gemeinsam bei der Trilateralen Kommission aktiv.

Guido Colonna di Paliano war im Vorstand eines grossen italienischen Elektrounternehmens, das vom US-amerikanischen Mischkonzern General Electric kontrolliert wurde. Guido Colonna war auch im Vorstand des Chemiekonzerns Solvay. Solvay ist eines der grössten belgischen Unternehmen und wird noch immer von der Gründerfamilie (Milliardäre) kontrolliert.

Guido Colonna di Paliano bei der EG-Kommission Rey (1967-1970), obere Reihe 2. v. l.

Prinz Ascanio Colonna di Paliano (1883-1971) war seit 1908 als Diplomat tätig. Er vertrat Italien in England, Türkei, Dänemark, Schweden und Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zur italienischen Delegation bei der Pariser Friedenskonferenz. Er war von 1938 bis 1941 italienischer Botschafter in den Vereinigten Staaten. Er vertrat somit den italienischen Diktator Mussolini in den USA. Im Dezember 1941 überbrachte er dem damaligen US-Präsidenten Roosevelt die Kriegserklärung Italiens an die USA. Noch am selben Tag trat Prinz Ascanio zurück von seinem Amt als Botschafter, da er den Krieg mit den USA ablehnte.

Ascanios Bruder Fürst Marcantonio VII. (1881-1947) heiratete Isabelle aus der libanesischen Sursock Familie. Isabelle wurde durch die Heirat Teil der römischen High Society. Sie und ihr Mann waren dem Vatikan treu ergeben. Isabelle erhielt die vatikanische Staatsbürgerschaft, die nur ein paar hundert Personen besitzen. In ihrem Palast empfing Isabelle einflussreiche Persönlichkeiten aus der ganzen Welt. Die Sursock Familie war früher die reichste Familie des Libanons und brachte Freimaurer hervor. Die internationale Familie heiratete auch in die irische, muslimische und thailändische Aristokratie.

Bis 1968 wurden zahlreiche Ämter des Vatikans von Adligen besetzt und vererbt. Seit dem 16. Jahrhundert hatte die Colonna Familie das Privileg, dass ein Familienmitglied bei päpstlichen Zeremonien an der rechten Seite des päpstlichen Throns teilnehmen durfte. Fürst Aspreno Colonna di Paliano (1916-1987) war das letzte Familienmitglied, dem diese Ehre zuteilwurde. Mit seinen 35 Adelstiteln war er eine der adligsten Personen der Hocharistokratie.

Zur Rechten Fürst Aspreno Colonna di Paliano

Aus https://diemaechtigstenfamilienderwelt.ch/2022/02/17/haus-colonna/

Veröffentlicht in Reformation & Geheimgesellschaften

Alterations of State

Sacred Kingship in the English Reformation

Richard C. McCoy

Könige waren in Europa jahrhundertelang heilige Personen, die als gesalbte Stellvertreter des Herrn auf Erden angesehen wurden. Die Kirche und ihre Sakramente galten als heiliger als die Monarchie, doch wurden den mittelalterlichen Herrschern immer noch sakrale, geistliche und sogar wundertätige Kräfte zugeschrieben. Die Krönung wurde von einigen als ein Sakrament angesehen, das einer Weihe gleichkam; der königlichen Berührung wurden heilende Wirkungen zugeschrieben, und die mystische Vorstellung von den zwei Körpern des Königs implizierte, dass das Königtum niemals starb. Außerdem hatten Herrscher von Karl dem Großen bis zu den Habsburgern die kaiserliche Autonomie gegenüber dem Papsttum beansprucht, was zu Spannungen zwischen Königen und Klerikern führte. Die Reformation verschärfte diesen Konflikt, während sie gleichzeitig die älteren Vorstellungen von einem heiligen Königtum erheblich erweiterte und sie gleichzeitig grandioser und problematischer machte. In England wurde der Bruch Heinrichs VIII. mit Rom durch neue Theorien der königlichen Oberhoheit gerechtfertigt, die den König zum Oberhaupt der Kirche und des Klerus sowie zur geistlichen Verkörperung des Reiches machten.

Mit dem Fortschreiten der Reformation wurden sogar die Sakramente selbst eingeschränkt und die Messe abgeschafft. Diese Entwicklungen führten zu dem, was John Bossy eine "Migration des Heiligen" nennt, bei der "die sozial integrativen Kräfte der Hostie" auf die "Rituale der Monarchie und der weltlichen Gemeinschaft" übertragen wurden. Unter den Tudors erlangte die königliche Gegenwart etwas von der ehrfurchtgebietenden Heiligkeit der Realpräsenz Christi in der Eucharistie und drohte sie zeitweise sogar zu ersetzen. Unter Edward wurden die Lettner abmontiert und manchmal durch das königliche Wappen ersetzt, und das Fronleichnamsfest wurde schließlich verdrängt und durch einen Elisabethkult und seine jährlichen königlichen Prozessionen ersetzt. Sowohl die alten als auch die neuen Vorstellungen vom sakralen Königtum riefen immer noch zunehmende Ambivalenz und sogar Feindseligkeit hervor, und die Anfechtungen und Konflikte hielten auch während der Reformation an. "Da der Protestantismus die körperliche Heiligkeit ablehnte", so Paul Kléber Monod in The Power of Kings, "... konnte er leicht mit einem Königtum kollidieren, das den Körper heilig machte." Eifrigere Protestanten hielten die Verehrung der Monarchie für ebenso götzendienerisch wie die Anbetung der Hostie und kritisierten wiederholt die Unzulänglichkeiten der gottgefälligen Herrschaft unter den Tudors. Unter den Stuarts nahm der Widerstand der Puritaner zu, was den Bürgerkrieg anheizte und zur Hinrichtung Karls I. im Jahr 1649 führte. Der Kampf der englischen Reformation um das heilige Königtum wurde durch Königsmord und republikanische Herrschaft kaum gelöst. Zu John Miltons Entsetzen verstärkte das von Karl I. vergossene Blut nur noch die Tendenz Englands zu "einer zivilen Art von Idolatrie in der Vergötterung der Könige". Der König erwies sich nach seinem Tod und seiner Niederlage als beliebter als zu Lebzeiten, was die Unterstützung für die Wiedereinsetzung von Karl II. im Jahr 1660 beflügelte. Dennoch wurden die papistischen Sympathien der Stuarts zunehmend unangenehm, und Jakob II. wurde 1688 abgesetzt. Indem die Glorious Revolution das göttliche Erbrecht in Frage stellte, beschädigte sie die traditionelleren Vorstellungen vom sakralen Königtum ernsthaft und leitete eine neue Ära der konstitutionellen Monarchie ein.

Wie diese kurze Zusammenfassung zeigt, wurden die Auseinandersetzungen um die englische Monarchie in der frühen Neuzeit immer turbulenter. Es war eine Zeit, die in den Worten verschiedener zeitgenössischer Berichte von "vielen großen Veränderungen und schrecklichen Umwälzungen" geprägt war, von "Tagen der Erschütterung". Selbst ein relativ reibungsloser Übergang konnte schreckliche Befürchtungen wecken. In seiner Chronik von 1603, die ironischerweise den Titel The Wonderful Year (Das wunderbare Jahr) trägt, bringt Thomas Dekker die Ängste im Zusammenhang mit dem Tod von Elisabeth und der Nachfolge von Jakobus zum Ausdruck, indem er ausruft: "What an EarthQuake is the Alteration of a State!" Jeder Regimewechsel konnte akute Ängste hervorrufen, denn während der englischen Reformation waren politische Veränderungen oft auch mit religiösen Veränderungen verbunden. König Jakobus verstand diese Ängste und versuchte, seinen neuen Untertanen zu versichern, dass solche drastischen Veränderungen hinter ihnen lägen, als er 1604 in Hampton Court sprach: "In diesem Land hat König Heinrich VIII. gegen Ende seiner Herrschaft viel verändert, König Eduard VI. noch mehr, Königin Maria hat alles rückgängig gemacht, und zuletzt hat Königin Elisabeth (von berühmtem Andenken) die Religion so geregelt, wie sie jetzt ist. Darin bin ich glücklicher als sie, denn sie waren geneigt, alles zu ändern, was sie etabliert fanden, während ich noch keinen Grund sehe, das zu ändern, was ich bereits festgelegt habe." Jakobs eigene Feindseligkeit gegenüber den Puritanern verschärfte jedoch während seiner gesamten Regierungszeit die konfessionellen Konflikte, die von seinen Erben nur noch weiter angefacht wurden.

Die Religionspolitik Karls I. trug dazu bei, den Bürgerkrieg auszulösen, der ihn den Kopf kostete, und die Konversion Jakobs II. zum Katholizismus löste die Glorreiche Revolution aus, die ihn und schließlich die Stuart-Dynastie den Thron kostete. Für viele in England müssen diese Veränderungen wie ein Erdbeben gewirkt haben.

Veröffentlicht in Sonstige

Blut, Samen, nobilitas: Die Physis des Weltmonarchen bei Dante

Nach Dantes Ansicht ‒ und damit bezieht er sich nach eigener Aussage erneut auf Aristoteles’ Politik ‒ gibt es eine natürliche, angeborene Veranlagung zum Herrschen, die sich nicht nur auf Einzelne beschränken muss, sondern sich auch auf ganze Völker beziehen kann. Für ihn ist das römische Volk von der Natur zur Herrschaft über die gesamte Menschheit bestimmt.[...]

Das Leitthema des gesamten zweiten Buches der Monarchia ist ja die Frage, ob das römische Imperium als Herrschaft über den Erdkreis rechtmäßig war bzw. ist. Dante versteht darunter aber nicht menschliches, sondern göttliches Recht bzw. Naturrecht.[...]

Der Stamm, d. h. die Blutlinie wird geadelt. Vor dem Hintergrund des ausgebreiteten Nobilitätskonzepts ist dies leicht verständlich, weil der Einzelne durch seine tugendhaften Leistungen unter Beweis stellt, dass er per göttlichem Intellekt etwas realisieren konnte, was zuvor durch die virtus des väterlichen Samens angelegt und vorbereitet worden war. In diesem Sinne gilt auch in der Monarchia: Das römische Volk als Ganzes – nicht automatisch jedes einzelne Mitglied – ist „nobilissimum“, weil sein „Vater“ Aeneas – neben einigen anderen Römern mehr, die an dieser Stelle nicht erwähnt werden, sondern in den weiteren Kapiteln in anderen argumentativen Kontexten gewürdigt werden – den Stamm geadelt hat. Nun war der trojanische Held durchaus bestrebt, selbst auch reproduktiv zu wirken und seine virtus ‒ gemäß der oben dargelegten physiologischen Terminologie ‒ impressiones in die Materie der Frauen bewirken zu lassen. Das Blut, das zuvor über seine (vor-)väterlichen Ahnen aus allen Erdteilen in ihn geflossen war, verströmte er nun wieder (in Gestalt des Spermas als Derivat des Blutes) in die hohen Frauen aus allen Erdteilen: Creusa aus Asien, Dido aus Afrika und Lavinia aus Europa. Dante betreibt mit diesem „duplex concursus sanguinis“, dem Hinein- und dem Hinausfließen „in unum virum“ genau die reductio ad unum, die er während des ganzen Traktats auf den Weltmonarchen hinordnet, nun also im Zeichen des Blutes. Es wurde bereits gesagt, dass die Natur mittels des Spermas im aristotelisch-biologischen Verständnis als Beweger der empfangenden Materie betrachtet wurde. Wenn Aeneas derjenige ist, der mittels seiner virtus diese Bewegung in alle Teile der Welt bringt, fungiert er als der Proto-Monarch, der „unicus motor“. Aeneas hat seine biologische Vaterschaft durch seine Partnerinnen, die zusammen alle Teile der Welt repräsentieren, auf den Erdkreis ausgedehnt. Er hat seinen Samen und mit diesem die inhärente Formkraft auf optimale Weise ausgesät, und zwar auf den sanguis menstruus der ihn empfangenden Frauen, d. h. in die materia.

Bereits im Convivio hatte er das römische Imperium als von Gott auserwählte Weltherrschaft ausgerufen, weil dem Volk der Latiner das erhabene Blut der Trojaner beigemischt worden sei („l’alto sangue troiano era mischiato“), wodurch das römische Volk die beste natürliche Disposition zum Herrschen erlangt habe („quello popolo che a ciò più era disposto“). Wichtig ist nun, dass sich Dante die spätere translatio imperii nicht als bloße Amtssukzession vorstellt, die von den Römern auf die Deutschen übergegangen sei – und schon gar nicht der Einsetzung durch den Papst oder durch das Volk bedurft hätte –, sondern als biologische Deszendenz.[...]

Die Idee der dem Blut einer Dynastie inhärenten königlichen Qualitäten und Potentiale hat Dante nicht erfunden; sie wurde bereits vorher vertreten und etwa 80 bis 90 Jahre früher sehr prominent im Umkreis des Stauferkaisers Friedrich II. weiterentwickelt. An der Modellierung der geschlossenen Blutlinie hatte Vergil – unangefochtener Inhaber des Patronats über die essentiellen Denkfiguren in Dantes Monarchia – mit seiner Abstammungserzählung, die von Aeneas über dessen Sohn Ascanius/Iulus, dann fortgeführt über Julius Caesar bis zu Augustus, dem Friedens- und Weltherrscher, reicht (Aen. I 260–296), entscheidenden Anteil. Dante ist mit den Schriftzeugnissen der Historiker am Hof Friedrichs II. und seiner Erben gut vertraut; für ihn ist der Staufer einer derjenigen Herrscher, bei denen man von den äußeren Zeichen (den frutti bzw. signa) auf die causa, d. h. die Nobilität der Seele schließen konnte. Und auch wenn sein Sohn Manfred nach menschlichem Recht ein illegitimer Abkömmling war, so gilt er nach dem dargelegten Verständnis der Danteschen nobilitas naturalis als biologischer Spross des Edlen, der selbst tugendhaft war, konsistenterweise zurecht als „wohlgeboren“. Grundlegendes Merkmal von Wohlgeborenheit ist in dem hier beschriebenen Sinne die Abstammung vom Samen der römischen Vorfahren [...]. Das betrifft nicht nur, aber vornehmlich auch die Florentiner, die dem Imperator erbitterten Widerstand leisten. Nach Dantes Überzeugung sind dafür nicht diejenigen Einwohner seiner Geburtsstadt verantwortlich, die – wie er selbst und sein Ahn Cacciaguida – von den Römern abstammen, sondern die Abkömmlinge des etruskischen Fiesole, denen der Exil-Florentiner die Schlechtigkeit quasi in ihren Erbanlagen attestiert und die gerade die Rädelsführerschaft innehaben. Doch das auf das Blut fixierte Denken beschränkt sich nicht auf diese Kontexte: Auch in seinem Brief an „alle und alle einzelnen Könige Italiens, Senatoren der ehrwürdigen Stadt [Rom] sowie Herzöge, Markgrafen, Grafen und Völker“ beschwört der Dichter das „Langobardenblut“ (d. h. die Italiener), der Barbarei zu entsagen und dem Samen der Trojaner und Latiner, falls denn noch etwas davon in den von ihm Angesprochenen vorhanden sein sollte, Raum zu geben. Damit verbunden ist die Unterwerfung unter den römischen König, den Gott als Herrscher vorherbestimmt habe, wie aus wunderbaren Zeichen erhelle. Das ist auch die Botschaft, die Dante im April 1311 unmittelbar an Heinrich VII. richtet: Er, der Nachfolger Caesars und Augustus’, sei der rechtmäßige Herr, den die ganze Welt erwarte. Unterstrichen wird dieser Anspruch erneut durch Zitate aus der Aeneis, die bezeugen sollen, dass Caesar über den Aeneas-Sprössling Ascanius bzw. Iulus aus dem trojanischen Geschlecht stammt, wobei die Linie unvermittelt bis zu Heinrichs Sohn Johannes, dem „alter Ascanius“, weitergezogen wird.
[…]
Es ist zwar richtig, dass zahlreiche Fürstenfamilien im späten Mittelalter ihre Ursprünge in Troja verorten möchten und die von den Trojanern abgeleiteten Deszendenzen damit prinzipiell als gemeinsamer europäischer Ausgangspunkt für die pluralen Adelsgeschlechter angesehen werden können. Allerdings scheint der Rückbezug zu den aus ihrer Heimat geflohenen und als Städtegründer in verschiedenen Teilen Europas tätig gewordenen Trojanern bei den Zeitgenossen häufig weniger durch Integrationsabsichten, sondern vielmehr durch veritable Differenzierungs- und Abgrenzungsbemühungen motiviert gewesen zu sein. In den zahl- und variantenreichen genealogischen Erzählungen des Mittelalters lassen sich in diesem Sinne vor allem drei große separate Linien ausmachen: die Abstammung der Römer von Aeneas, der in das latinische Herrscherhaus eingeheiratet und anschließend die Regierung übernommen hatte; eine zweite Linie begründet von Brutus, dem Urenkel des Aeneas, der aus Latium geflohen war und auf den britischen Inseln eine neue Herrschaft begründet hatte; ein dritter Zweig um eine Gruppe, die sich vom Zug des Aeneas abgespalten hatte und deren Mitglieder, wie etwa Francion, der Sohn Hektors und Enkel des trojanischen Königs Priamos, durch ihre Städtegründungen in Pannonien und anschließend in Germanien und Gallien die Stammväter u. a. der Franken/Franzosen wurden. Zahlreiche europäische Städte und Dynastien führten nach diesem Schema ihre Ursprünge auf die trojanischen Auswanderer zurück, so beispielsweise die Venezianer und Paduaner auf Antenor, der wie Hektor und Francion ebenfalls keine engere verwandtschaftliche Beziehung zu Aeneas hat.
Auch im Umkreis der deutschen Adelshäuser, vor allem derjenigen, die Ambitionen auf das Amt des römischen Königs hegten, machte man von derartigen Ursprungserzählungen Gebrauch. Gerade um die Zeit der Abfassung der Monarchia entwickelte sich unter den Habsburgern die Selbstwahrnehmung als Seitenlinie der römischen Colonna, deren Herkunft sich auf Julius Caesar zurückführen ließ, womit wiederum in letzter Konsequenz des letzteren Ahn Aeneas als Stammvater der Habsburger gelten konnte. Und auch für die Luxemburger, deren erster kaiserlicher Vertreter der von Dante unterstützte Heinrich war, existieren historische Darstellungen aus dem 14. Jahrhundert, die eine Nachkommenschaft von Aeneas und dessen Abkömmling Julius Caesar behaupten. Den mit den römischen Königen bzw. Imperatoren konkurrierenden Adelsgeschlechtern, die sich regelmäßig – wenn auch stets in veränderter Form – auf die genannten anderen Ahnen beriefen, war es möglich, den eigentlich universalen Herrschaftsanspruch des Reichsoberhaupts durch Beistellung vermeintlich gleichberechtigter und gleich legitimer Nobilitätslinien zu relativieren, weil Aeneas eben nur einer von mehreren trojanischen Fürsten gewesen war. Die Situation verkompliziert sich zusätzlich, wenn man in Betracht zieht, dass die Kapetinger als französische Königsdynastie und deren Nebenlinie der Anjou, die die Königsherrschaft in Neapel und Sizilien ausübten, noch eine ganz andere Genealogie geltend machten.
Anlässlich der Heiligsprechung des französischen Königs Ludwig IX. im Jahr 1297 verstärkte sich die bereits vorher wahrnehmbare Tendenz, die ganze Familie als beata stirps zu charakterisieren, also als Dynastie, die über Blutsverwandtschaft die Neigung zum heiligmäßigen Leben weitertrage. Diese Selbststilisierung über den Heiligen – immerhin der Großvater König Philipps IV. von Frankreich und Großonkel König Roberts von Neapel, zwei der mächtigsten Rivalen Heinrichs VII. – hatte das Potential, jegliche Berufung auf trojanische und römische, also dezidiert heidnische Vorväter zu neutralisieren, wenn nicht sogar zu entwerten. Dantes Entwurf positioniert sich klar innerhalb dieser genealogisch-propagandistischen Konstellationen, und damit wird auch die eingangs gestellte Frage nach der Physis des Weltmonarchen beantwortet: Der Monarcha stammt notwendig aus dem Geschlecht des Aeneas, denn die über dessen Blutlinie vermittelte virtus trägt wie oben ausführlich dargestellt die natürliche Anlage zur Herrschaft über die anderen Völker weiter. Wer sich nicht als Aeneide präsentieren kann, hat nicht die von Natur aus beste Disposition, um die Regierungsgewalt über den gesamten Erdkreis innezuhaben. [...] Kein Kapetinger oder Anjou oder sonst ein nicht von Aeneas abstammendes Haus kann aufgrund der bis dahin gepflegten Stammbaum-Rekonstruktionen legitimerweise die Regierung über Italien, geschweige denn die Welt, beanspruchen, sondern diese Familien sind von Natur aus dazu bestimmt, den Abkömmlingen von Julius Caesars Stammvater zu dienen. Forciert wird diese Attitüde durch Dantes Abwertung Hugo Capets, wenn er den Ahnherrn des französischen Königshauses als Sohn eines Metzgers und in der bereits häufiger zutage getretenen biologistischen Sprache als „Wurzel“ („radice“) des „schlechten Gewächses“ („mala pianta“), also seiner Nachfahren, bezeichnet, den heiligen Ludwig aber nirgends erwähnt. [...] Durch seine oben skizzierten, nicht selten bemühten Fiktionen schafft Dante die Grundlage dafür, dass Aeneas prinzipiell der Stammvater einer großen Pluralität verschiedener Herrscher sein kann; denkbar wäre in diesem Schema sogar, dass sich künftig ein asiatischer oder afrikanischer Fürst zum Weltmonarchen aufschwingt, sofern er seine Abkunft aus Aeneas’ Stamm glaubhaft machen kann. Darin könnte auch der Grund liegen, warum sich die Argumentation der Monarchia mit keinen zeitgenössischen Herrscherpersönlichkeiten durch namentliche Nennung verbinden möchte. Denn durch diese unterlassene Verpflichtung auf dieses oder jenes bestimmte Adelsgeschlecht, das gerade einen seiner Sprösslinge zum Imperator emporsteigen gesehen hat, schafft Dante Offenheit dafür, auch andere Fürsten als Weltmonarchen gelten lassen zu können. Voraussetzung ist dabei jedoch stets, dass der Prätendent sich auf das Herrscherblut der Aeneiden beruft, denn nur dieses berechtigt von Natur aus zur Weltherrschaft und ist auf diese Weise durch Gott legitimiert. Bei genügend großem literarischen Gestaltungswillen wäre dann sogar denkbar, dass ein Kapetinger, deren königliche Vertreter sich zu Dantes Zeit immer wieder berechtigte Hoffnungen auf die Übernahme des Reichskönigtums gemacht hatten, die natürliche Deszendenz von Aeneas und damit im Falle seiner durchaus im Rahmen des Möglichen liegenden Wahl durch die Kurfürsten seine legitime, gott- und naturgewollte Weltherrschaft im Danteschen Sinne ausruft.

Christian Kaiser in Natur und Herrschaft: Analysen zur Physik der Macht

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Römische Könige

Unser Bild vom ‚Königtum‘ in Rom ist geprägt von einer mehr oder weniger einheitlichen Version von den Anfängen der Stadt und der Geschichte der res publica, die man etwa bei Cicero, Livius, Tacitus und Florus nachlesen kann: Nach ihrer Gründung durch Romulus und der Regierung von insgesamt sechs ‚guten‘ Königen schlug die Monarchie unter Tarquinius Superbus in eine Tyrannis um. Die Tragödie um die vom Königssohn Sextus Tarquinius geschändete Lucretia war der Auslöser dafür, dass sich die unterdrückten Römer gegen Gewalteskalation und Willkürherrschaft wehrten und unter Brutusʼ Führung alle Mitglieder der gens Tarquinia aus der Stadt vertrieben. Anschließend leisteten die von der vorausgegangenen Despotie traumatisierten Bürger des nunmehr freien Gemeinwesens den Eid, in ihrer Stadt nie wieder einen König dulden zu wollen. Dieses für alle Ewigkeit geschworene odium regni sollte sich als konstitutives Wesensmerkmal der neu gegründeten res publica erweisen, deren Politik im Innern und nach Außen von der kollektiven Feindschaft der Römer zu allem,was mit Königtum und Königsherrschaft in Verbindung stand, bestimmt wurde: „[T]he last Tarquin had given the name of king an evil ring to Roman ears for all time; rex and regnum were opprobrious terms“. Dieses von Tarquinius Superbus ausgelöste nationalrömische Kollektivtrauma wurde im 3. und 2. Jh.v. Chr. durch militärische Konflikte mit feindlich gesinnten Königen des Ostens (Philipp V., Antiochos III., Perseus) angeheizt, spitzte sich seit den Gracchen durch die polemische Verwendung des Begriffs ‚rex‘ als politische Invektive in den innenpolitischen Machtkämpfen ständig weiter zu und führte zur Ermordung von C. Julius Caesar am 15. März 44 v. Chr., der nach seinem Sieg über Pompeius angeblich König von Rom werden wollte. Oktavian, der wenige Jahre später ebenfalls als Alleinherrscher aus den Wirren eines Bürgerkrieges hervorging, lernte aus dem Schicksal seines Adoptivvaters und versuchte, den monarchischen Charakter seiner Regierung zu kaschieren, indem er sich mit Rücksicht auf das odium regni nicht als rex, sondern als princeps bezeichnete.
Diesem gängigen Bild vom Königshass der Römer stehen jedoch zahlreiche positive Verwendungsweisen der Begriffe ‚rex‘ und ‚regnum‘ in der römischen Literatur sowie Bezugnahmen auf Könige und Königsherrschaft in der politischen Kultur gegenüber. Diese Ambivalenz, auf die schon republikanische Autoren des 1. Jhs. v. Chr. hingewiesen hatten, wurde in der Forschung an einzelnen Phänomenen aufgezeigt: So wurde beispielsweise darauf aufmerksam gemacht, dass die sechs altrömischen Könige vor Tarquinius Superbus stets für ihre Verdienste um die Genese Roms gewürdigt wurden. Von fremdländischen Herrschern (wie etwa Kyros oder Hieron II.) und sogar erbitterten Feinden (zum Beispiel Pyrrhos) zeichnete die Literatur ein äußerst positives Bild und zog sie als vorbildliche exempla heran. Die Begriffe ‚rex‘ und ‚regnum‘ bezeichneten nicht nur den Vorsitz(enden) beim Trinkgelage, sondern auch ein Patron wurde von seinen Klienten – wie in altlateinischen Komödien der Brotherr des Parasiten – ehrfurchtsvoll als ‚König‘ angesprochen, ohne dass diese Anrede anstößig war. Auch der traditionelle Götterapparat der Römer, an dessen Spitze rex Iuppiter stand, scheint der Theorie vom odium regni zu widersprechen, ist aber wie die positiv konnotierten Reminiszenzen an das Königtum im sakralen Bereich (rex nemorensis, rex sacrorum, regia) insofern auszunehmen, als bei Kulttraditionen oftmals alte (hier: aus der Königszeit stammende) Begrifflichkeiten trotz gewandelter Verhältnisse (hier: im republikanischen Rom) unverändert fortbestehen. Ferner kooperierten die Römer mit reges socii und setzten oftmals (wieder) ‚Vasallenkönige‘ als Vertreter der Interessen des römischen Volkes in eroberte Gebiete ein. Besonders bemerkenswert aber ist, dass römische Senatoren in vielerlei Hinsicht hellenis-tischen Königen sehr nahe standen. Auch Caesars Ermordung 44 v. Chr., höchster Ausdruck und Gipfelpunkt der ablehnenden Haltung der Römer gegenüber der Regierungsform ‚Monarchie‘, tat den vielfältigen positiven Verwendungsweisen keinen Abbruch. So benutzten etwa die ‚augusteischen‘ Dichter Begriffe aus der Wortfamilie ‚reg-‘ nur in den wenigsten Fällen in einem pejorativen Sinn. Offenbar war die Einstellung der Römer gegenüber dem Themenkomplex ‚Königtum‘ weitaus differenzierter, als es das Bild vom pauschalen Königshass vermuten lässt.

Aus Königtum’ in der politischen Kultur des spätrepublikanischen Rom
Christian Sigmund, De Gruyter 2014

Veröffentlicht in Überlegungen

Geschichte und Politik

Um die heutige Politik mach ich einen großen Bogen, es ist immer noch authoritäre Bevormundung und ein echter Dialog findet ohnehin nicht statt. In einer Demokratie wäre jeder Politiker, aber wenn Menschen tagein tagaus keine Zeit haben weil sie ihr Leben mit repetitiver Arbeit zubringen müssen von der sie selbst überhaupt nichts haben, für Leute die sie nicht einmal kennen bloß um immer wieder die selbe Betonkiste und den selben Vergaser zu bezahlen bleibt ihnen einfach keine Zeit und Kraft um selbst eingehend aktuelle Themen zu studieren und eigene Meinungen und Aussagen zu erlangen. Mangels eigener Einsichten bleibt nur eine der vorgefertigten Meinungen zu adaptieren, zwischen Rot, Blau oder Schwarz zu wählen.
Menschen werden absolut nicht zur Emanzipation erzogen, man könnte von klein auf alle 2-3 Wochen Teilnahme an politischen Debatten fördern, sie aktiv in der Politik miteinbeziehen und dazu entsprechend von Arbeit und Verpflichtungen freistellen, so würden politisch gebildete Menschen erzogen, aber in Wirklichkeit will man das überhaupt nicht.
Mit 6 Jahren werden Kinder in ein Zuchthaus gesteckt wo es heißt sitz still und schweig, in Schule und Ausbildung ist es vollkommen irrelevant was richtig ist, es geht einzig darum zu sagen was sie hören wollen, es geht um Gehorsam. Es wird einem beigebracht, dass man nichtkann, es wird einem nicht beigebracht man könne mit Leichtigkeit fremde Sprachen lernen, sondern dass es langwierig und schwierig ist, dass man es nur durch teure Lehrer und Zertifikate kann und es kurzum am besten lasst und arbeiten geht.
Jedes Kind würde mit allerhöchster Freude freiwillig Mathematik studieren und geniale Roboter, Vehikel oder schlaue Häuser konstruieren weil es ein Vergnügen ist wenn man nicht "Fehlleistungen" diagnostiziert bekommt, abgestraft wird wenn man nicht "gut genug" leistet, aber das sind die wirklichen wertvollen Dinge im Leben und werden jedem von klein an genommen. Möchte man ein eigenes Vehikel oder Haus konstruieren? Keine Genehmigung.
Es stellt sich niemand freiwillig tagein tagaus an die Straße und verkauft Döner, die Menschen werden als Kinder gebrochen und diese Formen gepresst, denn dieses System braucht Putzfrauen und Mechaniker. In Wirklichkeit braucht es die nicht, wir können fast alle mühselige Arbeiten automatisieren und abschaffen, aber man will es nicht. Müssten die Leute ihren Mist selbst wegräumen, selbst putzen, anstatt andere dafür zu bezahlen, dann würden sie mit Sicherheit weniger Dreck machen, es sich besser überlegen was es tatsächlich wert ist. Es müsste niemand bei McDonalds Burger braten wenn man da hingehen kann und sich das selbst machen. Ford hat das Förderband und die automatisierte Fabrik entwickelt und so die Massenproduktion, wir wollten diese Maschinen entwickeln damit sie uns die Arbeit abnehmen, aber diesen Vorteil behält der Fabriksbesitzer, der Kapitalist, der Konzern ein, das ist ihr Profit. Da es nun nichtmehr wirklich notwendig ist dass jeder sein Leben mit Arbeit zubringt (und tatsächlich nie war) werden Milliarden in sinnlosen Kriegen wortwörtlich verbrannt denn für dieses Geld das die Nationalbanken drucken bürgt der Bürger und muss dafür arbeiten.
Es würde aber auch niemand in seiner freien Zeit tagtäglich Ekzeme untersuchen oder Gutachten verfassen, der Arzt, der Anwalt ist in Wirklichkeit kein Stück schlauer als der Tankwart und muss alles kaufen weil er von nichts eine Ahnung hat, er ist noch nichtmal ein Arzt, sondern nur ein HNO, ganz besonders von der Politik hat er keine Ahnung, das können nur echte Politiker, so muss er andere für sich entscheiden lassen, muss sich regieren lassen.
Da hat man dann noch nicht einmal den Marx geschafft und der liegt 160 Jahre zurück. Warum der Marxismus nicht funktioniert? Weil jene die vom bestehenden System profitieren nicht wollen, dass sich der Arbeiter erhebt, von seinen Ketten befreit und sein Kapital und seine Rechte in die eigene Hand nimmt. Das Paradies ist möglich, da kommen wir her, dann vergessen wir allerdings all die negativen Dinge, die Probleme und Schwierigkeiten des Lebens und öffnen ihnen Tür und Tor, der Marxismus ist keine Wunderlösung und so auch keine Utopie.

Als im Zuge der französischen Revolution Seine Hochwohlgeboren der König von Frankreich Louis XVI vor dem Tribunal nur noch "citoyen Capet" war, ein Bürger, bedeudete das, dass sich selbst der allerhöchste Adel plötzlich mit Bürgerrechten und Gedankengut auseinandersetzen musste. Die adligen Dynastien lassen sich nicht in das kleinbürgerliche Bild vom Nationalstaat pressen, sie definierten sich durch ihre weitverzweigten Verwandschaften an den internationalen Höfen. Was mit der Revolution geschah versetzte der Aristokratie ganz Europas einen Schlag, es war klar, dass das Hl. Röm. Reich dt. Nat. nicht verschont bleiben würde und so kam man dem zuvor indem man den Niemand, das unbeschriebene Blatt aus Korsika kurzerhand über alle Klassen hinweg zum Kaiser machte und das HRR erlosch, unter Fanfaren ritt er in Paris ein und beendete die Revolution und überzog Europa mit Kriegen um die bevorstehenden Veränderungen im Keim zu ersticken und war damit nicht gänzlich ohne Erfolg.

[...] mit der Unterjochung der Arbeiterklasse, welche Februar und März gemacht hatte, gleichzeitig ihre Gegner besiegt wurden – die Bourgeoisrepublikaner in Frankreich, die den feudalen Absolutismus bekämpfenden Bürger- und Bauernklassen auf dem gesamten europäischen Kontinent; daß der Sieg der honetten Republik in Frankreich gleichzeitig der Fall der Nationen war, die auf die Februarrevolution mit heroischen Unabhängigkeitskriegen geantwortet hatten; daß endlich Europa mit der Besiegung der revolutionären Arbeiter in seine alte Doppelsklaverei zurückfiel. In die englisch-russische Sklaverei. Der Junikampf zu Paris, der Fall Wiens, die Tragikomödie des Berliner NovembersA1, die verzweifelten Anstrengungen Polens, Italiens und Ungarns, Irlands Aushungerung – das waren die Hauptmomente, in denen sich der europäische Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse zusammenfaßte, an denen wir nachwiesen, daß jede revolutionäre Erhebung, mag ihr Ziel noch so fernliegend dem Klassenkampf scheinen, scheitern muß, bis die revolutionäre Arbeiterklasse siegt, daß jede soziale Reform eine Utopie bleibt, bis die proletarische Revolution und die feudalistische Kontrerevolution sich in einem Weltkriegmit den Waffen messen. In unserer Darstellung, wie in der Wirklichkeit, waren Belgien und die Schweiz tragikomische karikaturmäßige Genrebilder in dem großen historischen Tableau, das eine der Musterstaat der bürgerlichen Monarchie, das andere der Musterstaat der bürgerlichen Republik, beides Staaten, die sich einbilden, ebenso unabhängig von dem Klassenkampf zu sein wie von der europäischen Revolution.

Friedrich Engels

Mit Kriegen lässt sich die eigene Bevölkerung noch viel besser unterdrücken und kontrollieren als Fremde, Krieg ist immer der selbe Klassenkampf und so ist klar dass es sich bei den beiden letzten großen Kriegen um nichts anderes handelte.
Kaiser Wilhem wollte die Novemberrevolution 1918 durch einen Marsch auf Berlin wie Napoleon beenden, was ihn davon abhielt war die äußert blutige Absetzung der Zaren durch die russischen Revolutionäre. Dass er sich nun auf seine Villa in Doorn zurückzog wurde ihm vom alten Adel als Fahnenflucht und Desertation nie vergeben, man warf ihm vor er hätte besser heldenhaft für das Kaiserreich sterben sollen. Den niederen Adel traf es nach 1918 besonder schwer, viele mussten nun als Tankwarte oder Sektetärinnen arbeiten oder waren gar auf Spenden der DAG angewiesen und waren entsprechend wütend auf die Niederlage und besonders die Republik, sie radikalisierten sich nach völkisch rechts.
Der hohe Adel musste zwar auch Verluste in Kauf nehmen, war aber weiterhin von enormen Reichtum und Besitzungen, ihnen war die Republik natürlich nicht minder verhasst, allerdings konnten sie den Kampf auf ganz anderem Niveau austragen, sie konnten auch ohne Anflüge von Hetze wie "nordischer Rasse" Anwalts- und Doktorengremien zu Felde führen die etwa die Auflösung der Fideikommisse aufzuhalten wussten und waren natürlich in allen wichtigen Positionen der Republik und des Dritten Römisch-Deutschen Reichs bestens vertreten, Hindenburgs Familie konnte mit Sicherheit sorgenfrei leben.

Ein paar eindrückliche Stellen aus Stephan Malinowskis Dissertation/Buch von 2003 Vom König zum Führer:

Etwa sechs Wochen nach dem Tag von Potsdam empfing Hitler den kaisertreuen Friedrich v. Berg, den gestürzten DAG-Adelsmarschall. Nach den Informationen, die der anwesende Reichswehrminister Werner v. Blomberg an den „Hausminister“ des Exilkaisers weitergab, hatte Hitler vage, jedoch weitgehende Versprechungen gemacht: „Als Abschluß seiner Arbeit sehe [Hitler] die Monarchie“, hieß es im Gesprächsprotokoll. In Frage käme allerdings allein die Hohenzollernmonarchie, eine Restauration der Throne in den Bundesstaaten sei abzulehnen. Der Zeitpunkt der Restauration sei allerdings noch nicht gekommen und die Monarchie nur als Ergebnis eines siegreichen Krieges denkbar.

Generalleutnant a. D. August v. Cramon hatte im Oktober 1933 eine an den Reichspräsidenten gerichtete Denkschrift verfaßt, in der die Wiedereinsetzung Wilhelms II. in seine königlichen Rechte, gewissermaßen als Geschenk zu seinem 75. Geburtstag im Januar 1934 vorgeschlagen wurde. Zur „Erbweisheit des Geschlechts“ kämen nunmehr Weisheit und Würde des Alters hinzu. Der „Führergedanke“ müsse zwangsläufig „im unsterblichen Führertum, der Erbmonarchie‘“ enden und Hitler werde dabei behilflich sein: „Adolf Hitler selbst ist, soweit bekannt, Monarchist.“

Eine Rede von 1930, in der Wilhelm II. in Doorn die Inflation des Führerbegriffes beklagte:

Führer sein! Das will heutzutage jeder. Führer bieten sich allerorten an. Als Führer spielen sich viele auf [...]. Und dennoch, überall der Schrei nach Führern!

In einer sonderbaren Mischung aus christlichen und neu-rechten Motiven erneuerte Wilhelm II. seinen Führungsanspruch. Der Führergedanke sei von Gott zuerst den Sumerern „geoffenbart‘ worden. König Hammurabi habe den „Führerberuf“‘ vor 5000, seine eigenen Vorfahren vor 500 Jahren von Gott übertragen bekommen. „Allein, diesen Führern ist wiederum der Führer Jesus Christus!“ Räumlich und gedanklich fern von allen politischen Realitäten ernannte der Exilkaiser Jesus zum jenseitigen, sich selbst zum irdischen „Führer“. Die vorangestelite Passage aus dem Johannes-Evangelium, die der Ansprache den Titel gegeben hatte, bezog der Kaiser-Führer auf sich selbst: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Eine „mobile“ Schnittstelle entstand durch die Aktivitäten der zweiten Ehefrau Wilhelms II., Hermine Prinzessin v. Reuß, die bei ihren Deutschlandaufenthalten in den wichtigsten Zirkeln der politischen Rechten verkehrte. Offenbar nahm sie 1929, am Rande des Nürnberger Parteitages, Kontakt mit der NSDAP-Führung auf. Der Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung mit Hitler ist unklar, gut dokumentiert ist hingegen ein Treffen mit Hitler im Salon der Baronin Tiele-Winckler im November 1931. In Anwesenheit der „Kaiserin“, Görings und der adligen Chefberater Wilhelms II. hielt Hitler einen mehrstündigen Monolog, in dem er seine Absicht darlegte, „alle Novemberverbrecher [...] öffentlich strangulieren“ zu lassen. Der Vortrag begeisterte Gastgeberin und Gäste gleichermaßen, die Ehefrau des Kaisers äußerte sich positiv über den „sympathisch[en]“ Hitler, „auch über seinen guten und geraden Gesichtsausdruck und seine guten Augen und ihren Ausdruck ohne Falsch“, Erfreut über das Ergebnis des Treffens faßte Magnus v. Levetzow seine Eindrücke von Hitler in einem Brief an Fürst v. Donnersmarck zusammen: „Er war gut im Tellerchen, Donnerwetter nochmal.“

Usw, das Buch enthält eine Fülle an Quellenmaterial, siehe Bücher

Die Republik war also verhasst und so wurde wiederum ein Niemand, ein unbeschriebenes Blatt hervorgeholt sie zu beseitigen. Es musste ein Niemand sein der keine Verbindungen zu bestehenden Mächtigen Strukturen hatte denn sonst würden alte Bündnisse und Rivalitäten ein effektives Handeln unmöglich machen.
Die Republik als Feind mag eine gemeinsame Front des hohen Adels gewesen sein, aber alte Bande und Rivalitäten waren deshalb noch lange nicht vergessen:

In Übereinstimmung mit seinen westfälischen Standesgenossen bezeichnete der Abt Augustinus von Galen, ein Bruder des später berühmten Bischofs, das Monarchieproblem 1926 als eine Cura posterior und hielt die Ansprüche des Hauses Habsburg im Gegensatz zu jenen der Hohenzollern für berechtigt: ,,Was die Hohenzollern betrifft, so hatte ihr Kaisertum mit dem des alten Reiches nicht das geringste zu tun [...]. Die Hohenzoller waren daher in gar keiner Weise Rechtsnachfolger der alten Kaiser und von diesem Gesichtspunkt aus könnten sie folglich als etwa bevorzugte Bewerber um die künftige Krone absolut nicht in Frage kommen."

Gerade bei den Anhängern des realitätsfernen Reichsgedankens fand sich oftmals eine gelassene Einstellung gegenüber der Republik. Für den südwestdeutschen Adelsverein, der mit den bayerischen Verbänden freundschaftliche Beziehungen unterhielt, erklärte Attila Graf v. Neipperg einem bayerischen Standesgenossen, auch im Südwesten sei der Adel monarchistisch, aber anders als im wittelsbachertreuen Bayern. Nur teilweise gehörte die Loyalität der Standesgenossen den Häusern Württemberg und Zähringen, viele westdeutsche Adlige jedoch hätten die „Sünden“ der Fürsten aus der napoleonischen Zeit nicht vergessen. Auch der Monarchismus, den Graf Neipperg hier umriß, glich eher einer vagen Grundhaltung als einem praktikablen Programm: „Diese Leute sind ganz Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Und bis zu einem gewissen Grad bin ich cum grano salis auch bei dieser Seite. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir zeigen und beweisen wollen, dass der Adel in der Republik notwendig ist, noch notwendiger als in der Monarchie, wo alles seinen mehr oder minder geregelten Gang ging. Aber officiell sind wir nicht monarchisch eingestellt.“

Noch in den 30ern sagte Churchill die Russen seien die größte Bedrohung für Europa, dass sich Allierte und Russen verbündeten mag deshalb vor dem Krieg undenkbar gewesen sein. Als sie sich nach dem Krieg nun ohne gemeinsamen Feind gegenüberstanden brach die alte Abneigung wieder hervor, allerdings machten die nun eingetretenen Friedensverträge ein weiteres Bekriegen unmöglich und so schwelte es stattdessen als Kalter Krieg, der bevorzugt auf dem Verliererland Deutschland (und anderen Marionetten) ausgetragen wurde: es wurde in den allierten Westen und den russischen Osten zerrissen. Wie das Ganze ausgegangen ist, ist nun bekannt: heutzutage ist hier alles Amerikanisch, amerikanische Banken und Konzerne so weit das Auge reicht. Zu den ersten Änderungen nach dem Krieg gehörten etwa Sachen wie Gebrüder Grimm als "zu deutsch" ("antisemitisch", über allen Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen hinweg kommen in Drei Märchen Juden vor, der Christ kommt hier kein Stück besser weg, im Gegenteil) aus dem Unterricht zu entfernen und dass Zeitungen und Nachrichtenagenturen ihre Konzessionen von den Besatzern anfragen mussten. So wurden Bildung und Nachrichtenwesen alliert geschalten und entsprechend ist die Geschichtsschreibung und Politik heute eine Allierte, in der der Deutsche das absolute Feindbild, der Nazi ist an dem es nichts Gutes geben kann.
Dabei hat die politische Konstellation einer nationalistischen, sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an und für sich noch überhaupt nichts mit Antisemitismus oder Diktatur zu tun. Tatsächlich ist das System der Nationalstaaten der Nationalismus, das ist die Neue Weltordnung, die neue Eliten hervorbrachte. Im internationalen Druck und Konkurrenzkampf zeigt der Nationalismus seine problematischen Facetten wie eine Tendenz zur Fremdenfeindlichkeit, denn der Staat stellt die eigenen Bürger vor alle Fremden. Der Staat ist ein Bund aus Menschen der andere, Fremde ausschließt, der höchste Bund ist heute der mit sich selbst, so neigt die Freiheit zur Individualität zum Egoismus der sich vor alle anderen stellt. Ehedem war der Bund mit Gott der allerhöchste, der Herr ist wichtiger als das eigene Leben, die Christen sind die Märtyrer, Knechte ihrer Herren, darum hat man die Religionen so bereitwillig verbreitet, Islam bedeutet wörtlich Unterwerfung, sich Allah dem Herren unterwerfen.
Das vorhin im Zitat erwähnte "unsterbliche Führertum" deutet eine wichtige Facette des Adligen Selbstverständnis an: sie sind durch ihre Blutlinie "unsterblich", solange diese fortbesteht, "der König ist tot, lang lebe der König", während es das Testament des gemeinen Volkes ist, dass ihr Leben und ihre Errungenschaften der Herr und nicht sie selbst ererben.

Die Welt der Geschichten der Heiligen Schrift begnügt sich nicht mit dem Anspruch, eine geschichtlich wahre Wirklichkeit zu sein - sie behauptet, die einzig wahre, die zur Alleinherrschaft bestimmte Welt zu sein. ... Die Geschichten der Heiligen Schrift werben nicht, wie die Homers, um unsere Gunst, sie schmeicheln uns nicht, um uns zu gefallen und zu bezaubem - sie wollen uns unterwerfen, und wenn wir es verweigern, so sind wir Rebellen". Der Glaube an den einen, sich in Israels Geschick der Welt offenbarenden Gott ist herrisch und exklusiv.

Otto Kaiser – Zwischen Athen und Jerusalem

"Das Volk des christlichen Staats ist nur ein Nichtvolk, das keinen eignen Willen mehr hat, sein wahres Dasein aber in dem Haupte besitzt, dem es untertan, welches ihm jedoch ursprünglich und seiner Natur nach fremd, d.h. von Gott gegeben und ohne sein eignes Zutun zu ihm gekommen ist." (Bruno Bauer)

Bruno Bauer, Zur Judenfrage 1843

Der einzige Mensch, der gilt, der König, ist ein von den andern Menschen spezifisch unterschiedenes, dabei selbst noch religiöses, mit dem Himmel, mit Gott direkt zusammenhängendes Wesen.

Karl Marx, Zur Judenfrage, 1844

Der christliche Staat kann seinem Wesen nach den Juden nicht emanzipieren; aber, setzt Bauer hinzu, der Jude kann seinem Wesen nach nicht emanzipiert werden. Solange der Staat christlich und der Jude jüdisch ist, sind beide ebensowenig fähig, die Emanzipation zu verleihen als zu empfangen.

Karl Marx, Zur Judenfrage, 1844

Eine Überlegung wie das alles seinen Anfang nahm:
Es handelt sich um eine internationale Vortragsreihe an der Uni Heidelberg

Ich (bin) Darius, der große König, König der Könige, König in Persien, König der Länder, des Hystaspes Sohn, des Arsames Enkel, der Achämenide. Es spricht der König Darius: Mein Vater ist Hystaspes, des Hystaspes Vater (war) Arsames, des Arsames Vater Ariaramnes, des Ariaramnes Vater Teispes, des Teispes Vater Achämenes.
Es spricht der König Darius: Deswegen werden wir Achämeniden genannt. Von alters her sind wir adlich, von alters her war unser Geschlecht königlich. Es spricht der König Darius: 8 meines Geschlechtes waren vor dem Könige. Ich bin der neunte. 9 sind wir in zwei Reihen Könige.

Behistun-Inschrift

Diese Genealogie ist besonders bedeutsam, weil Darius wie Kyrus behauptet, sein Anspruch auf den Thron beruhe auf seiner familiären Abstammung. Außerdem behauptet er wie Cyrus, dass seine Familie über einen langen Zeitraum nacheinander Könige gewesen sei. Was soll man von diesen Aussagen halten? Es gibt auffällige Abwesenheiten in dieser Genealogie, darunter Cyrus und Cambyses. Herodot erwähnt in einer Geschichte über Kambyses in Ägypten, dass Dareios ein Mitglied der Garde von Kambyses und ein "Mann ohne große Bedeutung" war (III.139-40). Herodot zufolge hatte Darius also keinen Anspruch auf den Thron, obwohl er von adliger Geburt war. David Stronach argumentiert jedoch, dass Darius' Vorfahren möglicherweise die Kontrolle über bestimmte Gebiete in Fars hatten und er somit aus einer Familie von Monarchen stammte (2003: 256).
Daher ist seine Behauptung nicht unbedingt eine Lüge. Was versucht Darius dann mit seiner Genealogie? Es gibt eindeutige Beispiele von Usurpatoren, die nicht versucht haben, einen Stammbaum zu erstellen, um ihren Anspruch auf den Thron zu begründen. Das klassische Beispiel ist der neuassyrische Herrscher Sargon II., der nie einen Stammbaum vorlegte, um seinen Anspruch auf den Thron zu belegen. Darius behauptete jedoch nicht, dass er keinen königlichen Stammbaum hatte, sondern begründete sein Recht auf den Thron mit seiner Familie. Allerdings nennt er außer den Familiennamen keine weiteren Einzelheiten. Anders als Cyrus gibt er keinen geografischen Ort für das angebliche Königreich seiner Vorfahren an.
Dareios versuchte also, mit Hilfe seiner Genealogie neu zu definieren, was es bedeutet, der rechtmäßige Monarch zu sein. Briant bemerkt: "Dareios erlangte die Macht nicht, weil er ein Achämenide (im Sinne des Clans) war, sondern weil er durch seinen Aufstieg zum Königtum die Realität dessen, was es bedeutete, 'Achämenide' zu sein, neu definieren konnte" (2002: 111).

Judah and the Judeans in the Achemenid Period – Negotiating Identity in an International Context

Es waren auch Darius und Darius II. die sich arisch und ihre Heimat das Land der Arier (Iran) nannten. Es ist menschliche Frühzeit und Wilhelm lag mit seiner zeitlichen und geographischen Einordnung über den Ursprung des Königtums womöglich nicht weit von der Wahrheit entfernt. Genesis erwähnt Nimrod als dem ersten der mächtig wurde, der erste aller Könige (in der hebräischen Wahrnehmung). Diese antiken Akteure entschieden maßgeblich den weiteren Verlauf der Geschichte und prägten die Begriffe und Strukturen die für lange Zeit vorherrschend waren, so mag sich der spätere Adel etwas über den "arischen" Ursprungs ihrer Herrscherkaste zusammengereimt haben und als Reaktion auf die neuen Wissenschaften wie der biologisch-zoologischen Vererbungslehre eine rassistische gegenübergestellt haben welche die Höherwertigkeit der eigenen Abkunft bestätigen soll. Wie sehr und wie viele davon tatsächlich überzeugt waren sei dahin gestellt, wie im Zitat vorhin erwähnt ging es auch darum "zu beweisen dass der Adel in der Republik notwendig ist", sie waren sich also des Wandels der Zeit bewusst und wollten die eigene Stellung als Elite durch eine Neudefinition als Führertum wahren, mit Programmen wie "Neuadel aus Blut und Boden" und "Dem Adel sein Recht".

Auf Blut und Boden baut der Führer sein Drittes Reich. Wir haben seit 7 Jahrhunderten um die Blutauslese gewußt und haben auf altbewährter Rasse und Kultur mit weiser Wahl unseren Blutsstrom aufgebaut und fortgeführt. [...] Alle die großen Ideale, die der Führer dem deutschen Volke gesetzt hat, sie stammen aus alt-germanischem Erbgut und nicht zuletzt aus den tiefsten Schatzkammern des deutschen Adels. So ist der deutsche Adel dem Nationalsozialismus von Grund auf wesens- und stammverwandt. Zur Zeit der roten Regierungen hieß es: herunter mit der Aristokratie, wir wollen alle Proletarier sein. Jetzt heißt es umgekehrt: Der einfache Mann aus dem Volke soll emporsteigen, und auf der Ebene einer wahren Aristokratie wollen wir alle uns wieder treffen. [...] Was die Zukunft uns bringen wird, überlassen wir Gottes Hand und der Erleuchtung des Führers. Eines aber wissen wir. Unser altes Geschlecht ist kein Fremdkörper im Dritten Reich, der morscht und zerfällt, es ist ein tragender Quader im Bau, gehärtet in Jahrhunderten. [...] Sieg Heil! Sieg Heil! Sieg Heil!

Friedrich v. Bulöw, 1935

1921 sah ein alldeutscher Baron das EDDA-Projekt als die bewußte Fortsetzung der von jeher schon vom Adel durch Pflege der Stamm und Ahnenkunde geübten [...] Auswahlzüchtung [...]. Die Einstellung des Adels auf den Auslesegedanken und die Rassezüchtung ist daher für den Adel gar kein neues, sondem eigentlich ein selbstverständliches Ziel.

Stephan Malinowski

Ich kann Möpse züchten, und ich kann Dackel züchten, aber wenn mir das Malör (sic) passiert, und ich den Korb voll junge Dackelmöpse kriege, so werden sie mit Fug und Recht ersäuft. Das ist weder antimopsisch noch antidackelig, sondern ein Ausfluß der jahrhundertealten Erfahrung, daß alle Bastarde minderwertig sind.

Börries Frhr. v. Münchhausen


Es gibt weitere interessante Paradigmenwechsel im Zuge der Neuzeit.
Man kann jemanden nur als wohlhabend bezeichnen im Vergleich zu jemanden der weniger hat, es kann nur Reiche geben, wenn es Arme gibt, sie haben zu viel, was anderswo fehlt. Die Mächtigen waren nur mächtig wenn sie über anderen standen, für Mächtige muss es Unterdrückte geben, die Formulierung dass ihre Macht vom Volk beziehen ist eben die Idee der Republik und Demokratie. Dabei stellt man fest, dass was sich ändert bloß die Einstellung der Menschen zum Gegenstand ist, dass die Politik bloß ein Instrumentensatz ist der variieren kann. In Wirklichkeit *ist* jeder Politiker und beeinflusst mit seinen Entscheidungen tagtäglich den Verlauf der Gesellschaft mit, ob das nun im politischen Apparat erkannt und gefördert wird oder nicht. So ist auch Sozialismus und Kommunismus viel mehr ein Größe als eine Entscheidung, niemand kann alleine sein Leben bestehen, jeder bezieht aus der Gesellschaft und was er mit seinem Leben tut ist was er zurück gibt, ob sich das beziffern lässt hängt vom verwendeten Wertesystem ab.

Um also von der antiken Epoche in der sich die Ansprüche auf Herrschertum durch Abstammung etablierten weiter in die Zeit des im Artikel behandelten antiken Judentums zu springen zitiere ich nochmal das Buch:

Von Rad schlug eine dreiteilige Struktur für P (Priesterschrift) vor. Er unterschied zwischen "drei mächtigen konzentrischen Kreisen . . die von außen nach innen fortschreitend in das Heilsgeheimnis Gottes einführen: der Weltkreis, der Noahkreis und der abrahamitische Kreis".

[…]

Der Kreis Abrahams umfasst "das abrahamitische Haus", bestehend aus den Arabern ("Ismael"), Israel (d. h. "Samaria") und Juda ("Jakob") sowie Edom ("Esau").

[…]

Dieser abrahamitische Kreis wird durch den abrahamitischen Bund in Genesis 17 definiert, der den teilnehmenden Bundespartnern Fruchtbarkeit, Landbesitz (was eher ein Recht auf Nutzung als auf Besitz zu bedeuten scheint) und Nähe zu Gott verspricht.
The circle of Israel narrows the focus down to the nation of God alone. It is generally concerned with the establishment of the sanctuary, which enables the sacrificial cult of Israel. This sacrificial cult alone is what allows Israel to achieve atonement. The sanctuary and the implementation of the cult seem to function as the partial restoration of  the initial creation, in the sense of a second “creation within creation.” The circle of Israel is not established by its own covenant because the foundational promise of the presence of God (“I will be your God”) was already given in Gen 17:7 (cf. Exod 6:7, 29:45–46).

[…]

Ob der Abraham des priesterlichen Schreibers sich dessen bewusst ist oder nicht, er bittet darum, dass Ismael Jhwh's Priester wird; und es ist diese Bitte, die Ismael verweigert und stattdessen dem noch nicht geborenen Isaak angeboten wird. In diesem ganzen Austausch (V. 18-21) geht es also nicht um die Frage, ob Ismael im Land Kanaan leben darf - das Recht Ismaels, in Kanaan zu leben, ist in V. 8 ein für allemal geklärt -, sondern nur darum, ob es einen weiteren Sohn braucht, d. h. eine weitere Kategorie unter Abrahams multinationalen Nachkommen. Und die Antwort auf diese Frage lautet ja. Sarahs Sohn Isaak wird jene Nachkommen Abrahams zeugen, die dazu bestimmt sind, Jhwhs priesterliches Volk zu werden.

Judean Identity abd Eucumenicity, Konrad Schmid

Ein weiteres auffälliges Merkmal des Buches Esther ist die weitgehende Abwesenheit von Gott in diesem Buch. Dies hat natürlich zu zahlreichen Spekulationen über versteckte Anspielungen, Doppeldeutigkeiten usw. Anlass gegeben. Andererseits ist es falsch, den scheinbar "säkularen" Charakter des Buches als Hinweis auf eine geringere Qualität des Buches zu betrachten. Ich denke, wenn wir uns der Esther-Geschichte mit den Bemerkungen über Gott nähern, die oben bei der Behandlung von Genesis 20 gemacht wurden, wird etwas Licht in die Angelegenheit gebracht. Der persönliche Gott der Patriarchen wurde in 1. Mose 20 in ein universelles göttliches Wesen verwandelt, zu dem Israeliten und Heiden sprechen können und an dessen universelle Gesetze sich sogar scheinbar fremde Könige halten können. Dieser Wandel von einem persönlichen zu einem universellen Gott wird in Esther noch einen Schritt weitergeführt. Da keine der Handlungen, die zu einer Gefährdung der Juden in Persien führen, ausdrücklich mit dem religiösen Faktor in Verbindung gebracht wird, ist das Fehlen eines direkten göttlichen Eingriffs vielleicht verständlich. Nur am Rande sei erwähnt, dass die offensichtliche Nichteinmischung Persiens in die religiösen Angelegenheiten seiner Untertanen Persien zu einem idealen Schauplatz für die Legitimation eines neuen Festes macht, das den üblichen Vorstellungen von biblischen Festen zu widersprechen scheint. Der Konflikt zwischen Mordechai und Haman, von dem in Esth 3,1-15 berichtet wird, wird häufig unter Bezugnahme auf Exodus 20,1-5 interpretiert. Zwar wird חוה in der Bestimmung von Exod 20,5 verwendet, aber nichts im Text von Esther deutet darauf hin, dass Haman irgendeine göttliche Eigenschaft hatte, und nur der Targum fügt diesen Aspekt hinzu, indem er angibt, dass Haman das Bildnis eines Götzen auf seiner Kleidung trug. [Das Motiv der Göttlichkeit Hamans kommt nur in Judg 3,8 vor, wo Nebukadnezar göttliche Ehren beansprucht: "Und er zerstörte alle ihre Heiligtümer und schändete ihre kultischen Haine. Er erhielt den Befehl, alle Götter der Erde auszulöschen, damit alle Völker der Erde allein Nebukadnezar dienen und alle Sprachen und Stämme ihn allein als Gott anbeten sollten"]
Trotz Mordechais Aussage, dass er ein Jude ist (Esth 4:4bβ), gibt es in der hebräischen Bibel Beispiele, in denen es vollkommen akzeptabel ist, sich vor einem anderen Mann niederzuwerfen (siehe Gen 23:7, 27:29; 1 Kön 1:31). Die Kombination der hebräischen Verben חוה und כרע ist normalerweise Gott vorbehalten (Ps 22,30; 95,6; 2 Chr 7,3), "aber wenn Götzendienst die Ursache für Mordechais Nichteinhaltung ist, schweigt der Text seltsamerweise darüber. Außerdem ist es schwer zu verstehen, warum der König befiehlt, einen Untergebenen wie einen Gott zu behandeln, wenn er es selbst nicht ist." Esth 3:4bβ (כי הגיד להם אשר הוא יהודי ) scheint eher auf Esth 3:8-15 vorauszuschauen, als dass es als angemessener Grund dafür dienen würde, warum Mordechai sich weigert, sich zu beugen.

The Absent Presence, Anselm C. Hagedorn

Die Historizität einer Geschichte nach ihrem Realitätsgrad zu beurteilen, bedeutet, Wahrheitsähnlichkeit mit Historizität zu verwechseln.

Adele Berlin

Was für uns heute Märchen und Mythen sind war für unsere Vorfahren die einzig wirkliche Realität. Zweifellos haben die Glühbirne, die Medizin, Hygiene und die Bildung den Teufel besiegt, und dennoch selbst wenn man ihn für ein Hirngespinst hält (das Tier, das Tier im Menschen ist wohl kein Hirngespinst) hatte er enormen Einfluss auf die Menschengeschichte.
Die Welt die wir durch unsere Augen sehen ist ein Bild in unserem Kopf, wir erleben unsere eigenen Sinne, unsere eigene Wahrnehmung, nicht eine äußere Welt "an sich" (Kant). Die Natur, die Tier- und die Pflanzenwelt können sich nicht an die Grenzen halten die wir auf eine Landkarte drucken weil sie nicht existieren, in der Welt gibt es weder Geschwindigkeitsvektoren noch Meter oder Minute. Es sind Konzepte des menschlichen Geists.
Die Logik ist eine Disziplin der Philosophie, die Mathematik eine Disziplin der Logik, das ist die griechische Schule und der Ursprung und Grundlage der unseren, deshalb ist es für uns klar und einfach zu verstehen wenn die alten Griechen von Kosmos und Chaos, Ordnung und Unordnung sprechen, wenn aber die jüdische Kabbala von den Sephiroth oder die Vedantas vom Brahman sprechen so ist das nicht logisch und deshalb auch nicht *richtig*, denn richtig *oder* falsch ist eine ganz spezifische logische Operation. Um also fremde und alte Kulturen zu verstehen muss man in der Lage sein sich vom eigenen Weltbild zu lösen. Wir gehen immer gerne davon aus, dass wir allen vergangenen Menschen überlegen sind, schließlich hätten wir ja alle deren Erfahrungen hinter uns, in Wirklichkeit steckt darin ein Trugschluss, niemand hat all die Erfahrungen gemacht, man verlässt in fast allem auf die Aussagen anderer. Fortschritt wird heute als Mantra gepredigt und dabei vergessen dass zu schnelles Wachstum nicht erhalten werden kann oder am anderen Ende etwas verloren geht, so sind im Laufe der Geschichte eine Menge Dinge auf der Strecke geblieben, wie etwa Naturverbundenheit. "Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen", die Technologie is sogar nur oberflächlich, viel ursächlicher und deshalb bedeutender sind die grundlegenderen, einfacheren Dinge und so sind die frühesten Fragen der Menschheit auch die am längsten währen und unsere "Überlegenheit" gegenüber unseren Vorfahren auch bloß eine die wir uns nur gerne selbst bestätigen wollen.

Veröffentlicht in Judäer im Achämenidenreich

Was haben Priester und Könige gemein?

Während königliche Genealogien dazu dienen konnten, eine bereits etablierte Linie zu legitimieren, wie die des Cyrus, konnten sie auch neue Ansprüche begründen. Dies zeigt sich bei Dareios, der nicht in direkter Linie auf den Thron folgte. Das Behistun-Denkmal veranschaulicht dies deutlich, indem es eine sechs Generationen umfassende Abstammungslinie formuliert, die auf den gleichnamigen Gründer, Achaemenes, zurückgeht.


Ich (bin) Darius, der große König, König der Könige, König in Persien, König der Länder, des Hystaspes Sohn, des Arsames Enkel, der Achämenide. Es spricht der König Darius: Mein Vater ist Hystaspes, des Hystaspes Vater (war) Arsames, des Arsames Vater Ariaramnes, des Ariaramnes Vater Teispes, des Teispes Vater Achämenes.
Es spricht der König Darius: Deswegen werden wir Achämeniden genannt. Von alters her sind wir adlich, von alters her war unser Geschlecht königlich. Es spricht der König Darius: 8 meines Geschlechtes waren vor dem Könige. Ich bin der neunte. 9 sind wir in zwei Reihen Könige.

Behistun-Inschrift


Diese Genealogie ist besonders bedeutsam, weil Darius wie Kyrus behauptet, sein Anspruch auf den Thron beruhe auf seiner familiären Abstammung. Außerdem behauptet er wie Cyrus, dass seine Familie über einen langen Zeitraum nacheinander Könige gewesen sei. Was soll man von diesen Aussagen halten? Es gibt auffällige Abwesenheiten in dieser Genealogie, darunter Cyrus und Cambyses. Herodot erwähnt in einer Geschichte über Kambyses in Ägypten, dass Dareios ein Mitglied der Garde von Kambyses und ein "Mann ohne große Bedeutung" war (III.139-40). Herodot zufolge hatte Darius also keinen Anspruch auf den Thron, obwohl er von adliger Geburt war. David Stronach argumentiert jedoch, dass Darius' Vorfahren möglicherweise die Kontrolle über bestimmte Gebiete in Fars hatten und er somit aus einer Familie von Monarchen stammte (2003: 256).
Daher ist seine Behauptung nicht unbedingt eine Lüge. Was versucht Darius dann mit seiner Genealogie? Es gibt eindeutige Beispiele von Usurpatoren, die nicht versucht haben, einen Stammbaum zu erstellen, um ihren Anspruch auf den Thron zu begründen. Das klassische Beispiel ist der neuassyrische Herrscher Sargon II., der nie einen Stammbaum vorlegte, um seinen Anspruch auf den Thron zu belegen. Darius behauptete jedoch nicht, dass er keinen königlichen Stammbaum hatte, sondern begründete sein Recht auf den Thron mit seiner Familie. Allerdings nennt er außer den Familiennamen keine weiteren Einzelheiten. Anders als Cyrus gibt er keinen geografischen Ort für das angebliche Königreich seiner Vorfahren an.
Dareios versuchte also, mit Hilfe seiner Genealogie neu zu definieren, was es bedeutet, der rechtmäßige Monarch zu sein. Briant stellt fest: "Dareios erlangte die Macht nicht, weil er ein Achämenide (im Sinne des Clans) war, sondern weil er das Königtum erlangte, das es ihm ermöglichte, die Realität dessen, was es bedeutete, 'Achämenide' zu sein, neu zu definieren" (2002: 111). Christopher Tuplin stellt Briants Interpretation in Frage und fügt hinzu, dass Darius möglicherweise nicht absichtlich über seine Abstammung von Achamenes gelogen hat, sondern eher in "symbolischen Begriffen" spricht (2005: 230). Ob Darius seine Abstammung getreu wiedergibt oder lügt, ist unklar. Es ist jedoch offensichtlich, dass Darius durch die Verwendung seiner Genealogie im Wesentlichen den rechtmäßigen Thronanspruch von Cyrus zunichte macht, indem er seine Genealogie auf den Gründer der Dynastie, Achaemenes, zurückführt, während Cyrus sich nur mit Teispes in Verbindung bringt. Wilson fügt hinzu, dass im Falle der achämenidischen Könige "viele ... damit beschäftigt waren, das persische Reich entweder zu vergrößern oder es vor der Gefahr eines internen politischen Chaos zu schützen" (1977: 70).
Dareios hatte das Bedürfnis, diese Genealogie - ob real oder imaginär - zu konstruieren, um die früheren Machtansprüche seiner Familie zu belegen.


Im biblischen Material können bestimmte königliche und priesterliche Genealogien auf Zeiten hinweisen, in denen die Legitimierung der eigenen Genealogie besonders wichtig war. Dafür gibt es zwei Beispiele: 1. Chr. 3,1-24, die davidische Genealogie, und 1. Chr. 8,33-40, die so genannte saulidische Genealogie. Beide Stammbäume beziehen sich auf Monarchen, die schon lange nicht mehr an der Macht waren. Im Beispiel der davidischen Genealogie in 1. Chr. 3,1-24 setzt sich diese umfangreiche Genealogie im MT über 26 Generationen fort, von David bis zu den sieben Söhnen Elioenais. Sie baut auch auf der judäischen Genealogie in 1 Chronik 2 auf, die ebenfalls David mit Juda, Jakob und darüber hinaus verbindet. In 1 Chr 3,1-24 werden sowohl lineare als auch segmentierte Formate verwendet, die sich über 600 Jahre erstrecken. Der Stammbaum Davids beginnt mit einer segmentierten Genealogie, die alle erstgeborenen Söhne hervorhebt, die ihm in Hebron von seinen sechs Frauen geboren wurden, und geht dann zu den Söhnen über, die ihm in Jerusalem von Bath-Schua geboren wurden. Es wird eine lineare Genealogie von der Zeit Salomos bis zu Josia (16 Generationen) verwendet. Von der Zeit Josias bis zu den Söhnen Elioenais kehrt die Genealogie zu einem segmentierten Format zurück. Es handelt sich jedoch nicht nur um eine Genealogie der dynastischen Linie Davids. Sie setzt sich weit über das Exil und die Rückkehr hinaus fort, über die Familienlinie von Serubbabel bis hin zu den Söhnen Elioenais. Die davidische Genealogie konzentriert sich also auf eine Linie und ihr Fortbestehen und Überleben, selbst nach der Zerstörung des Königreichs Juda. Obwohl die Macht dieser Familie schon vor langer Zeit geschwunden war, ist es klar, dass diese Genealogie versucht, einen Zweig der davidischen Familie in der Machtlinie zu positionieren. Und so zeigt, wie Gary Knoppers hervorhebt, die "sorgfältige Abgrenzung der Kontinuität unter den Nachkommen Davids in Zeiten enormer Veränderungen die Widerstandsfähigkeit und Bedeutung der Dynastie" (2004: 335-36), und das in einer Zeit, in der sie schon lange nicht mehr an der Macht waren. Die Genealogie dient dazu, eine Familienlinie innerhalb des größeren davidischen Stammbaums zu einer Machtposition zu ermächtigen, falls sich jemals die Gelegenheit ergeben sollte, dass ihr Macht verliehen werden könnte.
Ein weiteres Beispiel für eine königliche Genealogie innerhalb des Stammbaums der Benjaminiten ist die so genannte Sauliden-Genealogie (1. Chr. 8,33-40), die eigentlich die Jeieliten-Genealogie ist, weil sie mit Sauls Großvater Jeiel beginnt. Das Interesse des Chronisten an der Familie Sauls trägt sowohl seiner früheren Bedeutung als auch der anhaltenden Bedeutung seiner Nachkommen in der nachexilischen Zeit Rechnung. Die Bedeutung der Familie Sauls zieht sich durch die Chronik, wo Saul und David die beiden königlichen Linien innerhalb der Erzählung der Monarchie sind. Im Gegensatz zur davidischen Genealogie, die eine bestimmte Familienlinie hervorhebt, wird in 1 Chronik 8 die Bedeutung des Benjaminiterklans und seine Stellung in den verschiedenen Territorien, darunter Jerusalem und Gibeon, hervorgehoben. Sauls Genealogie, die in V. 29 mit seinem Großvater Jeiel beginnt und sich über 17 Generationen erstreckt, endet mit dem Satz "alle diese stammten von den Nachkommen Benjamins ab" (8,40), womit die Genealogie der Benjaminiten mit Sauls Nachkommenschaft abgeschlossen wird.
Die Familie Sauls besteht eindeutig noch lange nach dem Verlust der Monarchie fort, und die Genealogie der Benjaminiten verbirgt nicht den Charakter Sauls, sondern ehrt ihn und seine Söhne und hält sie in einer angesehenen Position, wobei die lange Genealogie der Benjaminiten mit Sauls besonderer Familienlinie der Benjaminiten endet. Als Folge der antiken Genealogie der Jeieliten und Sauliden gewann der Stamm Benjamin an Bedeutung. Außerdem waren die Benjaminiter ein wichtiger Stamm im nachexilischen Jehud und für den Chronisten ein loyaler Untertan der davidischen Monarchie. Sie waren auch während der achämenidischen Ära ein integraler Bestandteil des Jehud, und so legitimierten vergangene Ereignisse oder die Genealogie ihren Platz im zweiten Gemeinwesen durch den Rückgriff auf die antike Vergangenheit durch Jeiel und Saul, ihre berühmtesten Mitglieder.


Lange Genealogien waren in nicht königlichen Werken eher unüblich, abgesehen von einigen bemerkenswerten Ausnahmen. Ein solches Beispiel findet sich in den Historien des Herodot. Im zweiten Buch berichtet Herodot von seinem Besuch in Theben (Karnak), wo er eine Geschichte über Hekataeus von Milet erzählt, den Historiker aus dem sechsten Jahrhundert (550-490 v. Chr.), der geografische Werke verfasste, in denen er die verschiedenen Regionen der bekannten Welt aufzählte, und auch Genealogien, in denen er versuchte, die Geschichten der Götter und Helden zu ordnen (von diesen Werken sind etwa 35 Fragmente erhalten). Hekataeus wird auch die Überarbeitung einer Weltkarte zugeschrieben, die zuerst von Anaximander erstellt wurde. Herodot erklärt, dass Hekataeus "seine eigene Abstammung studiert und seine Familiengeschichte bis zu einem göttlichen Vorfahren in der sechzehnten Generation zurückverfolgt hatte" (II.143). Er fährt fort, dass die Priester in Theben Hekataeus' Behauptung, man könne vom Göttlichen abstammen, nicht glaubten und ihn in den Tempel des Amun mitnahmen und ihm die Statuen der Hohepriester zeigten, die jeweils eine Generation repräsentierten. Das Amt wurde vom Vater an den Sohn weitergegeben. Schließlich zeigten die Priester Hekataeus 345 Statuen und behaupteten, "dass jede der Figuren einen Piromis darstellte, der von einem Piromis abstammte [im Griechischen wäre das ein "Mann von Rang"] . . . sie brachten keine einzige von ihnen mit einem Gott oder einem Helden in Verbindung" (II. 143). Herodot stellt diese Vorstellung in Frage, dass man eine Genealogie bis zu den Göttern zurückverfolgen könnte, und tatsächlich erklärt Herodot, dass er keine Genealogie seiner eigenen Familie hat und ihm diese Praxis daher seltsam erscheint. Diese Geschichte ist bemerkenswert, denn sie ist der einzige wirkliche Beweis für die Erstellung langer Genealogien in dieser Zeit in der ionischen Welt."