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Pseudo-Aristotle de mundo

Vielmehr müssen wir uns das Walten Gottes ähnlich dem des Großkönigs vorstellen. War doch der Hofstaat des Kambyses, des Xerxes und des Dareios in so großartiger Weise eingerichtet, daß er den Gipfel der Hoheit und Erhabenheit erreichte. Der Herrscher selbst thronte, wie man berichtet in Susa oder Ekbatana, für jedermann unsichtbar, in einem wunderbaren Palaste, dessen Inneres von Gold, Elektron und Elfenbein strahlte. Da gab es viele Torgebäude, nach dem andern, und viele Vorhöfe, die durch viele Stadien voneinander getrennt waren; eherne Tore und mächtige Mauern schützten das Ganze. Dazu waren die vornehmsten und erprobtesten Männer berufen, die einen in der unmittelbaren Umgebung des Königs als seine Lanzenträger und seine Bedienung, andere als Wächter der einzelnen Höfe, als Torhüter und sogenannte Horcher, auf daß der König selbst, der Herr und Gott - denn so ward er angeredet - alles sähe und alles hörte. Gesondert von diesen waren andere angestellt, Verwalter der Staatseinkünfte, Anführer im Kriege und auf der Jagd, Empfänger der dargebrachten Geschenke und Beamte für alle übrigen Geschäfte, die der Bedarf des königlichen Haushaltes mit sich bringt.

Und die gesamte Herrschaft über Asien, die gen Abend bis zum Hellespont, gen Morgen bis zum Indus reichte, hatten unter sich Feldherren, Statthalter und Könige nach Völkern verteilt - auch sie Knechte des Großkönigs, denen wieder andere wie Dauerläufer, Späher, Boten, Wächter und Wärter der Feuerzeichen untergeordnet waren.

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Königtum Gottes

Leuenberger, Martin, Art. Königtum Gottes (AT), in: Das Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de), 2012

Das irdische Königtum in Israel und Juda ebenso wie das Königtum Jhwhs bilden einen Ausschnitt altorientalischer Herrschaftsvorstellungen und lassen sich historisch bzw. religions- und theologiegeschichtlich nur vor diesem Hintergrund bzw. innerhalb dieser Konzeptionen verstehen. [...]

So versteht sich König Hammurabi zeitlich und sachlich parallel zur Einsetzung des Gottes Marduk in ein „ewiges Königtum (šarrūtum darītum)“ (Hammurabi-Stele 1,21) durch Anu und Enlil (1,1ff) als „der von Enlil berufene Hirte“ [...]

Im Horizont des weltpolitischen Aufstiegs des Perserkönigs Kyros verkündet Deuterojesaja für die nahe Zukunft visionär die anbrechende definitive, „eschatologische“ Heilsvollendung für Israel. Das (ursprüngliche) Buchgefälle läuft auf Jes 52,7-10* zu, wo die Formulierung „König geworden ist und nunmehr als König herrscht dein [sc. Zions] Gott“ (מָלַךְאֱלֹהָיִךְ mālakh ’älohājikh; qatal-x) den Akzent auf den (jedenfalls in der göttlichen Welt) erfolgten Anbruch des Königtums Jhwhs legt, der nun das irdische Geschehen unweigerlich zum Ziel führen wird.
Dabei erbt Jhwhs „Messias“ Kyros (Jes 45,1) das weltliche Königsamt der Davididen, das damit im Zuge der Auseinandersetzung Deuterojesajas mit der babylonischen Leitkultur kühn globalisiert wird – in Entsprechung zum weltweiten Königtum Jhwhs über alle „Götter“ (deren Göttlichkeit bekanntlich bestritten wird) und alle Völker. [...]

Durch die Integration [von Deutero-Jesaja] in das Jesajabuch ergibt sich eine neue Dynamik: Die exilische Problematisierung wird durch die Abfolge von präsentischem Königtum Jhwhs (Jes 6) und eschatologischem (Neu-)Anbruch (Jes 40-52*) literarisch eingeholt. Dasselbe trifft für die irdische Ebene zu, wenn die im Buchablauf auf die Davididen historisierten Königstexte Jes 7; Jes 9; (Jes 11) durch Jes 45 mit dem Messias Kyros fortgeführt werden. [...]

Die Thematik steht [in der Apokalyptischen Literatur] explizit nie im Zentrum, doch wird Jhwh nicht selten als König tituliert und an der (weltlichen) Durchsetzung seines Königtums gegen weltliche Widerstände ganz unterschiedlicher Art konsequent festgehalten – letztlich um der Gottheit Gottes willen (s. im Einzelnen Camponovo, 1984, 230ff; Lindemann, 1986, 196ff; Collins, 1987, 88ff). [...]

Gott lässt [im Buch Daniel] seine „allzeitige Königsherrschaft (מַלְכוּת עלַם malkhût ‘ālam)“ (Dan 3,33) in der Zeitenfolge jeweils durch wechselnde (Welt-)Herrscher realisieren (s. bes. Kratz, 1991, 148ff; Seow, 2004). Erst in den folgenden (hebräischen) Buchredaktionen erfolgen dann eschatologisch-apokalyptische Umbrüche, die das irdische und das göttliche Königtum in eine sich verschärfende Opposition bringen (s. Dan 2,44; Dan 7,14.18; Dan 10-12). [...]

Schließlich ist der sich in nachexilischer Zeit sukzessive formierende Psalter in seinen jüngeren beiden theokratischen Büchern IV-V ebenso wie in der vorliegenden Endkomposition konzeptionell vom Königtum Jhwhs geprägt (s. Leuenberger, 2004, 392f [Lit.]; Janowski, 2010, 301ff). Dabei lassen sich verschiedene Konzeptionen unterscheiden, die Jhwhs Königtum im Buchablauf vorab in kosmischen (Naturordnung), großpolitischen (Völkerwelt / Rechtsordnung), priesterlichen (kultische Rechtsordnung) und schließlich alltäglichen (elementare Rettung und Versorgung in Ps 101-150) Erfahrungsbereichen verorten; dabei wird auch die räumliche und zeitliche Universalität der Königsherrschaft Jhwhs im Einzelnen durchbuchstabiert. Der theologische Höhepunkt und Schlussakzent des Psalters wird dann im kunstvoll aufgebauten Hymnus Ps 145 erreicht:

V. 1 Ich will dich erhöhen, mein Gott und König, / und deinen Namen loben für immer und ewig. (…) V.13 Dein „Reich“ ist ein „Reich“ für alle Zeiten, / und deine Herrschaft währt von jedem Geschlecht zu Geschlecht.

Ps 145

Eine traditionsgeschichtliche Analyse der jhwhbezogenen מלך * mlk-Aussagen (König) in ihren literarischen (Nah)kontexten fördert ein recht umfangreiches Wort- und Vorstellungsfeld „Königtum Jhwhs“ zu Tage: Einerseits gibt es mehr oder weniger enge Parallelbegriffe zu מלך * mlk „König sein / werden“ bzw. מֶלֶךְ mælækh „König“ bzw. den Abstrakta für „Königtum“ wie etwa משׁל mšl „herrschen“ (Herrschaft, besonders Kap. 2), שׁפט špṭ „richten / herrschen“, aramäisch שׁלט šlṭ „herrschen“ bzw. מוֹשׁל môšel „Herrscher“, מָשִׁיחַ māšîaḥ „Gesalbter“ (Messias), שֹׁפֵט šofeṭ „Richter“, רֹעֵה ro‘eh „Hirt“, רֹאשׁ ro’š „Haupt“, נָגִיד nāgîd „Fürst“ bzw. מֶמְשָׁלָה mæmšālāh sowie aramäisch מָשִׁיחַ šālṭān „Herrschaft“ usw. Andererseits gilt es auch, zahlreiche königliche bzw. herrschaftliche Attribute (wie גֵּאוּת ge’ût „Hoheit“, הוֹד hôd „Majestät“, הָדָר hādār „Pracht“, עֹז ‘oz „Macht“, אַדִּיר ’addîr „mächtig“ [s. hierzu besonders die Überlegenheit gegenüber den Chaoswassern] usw.), Funktionen (z.B. ישׁב jšb „thronen / wohnen“, עלה ‘lh „aufsteigen / erhaben sein“) und Vorstellungselemente (etwa כִּסֵּא kisse’ „Thron“, סוֹד sôd „Thronrat“ [Götterrat], אַרְמוֹן ’armôn „Palast“, הֵיכָל hêkāl „Tempel / Palast“ u.ä.) mit heranzuziehen: Sie alle zeichnen Jhwh – freilich in unterschiedlichen Ausprägungen und Akzentuierungen – als König. [...]

3) brk ∙ jhw[h …] (4) brk ∙ bgj[m … j]mlk … (6) brk ’dn[j] jh … (3) Gesegnet ist / sei Jhw[h …,] (4) Gesegnet ist / sei er unter den Völker[n, der] herrscht / herrschen wird als König. … (6) Gesegnet ist / sei der Her[r]; jh[…]“

Inschrift aus En Gedi

Gesegnet wird also der Herr Jhwh (Z.3/6), den die Zentralaussage (Z.4) in völkerweiter Perspektive (vgl. ’šr „Assur“ Z.1)[...]

Zu nennen ist: mlkj(h)w „(mein) König ist Jh(wh)“ bzw. jhwmlk „Jh(wh) ist König“ (vgl. Parallelbildungen wie mlkj’l „König ist Gott“ oder ’dnmlk „Der Herr ist König“). Daneben stehen semantisch verwandte Herrschaftsnamen des Typs „Gottesname + Herrschaftsterminus“, d.h. vor allem jh(w) „Jhwh“, ’l „Gott“ oder ’dn „Herr“ mit rwm „sich erheben / erhaben sein“, qwm „aufstehen / hoch sein“ oder ‛lj / ‛lh „aufsteigen / hoch sein“, wobei die Reihenfolge der beiden Elemente wechseln kann.


Hermisson, Hans-Jürgen, Art. Deuterojesaja, in: Das Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de), 2017

Zu den Elementen der Hilfszusage gehört die Rede von der Erlösung Israels. Der Begriff stammt aus dem Familienrecht und bezeichnet den Loskauf von Sippenangehörigen aus der Schuldsklaverei (Löser / Loskauf); bei Dtjes wird er ausschließlich als Jahweprädikat gebraucht: Jahwe ist Israels „Erlöser“, nun also aus dem babylonischen Exil. Die Vorstellung ist jedoch bezeichnend abgewandelt: Israels „Loskauf“ besagt ja nicht, dass Jahwe dem bisherigen Oberherrn Babylon ein Lösegeld zahlt. Am nächsten kommt Jes 43,3 der herkömmlichen Vorstellung: Jahwe zahlt „Ägypten, Kusch und Seba“ als Lösegeld für Israel, aber nicht an den bisherigen, sondern an den künftigen Besitzer, an Kyros, den Eroberer Babylons. Anders in Jes 44,22, wo das Wort von Israels „Erlösung“ auf die Aussage der Tilgung seiner Sünde und Schuld folgt: Wohl heißt „erlösen“ auch dort konkret aus der babylonischen Gefangenschaft befreien, aber diese ist Konsequenz der Schuld Israels gegenüber seinem Gott. Die Zahlung von Lösegeld an Kyros oder Babylon wird von späteren Autoren bestritten (Jes 45,13bβ; Jes 52,3), aber das ist nicht Dtjes’s Problem: Bei ihm geht es um die Analogie der familiären Beziehung und der daraus folgenden Pflicht zur Befreiung: Ein solches Verhältnis zu seinem Volk hat Jahwe mit dem Wort von der Erlösung deklariert. [...]

Hier muss von den irdischen Agenten Jahwes bei Dtjes die Rede sein. Da ist einmal Kyros, angesprochen in zwei Berufungsorakeln: In Jes 45,1-7 soll er als Jahwes „Gesalbter“ Babylon erobern, in Jes 42,5-8* die Gefangenen freilassen.
Das ist die irdisch-konkrete Gestalt des göttlichen Siegs über Babylon und der Heimführung der „Beute“ nach dem Schlussteil des Prologs: Kyros ist von Jahwe dazu beauftragt und ermächtigt. [...]

Das große „Imperativgedicht“ in Jes 51,9-10.17-23; Jes 52,1-2, das mit dem Text vom jubelnd begrüßten Einzug Jahwes in seine Stadt in Jes 52,7-10 und dem abschließenden Aufruf an die Exilanten in Jes 52,11f. verbunden ist. Der klagende Aufruf an Jahwes Arm, aufzuwachen und seine Macht wie einst beim Exodus, am Schilfmeer, zugunsten Israels zu beweisen (Jes 51,9f.), wird mit dem Gegenaufruf an die Frau Jerusalem / Zion beantwortet, sich ihrerseits zu erheben (Jes 51,17), aus dem Staub aufzustehen, ihre Festkleider anzuziehen und sich auf den Thron zu setzen (Jes 52,1-2). Zion ist hier im Kontrast zur Frau Babylon gezeichnet, die ihren Thron verliert (Jes 47), aber sie ist nicht wie Babylon Jahwes Konkurrenz: Ihre königliche Rolle erhält sie als Gemahlin des Königs Jahwe, der jetzt in Jerusalem einzieht und dort seine Weltherrschaft antritt: „Jahwe hat seinen heiligen Arm entblößt vor den Augen aller Völker, und alle Enden der Erde sehen die Rettungstat unseres Gottes“ (Jes 52,10). [...]

Die Botschaft Dtjes’s stellt sich dar in einer Fülle von lebendigen Bildern, die man nicht alle miteinander verrechnen kann, die aber in der Sache auf dasselbe hinauslaufen. Man kann sie in wenigen Sätzen zusammenfassen. Der Prophet verkündet die Befreiung des Jahwevolks aus dem Exil und seine Heimkehr durch die Wüste in das Verheißungsland als ein Jahwewunder, in dem Jahwe seine rettende Schöpfermacht als der einzige Gott vor allen Völkern beweist. Er braucht dafür drei irdische Agenten: den erwählten, im Mutterleib erschaffenen und berufenen prophetischen Gottesknecht, der das verzagte und ungläubige Israel zum Glauben und auf den Weg bringt, als seinen „aktiven Zeugen“, den erwählten, im Mutterleib erschaffenen und berufenen Gottesknecht Jakob / Israel, der sich daraufhin auf den Weg macht und die Wunder an sich geschehen lässt, als den (zunächst) „passiven Zeugen“, und den von Jahwe berufenen und erschaffenen Kyros als seinen „Hirten“ und „Gesalbten“, den er „erweckt“ hat zur kriegerischen Eroberung des Weltreichs Babylon und so zur Befreiung des exilierten Jahwevolks. Mit den ähnlichen Prädikaten werden alle drei als königliche Gestalten gezeichnet. Der Siegeszug des Kyros dient zugleich als Exempel, an dem Jahwe seine Einzigkeit als Gott erweist, weil er ihn durch sein Schöpferwort bewirkt, das er zuvor durch seinen prophetischen Knecht in die Welt gegeben hat. Am Ende wird Jahwe von Jerusalem aus als König Israels und als König der Welt herrschen, und alle Völker werden sich zu ihm als dem allein rettenden Gott bekennen: So verkündet der Prophet in der Summe seiner Botschaft ein eschatologisches Geschehen.

Das vierte Gottesknechtslied nach dem Tod des Propheten geht darüber hinaus, indem es das ganze Geschehen durch Leiden und Tod des prophetischen Knechts und durch das Wunder Jahwes an seinem gestorbenen Knecht initiiert sieht (Gottesknecht).

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Geschichte Israels

Die nach heutiger Zählung 39 hebräisch bzw. aramäisch verfassten Bücher gliedern sich in der Anordnung der hebräischen Bibel in drei große Gruppen: Tora („Weisung“; Pentateuch), Neviim („Propheten“) und Ketuvim („Schriften“). Deswegen wird im Judentum die Bibel, die wir christlicherseits „Altes Testament“ nennen, mit dem aus den Anfangsbuchstaben der drei Gruppen zusammengesetzten Kunstwort als „TaNaK“ (gesprochen: TaNaCh) bezeichnet. [...]

Insgesamt aber dürfte der TaNaK um 100 n. Chr. abgeschlossen und allgemein akzeptiert gewesen sein. Ab diesem späten Zeitpunkt ist die textgestaltende Arbeit beendet. [...]

It was based on four different sources: J = Yahwist around 950 BC; E = Elohist around 800 BC; D = (Pre-)Deuteronomi-um in the 7th century BC and P = Priestly Writer around 550 BC.

[„Münsteraner Pentateuchmodell“]: Eine zentrale Veränderung gegenüber der älteren Theoriebildung ist, dass die ersten schriftlichen Überlieferungen ca. 100 bis 200 Jahre später (statt ins 10. Jh. in das 8. / 7. Jh. v. Chr.) datiert werden. Nach den ersten größeren, schriftlich fixierten Erzählzusammen-hängen im 7. Jh. sieht das Münsteraner Pentateuchmodell in der exilisch-nachexilischen und persischen Zeit (6.–4. Jh.) die entscheidende Formationsphase für den Pentateuch. [...]

Nur auf den ersten Blick scheint es, als wolle die biblische Überlieferung einen Geschichtsverlauf erzählen; schaut man genauer hin, wird deutlich, dass es sich bei der biblischen Überlieferung um einen theologischen Lehr- und Reflexionsraum handelt, der das Erzählen als Modus sowie das gelebte Leben und die erfahrene Geschichte als Ort für orientierende theologische Reflexion wählt.[...]

Der oberste Priester ist der König. An den Kultstätten und dem Königshof ist Personal angestellt (Priester, Propheten etc.), das für seine Dienste entlohnt wird. Es steht dem König in theologischen wie politischen Fragen als Berater zur Seite, so z.B. in (kriegerischen) Entscheidungssituationen (vgl. 1 Kön 22; 2 Kön 3).


Das deuteronomische Gesetz gliedert sich, wie etwa der Codex Hammurapi, in Prolog (Dtn 5−11), Gesetzeskorpus (Dtn 12−26) und Epilog mit Segen und Fluch (Dtn 28).[...]

Zudem wurde der Charakter des Gesetzes insofern verändert, als dass das Gesetz in Form eines assyrischen Vasallenvertrags gestaltet ist. Man kann zeigen, dass der Kern des Segen- und Fluchkapitels in Dtn 28,20−44 literarisch aus den Thronnachfolgevereidigungen Asarhaddons (VTE § 56; 38A−42; 63−65) übernommen worden ist.[...]

Dabei sind die assyrischen Verträge nicht einfach imitiert, sondern sie sind im eigenen Kontext theologisch neu gedeutet worden: Anders als in den assyrischen Vasallenverträgen sind nun nicht der assyrische König bzw. assyrische Gottheiten die Vertragsgeber, sondern JHWH ist der Gesetzgeber und schließt mit dem Volk Israel einen beidseitigen Vertrag („Bund“).


Juda im 10. Jh. v. Chr.

Unter dem Königreich Juda muss man sich eine abgeschieden liegende Bergregion im Hinterland vorstellen, wo eine kleinräumige, agrarische Gesellschaft von Bauern und Kleinviehzüchtern in Subsistenzwirtschaft in Dörfern und Clans organisiert lebte. Weder aus dem 10. noch aus dem 9. Jh. v. Chr. sind aus Juda materielle Zeugnisse erhalten, die für einen zentral regierten, territorial organisierten Staat sprechen würden. Archäologische Forschungen der letzten Jahre haben zu einer neuen Einschätzung geführt, die das biblische Bild von einem zentral regierten Flächenstaat unter David und Salomo im 11./10. Jh. v. Chr. revidiert. Wie groß das Gebiet von Juda tatsächlich war, ist umstritten. Jerusalem war in dieser Zeit ein kleines Dorf ohne monumentale Architektur und Schriftlichkeit. Grabungen zeigen, dass das früheisenzeitliche Jerusalem nach einer Besiedlungslücke wohl nur eine bescheidene dörfliche Siedlung von 1 ha und ca. 200 Einwohnern war.[...]

Damit ist Jerusalem im 10. Jh. v. Chr. ein typisches judäisches Bergdorf – nicht wesentlich größer oder kleiner als andere auch. Sicherlich hatte dieses Dorf nicht die beherrschende Stellung einer Hauptstadt und eines zentralen Verwaltungssitzes inne. Die in den Königsbüchern erzählte Fortführung der Dynastie mit Rehabeam ist historisch kaum zu belegen. Es könnte sein, dass es sich auch bei Rehabeam um eine Figur handelt, die aus späterer judäischer Perspektive dazu dient, Kontinuitäten narrativ zu konstruieren. Der Feldzug des ägyptischen Pharaos Schoschenk I. (945−924 v. Chr.; biblischer Name: Schischak) in Palästina, den man traditionell um 926 v. Chr. ansetzt, erzählt von der Plünderung des Tempels und des Palastes (vgl. 1 Kön 14,25–26). Ägyptische Quellen über diesen Feldzug hingegen sparen Juda und Jerusalem aus. Die Befunde deuten darauf hin, dass Juda und die Region insgesamt unter ägyptischer Vorherrschaft stand.


Zwischen der ersten außerbiblischen Erwähnung von „Israel“ auf der Merenptah-Stele (1209 v. Chr.) und den nächsten, bei denen „Ahab von Israel“ auf einer Inschrift des assyrischen Königs Salmanassar (853) und wenig später „Jehu, der Sohn des Omri“ auf der Stele des moabitischen Königs Mescha (um 840) genannt werden, klafft eine Lücke von 350 Jahren. Allerdings findet sich auf der 1993 gefundenen, um 835 in aramäischer Sprache verfassten Inschrift von Tel Dan die Notiz, dass der König Hasaël (ca. 843−803) den König von Israel und einen König aus dem „Haus Davids“ getötet habe. Dies ist die einzige außerbiblische Quelle, die – über 100 Jahre nach David – die Existenz eines „Hauses Davids“ belegt. Da Herrscherhäuser nach dem Dynastiegründer benannt werden, erscheint angesichts dieses Fundes die Position plausibel, dass es sich bei David um eine historische Person handelt, auch wenn es hierfür keinen weiteren außerbiblischen Beleg gibt.

Angesichts der archäologischen Befunde ist davon auszugehen, dass es unter David keinen entwickelten Flächenstaat mit zentraler Verwaltung gegeben hat. „Wenn das Königtum als organisierte Staatlichkeit erst im 9. Jh. v. Chr. entsteht und es weder ein vereintes Königreich noch eine Reichsteilung gegeben hat, ist Israel die Bezeichnung des Staates im 9. Jh. v. Chr. und steht in keiner Verbindung zu dem Lokalherrscher David, wann immer (10. oder 9. Jh. v. Chr.) dieser anzusetzen ist.“

Ein wichtiges Argument in der Diskussion um die Gestalt der salomonischen Herrschaft sind die Baumaßnahmen in Jerusalem, Megiddo, Gezer und Hazor, die in 1 Kön 5,6.27–32; 9,15−19 Salomo zugeschrieben werden. [...] Durch archäologische Ausgrabungen in Megiddo und anderen Städten ist allerdings mittlerweile deutlich geworden, dass die gefundenen Anlagen, wie z.B. Lagerhallen, Stallungen und Toranlagen, nicht, wie lange vermutet, in die Zeit Salomos, sondern sehr viel später zu datieren sind und somit nicht mit den (angeblich) von Salomo initiierten Baumaßnahmen in Verbindung gebracht werden können.

In den Erzählungen ist Jerusalem eine nicht unwichtige Stadt mit einem ambitionierten Königtum, mit Palastanlagen, zentraler Verwaltung und in-ternationalen Kontakten. Diesen Status hat Jerusalem jedoch erst im 7. Jh. v. Chr. erreicht. In der Textwelt tritt sie den Leserinnen und Lesern aber bereits als solche unter David und Salomo entgegen.


Die Erzelternerzählungen erzählen von den drei bzw. vier Generationen der Familie von Abraham und Sara (Gen 12,1−23,20), Isaak und Rebekka (Gen 24,1−28,9), Jakob mit Lea und Rahel und seinen zwölf Söhnen (Gen 28,10−35,20). Die Familie stamme ursprünglich aus Ur in Chaldäa in Babylonien und sei noch unter dem Vater Terach nach Haran in Syrien ausgewandert (Gen 11,31). Von dort seien Abraham und Sara auf Gottes Geheiß nach Kanaan gezogen (Gen 12,1−3). Von nun an werden die Wanderungen der Familie von Abraham und Sara im syro-palästinischen Raum erzählt.[...] Erst in den Königsbüchern finden sich Zeitangaben, die eine innertextliche (!) Rekonstruktion der Zeitangaben ermöglichen. Demnach müssten Abraham und Sara um 2300 bis 2200 v. Chr. gelebt haben.
[Es] ist bei den erzählten Wanderwegen der Erzeltern keine realistische Route zu erkennen. Mitunter werden Tausende von Kilometern zurückgelegt, ohne dass hierfür ein Grund ersichtlich ist (vgl. Gen 12,9−10; 13,1.17; 18,1; 20,1; 22,19). Das lässt weder auf reale (Völker-)Wanderungen schließen, noch sich aus einer (halb-)nomadischen Existenz ableiten.
In den Erzelternerzählungen werden Orte genannt, deren Besiedlungsgeschichte archäologisch erforscht wurde, so z.B. „Ur in Chaldäa“. In Ur, einem alten Ort in Südmesopotamien, lebten erst seit dem 8. Jh. v. Chr. Aramäisch sprechende Chaldäer. Würde es sich bei dem Hinweis, dass Terach und seine Sippe aus „Ur in Chaldäa“ stammen und von dort weggezogen sind (Gen 11,31), um eine „historische“ Notiz handeln, könnten Terach und Abraham frühestens im 8. Jh. v. Chr. aus Ur in Chaldäa aufgebrochen sein. Nach der biblischen Erzählung wären Abraham und Sara dann erst in der mittleren Königszeit in Israel angekommen, zumal sie laut Gen 11,31 zuvor noch für längere Zeit in Haran gewohnt haben. Ein anderes Beispiel ist der Ort „Gerar im Philisterland“ (Gen 20,1.2; 21,32; 26,1.6.17.20.26), der in den Abrahamerzählungen eine wichtige Rolle spielt. Ausgrabungen haben ergeben, dass Gerar ein bedeutender Ort war – allerdings nur in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends und dann im späten 8. und 7. Jh. v. Chr. Die (indogermanischen) Philister jedoch haben die kanaanäische Küste um 1200 v. Chr. erreicht (Gen 10,14; 21,32 u.ö.), zu einem Zeitpunkt, als Gerar keine Besiedlung aufweist.
[…]

In den Erzählungen um Abraham (Gen 12,16) und besonders in den Erzählungen um Rebekka und Isaak werden häufig Kamele erwähnt. Das einhöckrige Kamel oder Dromedar als domestiziertes Last- und Jagdtier ist in Palästina erst nach 1000 v. Chr. über die Midianiter (= Ismaeliter) bekannt geworden (Ri 8,24−26). In den Erzelternerzählungen ist das Kamel ein Statussymbol, um den Reichtum Jakobs (vgl. Gen 30,43; 32,8.16) und des Pharaos (Gen 12,16) zu veranschaulichen. Dass der Pharao Kamele besessen habe, darf aber als unwahrscheinlich gelten, da Kamele weder in ägyptischen Texten noch auf Bildern nachzuweisen sind; zudem gibt es kein ägyptisches Schriftzeichen für „Kamel“. Auch wenn das Kamel bereits um 1000 bekannt war, wurde es als wüstentaugliches Transportmittel jedoch erst intensiv im 8. bis 7. Jh. v. Chr. im assyrischen Reich verwendet. Denn das Kamel ist das einzige Tier, das lange Wüstenstrecken ohne Wasser- und Nahrungsaufnahme durchhalten kann. Damit war das Kamel die Voraussetzung für den weltweiten Handel mit Luxusgütern (z.B. seltenen Gewürzen, Edelsteinen oder Harzen / Weihrauch) aus Südarabien. Von diesem Handel wird aber bereits in den Erzelternerzählungen z.B. in Gen 37,25 berichtet. Der wirtschaftlich lukrative Karawanenhandel kann sich aber wegen des noch nicht domestizierten Kamels nicht in der „Zeit Abrahams“, sondern erst im assyrischen Reich entwickelt haben. Die Kamele und Kamelkarawanen der Erzelternerzählungen müssen somit aus viel späterer Zeit stammen. [...]

Diese Beispiele zeigen, dass die Erzelternerzählungen nicht im 3. oder 2. Jt. v. Chr. spielen können, sondern Erzählungen sind, die über viele Jahrhunderte gewachsen sind und die unterschiedliche Zwecke und Funktionen erfüllen. [...]
So wird z.B. erzählt, dass Abraham Altäre in Bet-El und Sichem (Gen 12,7−8), aber auch in Hebron (Gen 13,18) errichtete. Damit werden bedeutende Kultzentren des Nordreichs und das alte Zentrum des Südens zusammengebunden und eine Brücke zwischen Nord und Süd geschlagen.
Somit werden die einzelnen, ursprünglich ortsgebundenen Sagen zu einer gemeinsamen Geschichte und die Erzeltern werden als eine Familie zu den gemeinsamen Vorfahren des gesamten Volkes.
In der in exilisch-nachexilischer Zeit (2. Hälfte des 6. Jhs. v. Chr.) entstandenen Priesterschrift und in dem Großen Nachexilischen Geschichtswerk (Gen 1,1−2 Kön 25*) haben die Erzeltern – und gerade Abraham – eine wichtige Funktion: Der übergreifende Erzählbogen, der von den Anfängen der Schöpfung bis zum Untergang des Königtums reicht (Gen 2,4−2 Kön 25*), setzt – nicht zufällig – mit den Erzählungen um Abraham und Sara und der großen Wanderbewegung ein, die die Erzeltern auf Gottes Geheiß aus Ur in Chaldäa nach Haran in Nordmesopotamien (Gen 11,27−32) und anschließend von dort in ein ihnen unbekanntes, aber von Gott versprochenes Land führt. Diese Wanderbewegung schildert den Weg, zu dem die Exilierten im 6. Jh. v. Chr. aufgefordert worden sind: den Weg aus Babylonien (= Ur in Chaldäa) in das ihnen unbekannte Land, das sie, die sie in der zweiten oder dritten Generation in Babylon bzw. in Persien leben, nicht kennen oder das ihnen fremd geworden ist. So spiegelt die Textwelt der Erzelternerzählungen (Gen 12) das babylonische bzw. persische Weltreich wider: Abrahams Ursprung liegt in Ur, in Babylonien!
[…]
Dass Abraham und Sara trotz aller widrigen und unwahrscheinlichen Umstände doch noch einen Sohn, den Verheißungsträger (!), bekommen haben, war eine Botschaft der Hoffnung in der Gegenwart des Exils.
Bei den Erzeltern geht es nicht um eine „Es-war-einmal“-Welt, sondern um die politischen, theologischen, persönlichen Fragen, die die Menschen zutiefst beschäftigt haben. Mit den Erzelternerzählungen sind Geschichten am Anfang situiert worden, die zu erzählen scheinen, „wie es war“, die aber eigentlich erzählen wollen, wie es weitergehen könnte.


Das Buch Exodus erzählt den Auszug aus Ägypten und den Weg durch die Wüste bis zum Sinai, das Buch Numeri den Weg vom Sinai durch die Wüste nach Moab bis an die Grenze des verheißenen Landes. In der Mitte der Tora steht das Buch Levitikus, das am Sinai spielt, und in dem Weisungen erteilt werden, die für das Leben Israels im Land konstitutiv sein sollen. Anders formuliert: Der Aufenthalt am Sinai mit Bundesschluss und Gabe der Tora (Ex 19,1−Num 10,10) wird durch die Schilderungen der Wüstenwanderung (Ex 15,22−18,27 und Num 10,11−20,29) gerahmt und durch den Aufenthalt im Ostjordanland (Num 21−36) und die Erzählung über den Todestag des Mose (Dtn) abgeschlossen. [...]

Der Exodus – so wie die Bibel ihn schildert – ist nicht historisch. Die wichtigsten Gründe für diese aus historischer Perspektive eindeutige Aussage sind: (a) Die biblische Chronologie, die den Exodus 480 Jahre vor den Tempelbau datiert und damit um 1440 v. Chr. unter Pharao Thutmosis III. (1479−1425 v. Chr.) datiert, ist konstruiert und widerspricht gleichzeitig der Beteiligung der Israeliten am Bau der Ramses-stadt unter Ramses II. (1279−1213 v. Chr.). (b) Die in der Exoduserzählung berichteten Routen des Auszugs widersprechen sich. (c) Die Bibel geht in Ex 12,37; Num 11,21 von 600.000 Personen aus, in Num 1,46; 2,32 sogar von 603.550 wehrfähigen erwachsenen Männern.
Eine solche Gruppe kann unmöglich in der Wüste überleben, dazu reichen die Wasservorkommen der natürlichen Quellen nicht aus. Abgesehen davon finden sich auf der Sinaihalbinsel keine archäologischen Spuren einer 40-jährigen Massenbewegung in der SB-Zeit [= Spätbronzezeit, B.S.]. (d) Die Oase Kadesch (‘ğn el-Quudğrat), in der sich Israel mehrfach und längere Zeit aufgehalten haben soll (Num 13,26; 20,1; Dtn 1,46 u.ö.), ist in der SB- bis zur EisenIIB-Zeit im 8. Jh. v. Chr. nachweislich nicht besiedelt. Vergleichbares gilt für Arad (Num 21,1), das ostjordanische Heschbon (Num 21,25f.) oder die Hafenstadt Ezjon-Geber (Num 33,35f.). (e) Für die Zeit der 19.−21. Dynastie sind in Ägypten weder eine Massenflucht noch eine Massenvertreibung von Semiten nachweisbar. Ägyptische Quellen schweigen sich über den Exodus vollständig aus. Da auch keiner der biblischen Belege zeitgenössisch ist und deren Quellenwert zudem begrenzt bleibt, ist der historische Nachweis eines Exodus aussichtslos.

Christian Frevel, Geschichte Israels

[...]Zudem gibt es in ägyptischen und anderen Quellen keine Hinweise für einen Aufenthalt „Israels“ in Ägypten.
[…]
Daher lautet die Frage: Wer hat wann aus welchem Anlass und zu welchem Zweck von einem „Exodus“ erzählt? Interessanterweise finden sich die wahrscheinlich ältesten literarischen Belege nicht im Buch Exodus, sondern im Zwölfpropheten-buch und zudem in Israel (Hos 8,11−13; 9,3−4; 11,1−6; 12,8−14 vgl. Am 2,10; 3,1, 9,7). Dabei wird vorausgesetzt, dass sich die Zuhörer und Leser etwas unter der Chiffre „Ägypten“ vorstellen können. Zugleich fällt auf, dass in diesen Texten „Ägypten“ oftmals in Parallele zu „Assur“ steht. Daraus ist zu schließen, dass nicht Erfahrungen aus Ägypten, sondern solche aus der Zeit Hoseas mit den Assyrern und der imperialen Politik von Sargon II. (722−705), Sanherib (705−681) und Asarhaddon (681−669) Anstoß und Motor waren.
Die Erzählung über die Kindheit von Mose nimmt ein altes, literarisches Vorbild auf, das in der Zeit des 7. Jhs. v. Chr. neu belebt worden war: König Sargon I. von Akkad (um 2340−2284 v. Chr., auf akkadisch: šarru-k̅ en = „der König ist legitim“) war unbekannter, nichtdynastischer Herkunft, die durch eine Legende legitimiert wurde. Diese erzählt, dass er als Säugling in einem Binsen-körbchen ausgesetzt worden sei. Viele Jahrhunderte später ist diese Legende von Sargon II. (722−705) zu seiner eigenen Legitimierung aufgegriffen worden und scheint von dort in die Kindheitsgeschichte des Mose übernommen worden zu sein. [...]
Die Bundesvorstellung, die sich im Kontext der Auszugsüberlieferungen findet, ist entscheidend von assyrischen Vasallenverträgen (= „Bund“) geprägt, mit denen die Assyrer das Verhältnis zu ihren Vasallen definiert haben. Dieser „Bund“ ist ein Vertrag, in dem die Assyrer die Aufgaben, Abgaben und Pflichten festlegen und durch Treueeid den Gehorsam ihrer Unterworfenen verlangen.
Diese Verträge sind in den biblischen Texten mit umgekehrtem Vorzeichen gerade in der deuteronomistischen Literatur rezipiert worden, indem das Buch Deuteronomium in seinen frühen Fassungen einen Gegenvertrag zu seinen assyrischen Vorbildern entwirft. Der assyrische Loyalitätseid ist in der deuteronomistischen Literatur natürlich nicht auf den assyrischen König, sondern auf JHWH bezogen (vgl. Dtn 13*; 28*) – ihm allein ist Israel treu! Dass diese subversive Gegenlektüre im Kontext der Exodusüberlieferung, der Erzählung von der Befreiung aus Unfreiheit und Versklavung, angesiedelt ist, spricht für sich.

Im babylonischen Exil und in persischer Zeit werden die Exodusüberlieferungen neu erzählt. Nun dienen die Exoduserzählungen dazu aufzufordern, aus dem Leben im babylonischen bzw. persischen Reich aufzubrechen und auszuziehen, um im eigenen Land leben zu können. Dass der Ort dieses Narrativs nicht das Ägypten des 13. Jhs. v. Chr. ist, sondern vielmehr die Situation des Exils, ist bei Deutero-jesaja (Jesaja II) zu erkennen. Hier wird die Möglichkeit, aus dem Exil in das versprochene Land zurückzukehren, als Exodus beschrieben (Jes 48,20−21; 52,11; 55,12). [...]
Damit sind die Exodusüberlieferungen erzählerische Verdichtungen geschichtlicher Erfahrungen – nicht unbedingt von einer historisch fixierbaren Versklavung in Ägypten, sondern von „Ägypten“, d.h. von Erfahrungen der Fremdherrschaft, Ausbeutung und Unfreiheit etwa durch die Assyrer, die Babylonier etc.

Aus Geschichte Israels, Barbara Schmitz

Veröffentlicht in Überlegungen

Geschichte und Politik

Um die heutige Politik mach ich einen großen Bogen, es ist immer noch authoritäre Bevormundung und ein echter Dialog findet ohnehin nicht statt. In einer Demokratie wäre jeder Politiker, aber wenn Menschen tagein tagaus keine Zeit haben weil sie ihr Leben mit repetitiver Arbeit zubringen müssen von der sie selbst überhaupt nichts haben, für Leute die sie nicht einmal kennen bloß um immer wieder die selbe Betonkiste und den selben Vergaser zu bezahlen bleibt ihnen einfach keine Zeit und Kraft um selbst eingehend aktuelle Themen zu studieren und eigene Meinungen und Aussagen zu erlangen. Mangels eigener Einsichten bleibt nur eine der vorgefertigten Meinungen zu adaptieren, zwischen Rot, Blau oder Schwarz zu wählen.
Menschen werden absolut nicht zur Emanzipation erzogen, man könnte von klein auf alle 2-3 Wochen Teilnahme an politischen Debatten fördern, sie aktiv in der Politik miteinbeziehen und dazu entsprechend von Arbeit und Verpflichtungen freistellen, so würden politisch gebildete Menschen erzogen, aber in Wirklichkeit will man das überhaupt nicht.
Mit 6 Jahren werden Kinder in ein Zuchthaus gesteckt wo es heißt sitz still und schweig, in Schule und Ausbildung ist es vollkommen irrelevant was richtig ist, es geht einzig darum zu sagen was sie hören wollen, es geht um Gehorsam. Es wird einem beigebracht, dass man nichtkann, es wird einem nicht beigebracht man könne mit Leichtigkeit fremde Sprachen lernen, sondern dass es langwierig und schwierig ist, dass man es nur durch teure Lehrer und Zertifikate kann und es kurzum am besten lasst und arbeiten geht.
Jedes Kind würde mit allerhöchster Freude freiwillig Mathematik studieren und geniale Roboter, Vehikel oder schlaue Häuser konstruieren weil es ein Vergnügen ist wenn man nicht "Fehlleistungen" diagnostiziert bekommt, abgestraft wird wenn man nicht "gut genug" leistet, aber das sind die wirklichen wertvollen Dinge im Leben und werden jedem von klein an genommen. Möchte man ein eigenes Vehikel oder Haus konstruieren? Keine Genehmigung.
Es stellt sich niemand freiwillig tagein tagaus an die Straße und verkauft Döner, die Menschen werden als Kinder gebrochen und diese Formen gepresst, denn dieses System braucht Putzfrauen und Mechaniker. In Wirklichkeit braucht es die nicht, wir können fast alle mühselige Arbeiten automatisieren und abschaffen, aber man will es nicht. Müssten die Leute ihren Mist selbst wegräumen, selbst putzen, anstatt andere dafür zu bezahlen, dann würden sie mit Sicherheit weniger Dreck machen, es sich besser überlegen was es tatsächlich wert ist. Es müsste niemand bei McDonalds Burger braten wenn man da hingehen kann und sich das selbst machen. Ford hat das Förderband und die automatisierte Fabrik entwickelt und so die Massenproduktion, wir wollten diese Maschinen entwickeln damit sie uns die Arbeit abnehmen, aber diesen Vorteil behält der Fabriksbesitzer, der Kapitalist, der Konzern ein, das ist ihr Profit. Da es nun nichtmehr wirklich notwendig ist dass jeder sein Leben mit Arbeit zubringt (und tatsächlich nie war) werden Milliarden in sinnlosen Kriegen wortwörtlich verbrannt denn für dieses Geld das die Nationalbanken drucken bürgt der Bürger und muss dafür arbeiten.
Es würde aber auch niemand in seiner freien Zeit tagtäglich Ekzeme untersuchen oder Gutachten verfassen, der Arzt, der Anwalt ist in Wirklichkeit kein Stück schlauer als der Tankwart und muss alles kaufen weil er von nichts eine Ahnung hat, er ist noch nichtmal ein Arzt, sondern nur ein HNO, ganz besonders von der Politik hat er keine Ahnung, das können nur echte Politiker, so muss er andere für sich entscheiden lassen, muss sich regieren lassen.
Da hat man dann noch nicht einmal den Marx geschafft und der liegt 160 Jahre zurück. Warum der Marxismus nicht funktioniert? Weil jene die vom bestehenden System profitieren nicht wollen, dass sich der Arbeiter erhebt, von seinen Ketten befreit und sein Kapital und seine Rechte in die eigene Hand nimmt. Das Paradies ist möglich, da kommen wir her, dann vergessen wir allerdings all die negativen Dinge, die Probleme und Schwierigkeiten des Lebens und öffnen ihnen Tür und Tor, der Marxismus ist keine Wunderlösung und so auch keine Utopie.

Als im Zuge der französischen Revolution Seine Hochwohlgeboren der König von Frankreich Louis XVI vor dem Tribunal nur noch "citoyen Capet" war, ein Bürger, bedeudete das, dass sich selbst der allerhöchste Adel plötzlich mit Bürgerrechten und Gedankengut auseinandersetzen musste. Die adligen Dynastien lassen sich nicht in das kleinbürgerliche Bild vom Nationalstaat pressen, sie definierten sich durch ihre weitverzweigten Verwandschaften an den internationalen Höfen. Was mit der Revolution geschah versetzte der Aristokratie ganz Europas einen Schlag, es war klar, dass das Hl. Röm. Reich dt. Nat. nicht verschont bleiben würde und so kam man dem zuvor indem man den Niemand, das unbeschriebene Blatt aus Korsika kurzerhand über alle Klassen hinweg zum Kaiser machte und das HRR erlosch, unter Fanfaren ritt er in Paris ein und beendete die Revolution und überzog Europa mit Kriegen um die bevorstehenden Veränderungen im Keim zu ersticken und war damit nicht gänzlich ohne Erfolg.

[...] mit der Unterjochung der Arbeiterklasse, welche Februar und März gemacht hatte, gleichzeitig ihre Gegner besiegt wurden – die Bourgeoisrepublikaner in Frankreich, die den feudalen Absolutismus bekämpfenden Bürger- und Bauernklassen auf dem gesamten europäischen Kontinent; daß der Sieg der honetten Republik in Frankreich gleichzeitig der Fall der Nationen war, die auf die Februarrevolution mit heroischen Unabhängigkeitskriegen geantwortet hatten; daß endlich Europa mit der Besiegung der revolutionären Arbeiter in seine alte Doppelsklaverei zurückfiel. In die englisch-russische Sklaverei. Der Junikampf zu Paris, der Fall Wiens, die Tragikomödie des Berliner NovembersA1, die verzweifelten Anstrengungen Polens, Italiens und Ungarns, Irlands Aushungerung – das waren die Hauptmomente, in denen sich der europäische Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse zusammenfaßte, an denen wir nachwiesen, daß jede revolutionäre Erhebung, mag ihr Ziel noch so fernliegend dem Klassenkampf scheinen, scheitern muß, bis die revolutionäre Arbeiterklasse siegt, daß jede soziale Reform eine Utopie bleibt, bis die proletarische Revolution und die feudalistische Kontrerevolution sich in einem Weltkriegmit den Waffen messen. In unserer Darstellung, wie in der Wirklichkeit, waren Belgien und die Schweiz tragikomische karikaturmäßige Genrebilder in dem großen historischen Tableau, das eine der Musterstaat der bürgerlichen Monarchie, das andere der Musterstaat der bürgerlichen Republik, beides Staaten, die sich einbilden, ebenso unabhängig von dem Klassenkampf zu sein wie von der europäischen Revolution.

Friedrich Engels

Mit Kriegen lässt sich die eigene Bevölkerung noch viel besser unterdrücken und kontrollieren als Fremde, Krieg ist immer der selbe Klassenkampf und so ist klar dass es sich bei den beiden letzten großen Kriegen um nichts anderes handelte.
Kaiser Wilhem wollte die Novemberrevolution 1918 durch einen Marsch auf Berlin wie Napoleon beenden, was ihn davon abhielt war die äußert blutige Absetzung der Zaren durch die russischen Revolutionäre. Dass er sich nun auf seine Villa in Doorn zurückzog wurde ihm vom alten Adel als Fahnenflucht und Desertation nie vergeben, man warf ihm vor er hätte besser heldenhaft für das Kaiserreich sterben sollen. Den niederen Adel traf es nach 1918 besonder schwer, viele mussten nun als Tankwarte oder Sektetärinnen arbeiten oder waren gar auf Spenden der DAG angewiesen und waren entsprechend wütend auf die Niederlage und besonders die Republik, sie radikalisierten sich nach völkisch rechts.
Der hohe Adel musste zwar auch Verluste in Kauf nehmen, war aber weiterhin von enormen Reichtum und Besitzungen, ihnen war die Republik natürlich nicht minder verhasst, allerdings konnten sie den Kampf auf ganz anderem Niveau austragen, sie konnten auch ohne Anflüge von Hetze wie "nordischer Rasse" Anwalts- und Doktorengremien zu Felde führen die etwa die Auflösung der Fideikommisse aufzuhalten wussten und waren natürlich in allen wichtigen Positionen der Republik und des Dritten Römisch-Deutschen Reichs bestens vertreten, Hindenburgs Familie konnte mit Sicherheit sorgenfrei leben.

Ein paar eindrückliche Stellen aus Stephan Malinowskis Dissertation/Buch von 2003 Vom König zum Führer:

Etwa sechs Wochen nach dem Tag von Potsdam empfing Hitler den kaisertreuen Friedrich v. Berg, den gestürzten DAG-Adelsmarschall. Nach den Informationen, die der anwesende Reichswehrminister Werner v. Blomberg an den „Hausminister“ des Exilkaisers weitergab, hatte Hitler vage, jedoch weitgehende Versprechungen gemacht: „Als Abschluß seiner Arbeit sehe [Hitler] die Monarchie“, hieß es im Gesprächsprotokoll. In Frage käme allerdings allein die Hohenzollernmonarchie, eine Restauration der Throne in den Bundesstaaten sei abzulehnen. Der Zeitpunkt der Restauration sei allerdings noch nicht gekommen und die Monarchie nur als Ergebnis eines siegreichen Krieges denkbar.

Generalleutnant a. D. August v. Cramon hatte im Oktober 1933 eine an den Reichspräsidenten gerichtete Denkschrift verfaßt, in der die Wiedereinsetzung Wilhelms II. in seine königlichen Rechte, gewissermaßen als Geschenk zu seinem 75. Geburtstag im Januar 1934 vorgeschlagen wurde. Zur „Erbweisheit des Geschlechts“ kämen nunmehr Weisheit und Würde des Alters hinzu. Der „Führergedanke“ müsse zwangsläufig „im unsterblichen Führertum, der Erbmonarchie‘“ enden und Hitler werde dabei behilflich sein: „Adolf Hitler selbst ist, soweit bekannt, Monarchist.“

Eine Rede von 1930, in der Wilhelm II. in Doorn die Inflation des Führerbegriffes beklagte:

Führer sein! Das will heutzutage jeder. Führer bieten sich allerorten an. Als Führer spielen sich viele auf [...]. Und dennoch, überall der Schrei nach Führern!

In einer sonderbaren Mischung aus christlichen und neu-rechten Motiven erneuerte Wilhelm II. seinen Führungsanspruch. Der Führergedanke sei von Gott zuerst den Sumerern „geoffenbart‘ worden. König Hammurabi habe den „Führerberuf“‘ vor 5000, seine eigenen Vorfahren vor 500 Jahren von Gott übertragen bekommen. „Allein, diesen Führern ist wiederum der Führer Jesus Christus!“ Räumlich und gedanklich fern von allen politischen Realitäten ernannte der Exilkaiser Jesus zum jenseitigen, sich selbst zum irdischen „Führer“. Die vorangestelite Passage aus dem Johannes-Evangelium, die der Ansprache den Titel gegeben hatte, bezog der Kaiser-Führer auf sich selbst: „Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viele Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Eine „mobile“ Schnittstelle entstand durch die Aktivitäten der zweiten Ehefrau Wilhelms II., Hermine Prinzessin v. Reuß, die bei ihren Deutschlandaufenthalten in den wichtigsten Zirkeln der politischen Rechten verkehrte. Offenbar nahm sie 1929, am Rande des Nürnberger Parteitages, Kontakt mit der NSDAP-Führung auf. Der Zeitpunkt ihrer ersten Begegnung mit Hitler ist unklar, gut dokumentiert ist hingegen ein Treffen mit Hitler im Salon der Baronin Tiele-Winckler im November 1931. In Anwesenheit der „Kaiserin“, Görings und der adligen Chefberater Wilhelms II. hielt Hitler einen mehrstündigen Monolog, in dem er seine Absicht darlegte, „alle Novemberverbrecher [...] öffentlich strangulieren“ zu lassen. Der Vortrag begeisterte Gastgeberin und Gäste gleichermaßen, die Ehefrau des Kaisers äußerte sich positiv über den „sympathisch[en]“ Hitler, „auch über seinen guten und geraden Gesichtsausdruck und seine guten Augen und ihren Ausdruck ohne Falsch“, Erfreut über das Ergebnis des Treffens faßte Magnus v. Levetzow seine Eindrücke von Hitler in einem Brief an Fürst v. Donnersmarck zusammen: „Er war gut im Tellerchen, Donnerwetter nochmal.“

Usw, das Buch enthält eine Fülle an Quellenmaterial, siehe Bücher

Die Republik war also verhasst und so wurde wiederum ein Niemand, ein unbeschriebenes Blatt hervorgeholt sie zu beseitigen. Es musste ein Niemand sein der keine Verbindungen zu bestehenden Mächtigen Strukturen hatte denn sonst würden alte Bündnisse und Rivalitäten ein effektives Handeln unmöglich machen.
Die Republik als Feind mag eine gemeinsame Front des hohen Adels gewesen sein, aber alte Bande und Rivalitäten waren deshalb noch lange nicht vergessen:

In Übereinstimmung mit seinen westfälischen Standesgenossen bezeichnete der Abt Augustinus von Galen, ein Bruder des später berühmten Bischofs, das Monarchieproblem 1926 als eine Cura posterior und hielt die Ansprüche des Hauses Habsburg im Gegensatz zu jenen der Hohenzollern für berechtigt: ,,Was die Hohenzollern betrifft, so hatte ihr Kaisertum mit dem des alten Reiches nicht das geringste zu tun [...]. Die Hohenzoller waren daher in gar keiner Weise Rechtsnachfolger der alten Kaiser und von diesem Gesichtspunkt aus könnten sie folglich als etwa bevorzugte Bewerber um die künftige Krone absolut nicht in Frage kommen."

Gerade bei den Anhängern des realitätsfernen Reichsgedankens fand sich oftmals eine gelassene Einstellung gegenüber der Republik. Für den südwestdeutschen Adelsverein, der mit den bayerischen Verbänden freundschaftliche Beziehungen unterhielt, erklärte Attila Graf v. Neipperg einem bayerischen Standesgenossen, auch im Südwesten sei der Adel monarchistisch, aber anders als im wittelsbachertreuen Bayern. Nur teilweise gehörte die Loyalität der Standesgenossen den Häusern Württemberg und Zähringen, viele westdeutsche Adlige jedoch hätten die „Sünden“ der Fürsten aus der napoleonischen Zeit nicht vergessen. Auch der Monarchismus, den Graf Neipperg hier umriß, glich eher einer vagen Grundhaltung als einem praktikablen Programm: „Diese Leute sind ganz Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. Und bis zu einem gewissen Grad bin ich cum grano salis auch bei dieser Seite. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir zeigen und beweisen wollen, dass der Adel in der Republik notwendig ist, noch notwendiger als in der Monarchie, wo alles seinen mehr oder minder geregelten Gang ging. Aber officiell sind wir nicht monarchisch eingestellt.“

Noch in den 30ern sagte Churchill die Russen seien die größte Bedrohung für Europa, dass sich Allierte und Russen verbündeten mag deshalb vor dem Krieg undenkbar gewesen sein. Als sie sich nach dem Krieg nun ohne gemeinsamen Feind gegenüberstanden brach die alte Abneigung wieder hervor, allerdings machten die nun eingetretenen Friedensverträge ein weiteres Bekriegen unmöglich und so schwelte es stattdessen als Kalter Krieg, der bevorzugt auf dem Verliererland Deutschland (und anderen Marionetten) ausgetragen wurde: es wurde in den allierten Westen und den russischen Osten zerrissen. Wie das Ganze ausgegangen ist, ist nun bekannt: heutzutage ist hier alles Amerikanisch, amerikanische Banken und Konzerne so weit das Auge reicht. Zu den ersten Änderungen nach dem Krieg gehörten etwa Sachen wie Gebrüder Grimm als "zu deutsch" ("antisemitisch", über allen Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen hinweg kommen in Drei Märchen Juden vor, der Christ kommt hier kein Stück besser weg, im Gegenteil) aus dem Unterricht zu entfernen und dass Zeitungen und Nachrichtenagenturen ihre Konzessionen von den Besatzern anfragen mussten. So wurden Bildung und Nachrichtenwesen alliert geschalten und entsprechend ist die Geschichtsschreibung und Politik heute eine Allierte, in der der Deutsche das absolute Feindbild, der Nazi ist an dem es nichts Gutes geben kann.
Dabei hat die politische Konstellation einer nationalistischen, sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an und für sich noch überhaupt nichts mit Antisemitismus oder Diktatur zu tun. Tatsächlich ist das System der Nationalstaaten der Nationalismus, das ist die Neue Weltordnung, die neue Eliten hervorbrachte. Im internationalen Druck und Konkurrenzkampf zeigt der Nationalismus seine problematischen Facetten wie eine Tendenz zur Fremdenfeindlichkeit, denn der Staat stellt die eigenen Bürger vor alle Fremden. Der Staat ist ein Bund aus Menschen der andere, Fremde ausschließt, der höchste Bund ist heute der mit sich selbst, so neigt die Freiheit zur Individualität zum Egoismus der sich vor alle anderen stellt. Ehedem war der Bund mit Gott der allerhöchste, der Herr ist wichtiger als das eigene Leben, die Christen sind die Märtyrer, Knechte ihrer Herren, darum hat man die Religionen so bereitwillig verbreitet, Islam bedeutet wörtlich Unterwerfung, sich Allah dem Herren unterwerfen.
Das vorhin im Zitat erwähnte "unsterbliche Führertum" deutet eine wichtige Facette des Adligen Selbstverständnis an: sie sind durch ihre Blutlinie "unsterblich", solange diese fortbesteht, "der König ist tot, lang lebe der König", während es das Testament des gemeinen Volkes ist, dass ihr Leben und ihre Errungenschaften der Herr und nicht sie selbst ererben.

Die Welt der Geschichten der Heiligen Schrift begnügt sich nicht mit dem Anspruch, eine geschichtlich wahre Wirklichkeit zu sein - sie behauptet, die einzig wahre, die zur Alleinherrschaft bestimmte Welt zu sein. ... Die Geschichten der Heiligen Schrift werben nicht, wie die Homers, um unsere Gunst, sie schmeicheln uns nicht, um uns zu gefallen und zu bezaubem - sie wollen uns unterwerfen, und wenn wir es verweigern, so sind wir Rebellen". Der Glaube an den einen, sich in Israels Geschick der Welt offenbarenden Gott ist herrisch und exklusiv.

Otto Kaiser – Zwischen Athen und Jerusalem

"Das Volk des christlichen Staats ist nur ein Nichtvolk, das keinen eignen Willen mehr hat, sein wahres Dasein aber in dem Haupte besitzt, dem es untertan, welches ihm jedoch ursprünglich und seiner Natur nach fremd, d.h. von Gott gegeben und ohne sein eignes Zutun zu ihm gekommen ist." (Bruno Bauer)

Bruno Bauer, Zur Judenfrage 1843

Der einzige Mensch, der gilt, der König, ist ein von den andern Menschen spezifisch unterschiedenes, dabei selbst noch religiöses, mit dem Himmel, mit Gott direkt zusammenhängendes Wesen.

Karl Marx, Zur Judenfrage, 1844

Der christliche Staat kann seinem Wesen nach den Juden nicht emanzipieren; aber, setzt Bauer hinzu, der Jude kann seinem Wesen nach nicht emanzipiert werden. Solange der Staat christlich und der Jude jüdisch ist, sind beide ebensowenig fähig, die Emanzipation zu verleihen als zu empfangen.

Karl Marx, Zur Judenfrage, 1844

Eine Überlegung wie das alles seinen Anfang nahm:
Es handelt sich um eine internationale Vortragsreihe an der Uni Heidelberg

Ich (bin) Darius, der große König, König der Könige, König in Persien, König der Länder, des Hystaspes Sohn, des Arsames Enkel, der Achämenide. Es spricht der König Darius: Mein Vater ist Hystaspes, des Hystaspes Vater (war) Arsames, des Arsames Vater Ariaramnes, des Ariaramnes Vater Teispes, des Teispes Vater Achämenes.
Es spricht der König Darius: Deswegen werden wir Achämeniden genannt. Von alters her sind wir adlich, von alters her war unser Geschlecht königlich. Es spricht der König Darius: 8 meines Geschlechtes waren vor dem Könige. Ich bin der neunte. 9 sind wir in zwei Reihen Könige.

Behistun-Inschrift

Diese Genealogie ist besonders bedeutsam, weil Darius wie Kyrus behauptet, sein Anspruch auf den Thron beruhe auf seiner familiären Abstammung. Außerdem behauptet er wie Cyrus, dass seine Familie über einen langen Zeitraum nacheinander Könige gewesen sei. Was soll man von diesen Aussagen halten? Es gibt auffällige Abwesenheiten in dieser Genealogie, darunter Cyrus und Cambyses. Herodot erwähnt in einer Geschichte über Kambyses in Ägypten, dass Dareios ein Mitglied der Garde von Kambyses und ein "Mann ohne große Bedeutung" war (III.139-40). Herodot zufolge hatte Darius also keinen Anspruch auf den Thron, obwohl er von adliger Geburt war. David Stronach argumentiert jedoch, dass Darius' Vorfahren möglicherweise die Kontrolle über bestimmte Gebiete in Fars hatten und er somit aus einer Familie von Monarchen stammte (2003: 256).
Daher ist seine Behauptung nicht unbedingt eine Lüge. Was versucht Darius dann mit seiner Genealogie? Es gibt eindeutige Beispiele von Usurpatoren, die nicht versucht haben, einen Stammbaum zu erstellen, um ihren Anspruch auf den Thron zu begründen. Das klassische Beispiel ist der neuassyrische Herrscher Sargon II., der nie einen Stammbaum vorlegte, um seinen Anspruch auf den Thron zu belegen. Darius behauptete jedoch nicht, dass er keinen königlichen Stammbaum hatte, sondern begründete sein Recht auf den Thron mit seiner Familie. Allerdings nennt er außer den Familiennamen keine weiteren Einzelheiten. Anders als Cyrus gibt er keinen geografischen Ort für das angebliche Königreich seiner Vorfahren an.
Dareios versuchte also, mit Hilfe seiner Genealogie neu zu definieren, was es bedeutet, der rechtmäßige Monarch zu sein. Briant bemerkt: "Dareios erlangte die Macht nicht, weil er ein Achämenide (im Sinne des Clans) war, sondern weil er durch seinen Aufstieg zum Königtum die Realität dessen, was es bedeutete, 'Achämenide' zu sein, neu definieren konnte" (2002: 111).

Judah and the Judeans in the Achemenid Period – Negotiating Identity in an International Context

Es waren auch Darius und Darius II. die sich arisch und ihre Heimat das Land der Arier (Iran) nannten. Es ist menschliche Frühzeit und Wilhelm lag mit seiner zeitlichen und geographischen Einordnung über den Ursprung des Königtums womöglich nicht weit von der Wahrheit entfernt. Genesis erwähnt Nimrod als dem ersten der mächtig wurde, der erste aller Könige (in der hebräischen Wahrnehmung). Diese antiken Akteure entschieden maßgeblich den weiteren Verlauf der Geschichte und prägten die Begriffe und Strukturen die für lange Zeit vorherrschend waren, so mag sich der spätere Adel etwas über den "arischen" Ursprungs ihrer Herrscherkaste zusammengereimt haben und als Reaktion auf die neuen Wissenschaften wie der biologisch-zoologischen Vererbungslehre eine rassistische gegenübergestellt haben welche die Höherwertigkeit der eigenen Abkunft bestätigen soll. Wie sehr und wie viele davon tatsächlich überzeugt waren sei dahin gestellt, wie im Zitat vorhin erwähnt ging es auch darum "zu beweisen dass der Adel in der Republik notwendig ist", sie waren sich also des Wandels der Zeit bewusst und wollten die eigene Stellung als Elite durch eine Neudefinition als Führertum wahren, mit Programmen wie "Neuadel aus Blut und Boden" und "Dem Adel sein Recht".

Auf Blut und Boden baut der Führer sein Drittes Reich. Wir haben seit 7 Jahrhunderten um die Blutauslese gewußt und haben auf altbewährter Rasse und Kultur mit weiser Wahl unseren Blutsstrom aufgebaut und fortgeführt. [...] Alle die großen Ideale, die der Führer dem deutschen Volke gesetzt hat, sie stammen aus alt-germanischem Erbgut und nicht zuletzt aus den tiefsten Schatzkammern des deutschen Adels. So ist der deutsche Adel dem Nationalsozialismus von Grund auf wesens- und stammverwandt. Zur Zeit der roten Regierungen hieß es: herunter mit der Aristokratie, wir wollen alle Proletarier sein. Jetzt heißt es umgekehrt: Der einfache Mann aus dem Volke soll emporsteigen, und auf der Ebene einer wahren Aristokratie wollen wir alle uns wieder treffen. [...] Was die Zukunft uns bringen wird, überlassen wir Gottes Hand und der Erleuchtung des Führers. Eines aber wissen wir. Unser altes Geschlecht ist kein Fremdkörper im Dritten Reich, der morscht und zerfällt, es ist ein tragender Quader im Bau, gehärtet in Jahrhunderten. [...] Sieg Heil! Sieg Heil! Sieg Heil!

Friedrich v. Bulöw, 1935

1921 sah ein alldeutscher Baron das EDDA-Projekt als die bewußte Fortsetzung der von jeher schon vom Adel durch Pflege der Stamm und Ahnenkunde geübten [...] Auswahlzüchtung [...]. Die Einstellung des Adels auf den Auslesegedanken und die Rassezüchtung ist daher für den Adel gar kein neues, sondem eigentlich ein selbstverständliches Ziel.

Stephan Malinowski

Ich kann Möpse züchten, und ich kann Dackel züchten, aber wenn mir das Malör (sic) passiert, und ich den Korb voll junge Dackelmöpse kriege, so werden sie mit Fug und Recht ersäuft. Das ist weder antimopsisch noch antidackelig, sondern ein Ausfluß der jahrhundertealten Erfahrung, daß alle Bastarde minderwertig sind.

Börries Frhr. v. Münchhausen


Es gibt weitere interessante Paradigmenwechsel im Zuge der Neuzeit.
Man kann jemanden nur als wohlhabend bezeichnen im Vergleich zu jemanden der weniger hat, es kann nur Reiche geben, wenn es Arme gibt, sie haben zu viel, was anderswo fehlt. Die Mächtigen waren nur mächtig wenn sie über anderen standen, für Mächtige muss es Unterdrückte geben, die Formulierung dass ihre Macht vom Volk beziehen ist eben die Idee der Republik und Demokratie. Dabei stellt man fest, dass was sich ändert bloß die Einstellung der Menschen zum Gegenstand ist, dass die Politik bloß ein Instrumentensatz ist der variieren kann. In Wirklichkeit *ist* jeder Politiker und beeinflusst mit seinen Entscheidungen tagtäglich den Verlauf der Gesellschaft mit, ob das nun im politischen Apparat erkannt und gefördert wird oder nicht. So ist auch Sozialismus und Kommunismus viel mehr ein Größe als eine Entscheidung, niemand kann alleine sein Leben bestehen, jeder bezieht aus der Gesellschaft und was er mit seinem Leben tut ist was er zurück gibt, ob sich das beziffern lässt hängt vom verwendeten Wertesystem ab.

Um also von der antiken Epoche in der sich die Ansprüche auf Herrschertum durch Abstammung etablierten weiter in die Zeit des im Artikel behandelten antiken Judentums zu springen zitiere ich nochmal das Buch:

Von Rad schlug eine dreiteilige Struktur für P (Priesterschrift) vor. Er unterschied zwischen "drei mächtigen konzentrischen Kreisen . . die von außen nach innen fortschreitend in das Heilsgeheimnis Gottes einführen: der Weltkreis, der Noahkreis und der abrahamitische Kreis".

[…]

Der Kreis Abrahams umfasst "das abrahamitische Haus", bestehend aus den Arabern ("Ismael"), Israel (d. h. "Samaria") und Juda ("Jakob") sowie Edom ("Esau").

[…]

Dieser abrahamitische Kreis wird durch den abrahamitischen Bund in Genesis 17 definiert, der den teilnehmenden Bundespartnern Fruchtbarkeit, Landbesitz (was eher ein Recht auf Nutzung als auf Besitz zu bedeuten scheint) und Nähe zu Gott verspricht.
The circle of Israel narrows the focus down to the nation of God alone. It is generally concerned with the establishment of the sanctuary, which enables the sacrificial cult of Israel. This sacrificial cult alone is what allows Israel to achieve atonement. The sanctuary and the implementation of the cult seem to function as the partial restoration of  the initial creation, in the sense of a second “creation within creation.” The circle of Israel is not established by its own covenant because the foundational promise of the presence of God (“I will be your God”) was already given in Gen 17:7 (cf. Exod 6:7, 29:45–46).

[…]

Ob der Abraham des priesterlichen Schreibers sich dessen bewusst ist oder nicht, er bittet darum, dass Ismael Jhwh's Priester wird; und es ist diese Bitte, die Ismael verweigert und stattdessen dem noch nicht geborenen Isaak angeboten wird. In diesem ganzen Austausch (V. 18-21) geht es also nicht um die Frage, ob Ismael im Land Kanaan leben darf - das Recht Ismaels, in Kanaan zu leben, ist in V. 8 ein für allemal geklärt -, sondern nur darum, ob es einen weiteren Sohn braucht, d. h. eine weitere Kategorie unter Abrahams multinationalen Nachkommen. Und die Antwort auf diese Frage lautet ja. Sarahs Sohn Isaak wird jene Nachkommen Abrahams zeugen, die dazu bestimmt sind, Jhwhs priesterliches Volk zu werden.

Judean Identity abd Eucumenicity, Konrad Schmid

Ein weiteres auffälliges Merkmal des Buches Esther ist die weitgehende Abwesenheit von Gott in diesem Buch. Dies hat natürlich zu zahlreichen Spekulationen über versteckte Anspielungen, Doppeldeutigkeiten usw. Anlass gegeben. Andererseits ist es falsch, den scheinbar "säkularen" Charakter des Buches als Hinweis auf eine geringere Qualität des Buches zu betrachten. Ich denke, wenn wir uns der Esther-Geschichte mit den Bemerkungen über Gott nähern, die oben bei der Behandlung von Genesis 20 gemacht wurden, wird etwas Licht in die Angelegenheit gebracht. Der persönliche Gott der Patriarchen wurde in 1. Mose 20 in ein universelles göttliches Wesen verwandelt, zu dem Israeliten und Heiden sprechen können und an dessen universelle Gesetze sich sogar scheinbar fremde Könige halten können. Dieser Wandel von einem persönlichen zu einem universellen Gott wird in Esther noch einen Schritt weitergeführt. Da keine der Handlungen, die zu einer Gefährdung der Juden in Persien führen, ausdrücklich mit dem religiösen Faktor in Verbindung gebracht wird, ist das Fehlen eines direkten göttlichen Eingriffs vielleicht verständlich. Nur am Rande sei erwähnt, dass die offensichtliche Nichteinmischung Persiens in die religiösen Angelegenheiten seiner Untertanen Persien zu einem idealen Schauplatz für die Legitimation eines neuen Festes macht, das den üblichen Vorstellungen von biblischen Festen zu widersprechen scheint. Der Konflikt zwischen Mordechai und Haman, von dem in Esth 3,1-15 berichtet wird, wird häufig unter Bezugnahme auf Exodus 20,1-5 interpretiert. Zwar wird חוה in der Bestimmung von Exod 20,5 verwendet, aber nichts im Text von Esther deutet darauf hin, dass Haman irgendeine göttliche Eigenschaft hatte, und nur der Targum fügt diesen Aspekt hinzu, indem er angibt, dass Haman das Bildnis eines Götzen auf seiner Kleidung trug. [Das Motiv der Göttlichkeit Hamans kommt nur in Judg 3,8 vor, wo Nebukadnezar göttliche Ehren beansprucht: "Und er zerstörte alle ihre Heiligtümer und schändete ihre kultischen Haine. Er erhielt den Befehl, alle Götter der Erde auszulöschen, damit alle Völker der Erde allein Nebukadnezar dienen und alle Sprachen und Stämme ihn allein als Gott anbeten sollten"]
Trotz Mordechais Aussage, dass er ein Jude ist (Esth 4:4bβ), gibt es in der hebräischen Bibel Beispiele, in denen es vollkommen akzeptabel ist, sich vor einem anderen Mann niederzuwerfen (siehe Gen 23:7, 27:29; 1 Kön 1:31). Die Kombination der hebräischen Verben חוה und כרע ist normalerweise Gott vorbehalten (Ps 22,30; 95,6; 2 Chr 7,3), "aber wenn Götzendienst die Ursache für Mordechais Nichteinhaltung ist, schweigt der Text seltsamerweise darüber. Außerdem ist es schwer zu verstehen, warum der König befiehlt, einen Untergebenen wie einen Gott zu behandeln, wenn er es selbst nicht ist." Esth 3:4bβ (כי הגיד להם אשר הוא יהודי ) scheint eher auf Esth 3:8-15 vorauszuschauen, als dass es als angemessener Grund dafür dienen würde, warum Mordechai sich weigert, sich zu beugen.

The Absent Presence, Anselm C. Hagedorn

Die Historizität einer Geschichte nach ihrem Realitätsgrad zu beurteilen, bedeutet, Wahrheitsähnlichkeit mit Historizität zu verwechseln.

Adele Berlin

Was für uns heute Märchen und Mythen sind war für unsere Vorfahren die einzig wirkliche Realität. Zweifellos haben die Glühbirne, die Medizin, Hygiene und die Bildung den Teufel besiegt, und dennoch selbst wenn man ihn für ein Hirngespinst hält (das Tier, das Tier im Menschen ist wohl kein Hirngespinst) hatte er enormen Einfluss auf die Menschengeschichte.
Die Welt die wir durch unsere Augen sehen ist ein Bild in unserem Kopf, wir erleben unsere eigenen Sinne, unsere eigene Wahrnehmung, nicht eine äußere Welt "an sich" (Kant). Die Natur, die Tier- und die Pflanzenwelt können sich nicht an die Grenzen halten die wir auf eine Landkarte drucken weil sie nicht existieren, in der Welt gibt es weder Geschwindigkeitsvektoren noch Meter oder Minute. Es sind Konzepte des menschlichen Geists.
Die Logik ist eine Disziplin der Philosophie, die Mathematik eine Disziplin der Logik, das ist die griechische Schule und der Ursprung und Grundlage der unseren, deshalb ist es für uns klar und einfach zu verstehen wenn die alten Griechen von Kosmos und Chaos, Ordnung und Unordnung sprechen, wenn aber die jüdische Kabbala von den Sephiroth oder die Vedantas vom Brahman sprechen so ist das nicht logisch und deshalb auch nicht *richtig*, denn richtig *oder* falsch ist eine ganz spezifische logische Operation. Um also fremde und alte Kulturen zu verstehen muss man in der Lage sein sich vom eigenen Weltbild zu lösen. Wir gehen immer gerne davon aus, dass wir allen vergangenen Menschen überlegen sind, schließlich hätten wir ja alle deren Erfahrungen hinter uns, in Wirklichkeit steckt darin ein Trugschluss, niemand hat all die Erfahrungen gemacht, man verlässt in fast allem auf die Aussagen anderer. Fortschritt wird heute als Mantra gepredigt und dabei vergessen dass zu schnelles Wachstum nicht erhalten werden kann oder am anderen Ende etwas verloren geht, so sind im Laufe der Geschichte eine Menge Dinge auf der Strecke geblieben, wie etwa Naturverbundenheit. "Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen", die Technologie is sogar nur oberflächlich, viel ursächlicher und deshalb bedeutender sind die grundlegenderen, einfacheren Dinge und so sind die frühesten Fragen der Menschheit auch die am längsten währen und unsere "Überlegenheit" gegenüber unseren Vorfahren auch bloß eine die wir uns nur gerne selbst bestätigen wollen.

Veröffentlicht in Judäer im Achämenidenreich

Judäische Identität und Ökumene

Die politische Theologie der Priesterschrift (P)

[…]

Von Rad schlug eine dreiteilige Struktur für P vor. Er unterschied zwischen "drei mächtigen konzentrischen Kreisen . . die von außen nach innen fortschreitend in das Heilsgeheimnis Gottes einführen: der Weltkreis, der Noahkreis und der abrahamitische Kreis".

[…]

Der Kreis Abrahams umfasst "das abrahamitische Haus", bestehend aus den Arabern ("Ismael"), Israel (d. h. "Samaria") und Juda ("Jakob") sowie Edom ("Esau"). Mischehen innerhalb dieses Kreises sind erlaubt: Nach P. heiratet Esau - illegitim - (Gen 26,34, 27,46), zwei "hethitische Frauen" (Gen 26,34). Daraufhin erhält Jakob von seinen Eltern den Rat, eine Frau aus seiner Verwandtschaft in Paddan Aram zu heiraten (Gen 27,46; 28,1-5). Esau heiratet daraufhin eine andere Frau, eine der Töchter seines Onkels Ismael (Gen 28,6-9). Daher kann nach de Pury gefolgert werden, dass "nach P die Juden mit ismaelitischen und edomitischen Frauen heiraten dürfen, nicht aber mit 'hethitischen' oder 'kanaanitischen' Frauen". P verzeichnet darüber hinaus die Genealogie der Nachkommen Ismaels (Gen 25,12-18) sowie Esaus (Gen 36,4-14), die durch diese ethnische Nähe eine qualifizierte theologische Nähe zu Israel besitzen. Dieser abrahamitische Kreis wird durch den abrahamitischen Bund in Genesis 17 definiert, der den teilnehmenden Bundespartnern Fruchtbarkeit, Landbesitz (was eher ein Recht auf Nutzung als auf Besitz zu implizieren scheint) und Nähe zu Gott verspricht.
Der Kreis Israels verengt den Fokus auf das Volk Gottes allein. Er befasst sich im Allgemeinen mit der Errichtung des Heiligtums, das den Opferkult Israels ermöglicht. Nur dieser Opferkult ermöglicht es Israel, Sühne zu erlangen. Das Heiligtum und die Durchführung des Kultes scheinen wie eine teilweise Wiederherstellung der ursprünglichen Schöpfung zu wirken, im Sinne einer zweiten "Schöpfung in der Schöpfung". Der Kreis Israels wird nicht durch einen eigenen Bund errichtet, da die grundlegende Verheißung der Gegenwart Gottes ("Ich werde dein Gott sein") bereits in Gen 17,7 gegeben wurde (vgl. Exod 6,7; 29,45-46). Dennoch konkretisiert die Errichtung des Heiligtums die Gegenwart Gottes speziell für Israel, indem Gottes שכינה inmitten seines Volkes verortet wird (vgl. Exod 29,45-46).

[…]

Ob der Abraham des priesterlichen Schreibers sich dessen bewusst ist oder nicht, er bittet darum, dass Ismael Jhwh's Priester wird; und es ist diese Bitte, die Ismael verweigert und stattdessen dem noch nicht geborenen Isaak angeboten wird. In diesem ganzen Austausch (V. 18-21) geht es also nicht um die Frage, ob Ismael im Land Kanaan leben darf - das Recht Ismaels, in Kanaan zu leben, ist in V. 8 ein für allemal geklärt -, sondern nur darum, ob es einen weiteren Sohn braucht, d. h. eine weitere Kategorie unter Abrahams multinationalen Nachkommen. Und die Antwort auf diese Frage lautet ja. Sarahs Sohn Isaak wird jene Nachkommen Abrahams zeugen, die dazu bestimmt sind, Jhwhs priesterliches Volk zu werden.

[…]

Die Fruchtbarkeitsverheißungen, die Abraham als "Bund" und Ismael als "Segen" gegeben wurden, sind, wenn man ihre konkrete Ausgestaltung betrachtet, ganz ähnlich formuliert und erscheinen nahezu gleichwertig.
Daher ist es viel wahrscheinlicher, dass die Funktion von V. 19-21 nicht im Ausschluss Ismaels, sondern in der Einbeziehung Isaaks in den abrahamitischen Bund besteht. Die Einbeziehung Ismaels in den Bund wird in Gen 17,7-8 eindeutig festgestellt. Darüber hinaus unterstreicht dieser Abschnitt die Tatsache, dass der Bund mit Abraham und seinen Nachkommen, zu dem Ismael zweifelsohne gehört, ein "ewiger Bund" ist.
Die Notwendigkeit einer ausdrücklichen Einbeziehung Isaaks in V. 19, 21 erklärt sich aus seiner Stellung in der Erzählung, nämlich dass Isaak zur Zeit von Genesis 17 noch nicht geboren war. Dies macht das doppelte Auftauchen der "Bundes"-Terminologie in V. 19, 21 mit Bezug auf Isaak plausibel: Eine Ausdehnung des Bundes auf eine Person, die noch nicht existierte, ist ein kühnes Unterfangen und bedarf daher einer besonderen terminologischen Betonung.
Dennoch bleibt die Schlussfolgerung, dass Ismael nicht die gleiche Art von Partner im Bund Gottes ist wie Isaak. Sie sind gleichberechtigt in Bezug auf Fruchtbarkeit und Landbesitz (im Sinne von ,אחוזה Israel wird dann sein Land in Exod 6,8 als ) מור ׁ שה innerhalb der größeren Region des "ganzen Landes Kanaan" bezeichnen. Aber sie sind nicht gleich, was die Möglichkeit der kultischen Nähe angeht ("vor Gott leben", Gen 17,18b).
Diese Nähe - so zeigt die Erzählung der Priesterschrift weiter - gehört nur Israel durch die Gründung des Heiligtums und wird Ismael ausdrücklich verwehrt.

[…]

In Genesis 17 versucht die Priesterschrift offenbar, das theologische Vorrecht Israels mit der politischen Realität des Juda der persischen Zeit in Einklang zu bringen: Juda lebt in einer bescheidenen Provinz in "ökumenischer" Nähe zu seinen Nachbarn. Vielleicht hat der spezifische Umriss von Genesis 17, die Schaffung einer "abrahamitischen Ökumene", wie Albert de Pury es formuliert hat, mit der Tatsache zu tun, dass Abrahams Grab in Hebron, das höchstwahrscheinlich von Judäern, Arabern und Edomitern verehrt wurde, wahrscheinlich nicht zum achämenidischen Juda, sondern zu Idumea gehörte, wie Ernst Axel Knauf und Detlef Jericke überzeugend dargelegt haben. Das bedeutet, dass P. die Judäer, Araber und Edomiter in eine privilegierte Stellung einbeziehen musste und daher die Vorstellung eines "abrahamitischen" Bundes der im "ganzen Land Kanaan" lebenden Völker entwickelte.

Veröffentlicht in Judäer im Achämenidenreich

Was haben Priester und Könige gemein?

Während königliche Genealogien dazu dienen konnten, eine bereits etablierte Linie zu legitimieren, wie die des Cyrus, konnten sie auch neue Ansprüche begründen. Dies zeigt sich bei Dareios, der nicht in direkter Linie auf den Thron folgte. Das Behistun-Denkmal veranschaulicht dies deutlich, indem es eine sechs Generationen umfassende Abstammungslinie formuliert, die auf den gleichnamigen Gründer, Achaemenes, zurückgeht.


Ich (bin) Darius, der große König, König der Könige, König in Persien, König der Länder, des Hystaspes Sohn, des Arsames Enkel, der Achämenide. Es spricht der König Darius: Mein Vater ist Hystaspes, des Hystaspes Vater (war) Arsames, des Arsames Vater Ariaramnes, des Ariaramnes Vater Teispes, des Teispes Vater Achämenes.
Es spricht der König Darius: Deswegen werden wir Achämeniden genannt. Von alters her sind wir adlich, von alters her war unser Geschlecht königlich. Es spricht der König Darius: 8 meines Geschlechtes waren vor dem Könige. Ich bin der neunte. 9 sind wir in zwei Reihen Könige.

Behistun-Inschrift


Diese Genealogie ist besonders bedeutsam, weil Darius wie Kyrus behauptet, sein Anspruch auf den Thron beruhe auf seiner familiären Abstammung. Außerdem behauptet er wie Cyrus, dass seine Familie über einen langen Zeitraum nacheinander Könige gewesen sei. Was soll man von diesen Aussagen halten? Es gibt auffällige Abwesenheiten in dieser Genealogie, darunter Cyrus und Cambyses. Herodot erwähnt in einer Geschichte über Kambyses in Ägypten, dass Dareios ein Mitglied der Garde von Kambyses und ein "Mann ohne große Bedeutung" war (III.139-40). Herodot zufolge hatte Darius also keinen Anspruch auf den Thron, obwohl er von adliger Geburt war. David Stronach argumentiert jedoch, dass Darius' Vorfahren möglicherweise die Kontrolle über bestimmte Gebiete in Fars hatten und er somit aus einer Familie von Monarchen stammte (2003: 256).
Daher ist seine Behauptung nicht unbedingt eine Lüge. Was versucht Darius dann mit seiner Genealogie? Es gibt eindeutige Beispiele von Usurpatoren, die nicht versucht haben, einen Stammbaum zu erstellen, um ihren Anspruch auf den Thron zu begründen. Das klassische Beispiel ist der neuassyrische Herrscher Sargon II., der nie einen Stammbaum vorlegte, um seinen Anspruch auf den Thron zu belegen. Darius behauptete jedoch nicht, dass er keinen königlichen Stammbaum hatte, sondern begründete sein Recht auf den Thron mit seiner Familie. Allerdings nennt er außer den Familiennamen keine weiteren Einzelheiten. Anders als Cyrus gibt er keinen geografischen Ort für das angebliche Königreich seiner Vorfahren an.
Dareios versuchte also, mit Hilfe seiner Genealogie neu zu definieren, was es bedeutet, der rechtmäßige Monarch zu sein. Briant stellt fest: "Dareios erlangte die Macht nicht, weil er ein Achämenide (im Sinne des Clans) war, sondern weil er das Königtum erlangte, das es ihm ermöglichte, die Realität dessen, was es bedeutete, 'Achämenide' zu sein, neu zu definieren" (2002: 111). Christopher Tuplin stellt Briants Interpretation in Frage und fügt hinzu, dass Darius möglicherweise nicht absichtlich über seine Abstammung von Achamenes gelogen hat, sondern eher in "symbolischen Begriffen" spricht (2005: 230). Ob Darius seine Abstammung getreu wiedergibt oder lügt, ist unklar. Es ist jedoch offensichtlich, dass Darius durch die Verwendung seiner Genealogie im Wesentlichen den rechtmäßigen Thronanspruch von Cyrus zunichte macht, indem er seine Genealogie auf den Gründer der Dynastie, Achaemenes, zurückführt, während Cyrus sich nur mit Teispes in Verbindung bringt. Wilson fügt hinzu, dass im Falle der achämenidischen Könige "viele ... damit beschäftigt waren, das persische Reich entweder zu vergrößern oder es vor der Gefahr eines internen politischen Chaos zu schützen" (1977: 70).
Dareios hatte das Bedürfnis, diese Genealogie - ob real oder imaginär - zu konstruieren, um die früheren Machtansprüche seiner Familie zu belegen.


Im biblischen Material können bestimmte königliche und priesterliche Genealogien auf Zeiten hinweisen, in denen die Legitimierung der eigenen Genealogie besonders wichtig war. Dafür gibt es zwei Beispiele: 1. Chr. 3,1-24, die davidische Genealogie, und 1. Chr. 8,33-40, die so genannte saulidische Genealogie. Beide Stammbäume beziehen sich auf Monarchen, die schon lange nicht mehr an der Macht waren. Im Beispiel der davidischen Genealogie in 1. Chr. 3,1-24 setzt sich diese umfangreiche Genealogie im MT über 26 Generationen fort, von David bis zu den sieben Söhnen Elioenais. Sie baut auch auf der judäischen Genealogie in 1 Chronik 2 auf, die ebenfalls David mit Juda, Jakob und darüber hinaus verbindet. In 1 Chr 3,1-24 werden sowohl lineare als auch segmentierte Formate verwendet, die sich über 600 Jahre erstrecken. Der Stammbaum Davids beginnt mit einer segmentierten Genealogie, die alle erstgeborenen Söhne hervorhebt, die ihm in Hebron von seinen sechs Frauen geboren wurden, und geht dann zu den Söhnen über, die ihm in Jerusalem von Bath-Schua geboren wurden. Es wird eine lineare Genealogie von der Zeit Salomos bis zu Josia (16 Generationen) verwendet. Von der Zeit Josias bis zu den Söhnen Elioenais kehrt die Genealogie zu einem segmentierten Format zurück. Es handelt sich jedoch nicht nur um eine Genealogie der dynastischen Linie Davids. Sie setzt sich weit über das Exil und die Rückkehr hinaus fort, über die Familienlinie von Serubbabel bis hin zu den Söhnen Elioenais. Die davidische Genealogie konzentriert sich also auf eine Linie und ihr Fortbestehen und Überleben, selbst nach der Zerstörung des Königreichs Juda. Obwohl die Macht dieser Familie schon vor langer Zeit geschwunden war, ist es klar, dass diese Genealogie versucht, einen Zweig der davidischen Familie in der Machtlinie zu positionieren. Und so zeigt, wie Gary Knoppers hervorhebt, die "sorgfältige Abgrenzung der Kontinuität unter den Nachkommen Davids in Zeiten enormer Veränderungen die Widerstandsfähigkeit und Bedeutung der Dynastie" (2004: 335-36), und das in einer Zeit, in der sie schon lange nicht mehr an der Macht waren. Die Genealogie dient dazu, eine Familienlinie innerhalb des größeren davidischen Stammbaums zu einer Machtposition zu ermächtigen, falls sich jemals die Gelegenheit ergeben sollte, dass ihr Macht verliehen werden könnte.
Ein weiteres Beispiel für eine königliche Genealogie innerhalb des Stammbaums der Benjaminiten ist die so genannte Sauliden-Genealogie (1. Chr. 8,33-40), die eigentlich die Jeieliten-Genealogie ist, weil sie mit Sauls Großvater Jeiel beginnt. Das Interesse des Chronisten an der Familie Sauls trägt sowohl seiner früheren Bedeutung als auch der anhaltenden Bedeutung seiner Nachkommen in der nachexilischen Zeit Rechnung. Die Bedeutung der Familie Sauls zieht sich durch die Chronik, wo Saul und David die beiden königlichen Linien innerhalb der Erzählung der Monarchie sind. Im Gegensatz zur davidischen Genealogie, die eine bestimmte Familienlinie hervorhebt, wird in 1 Chronik 8 die Bedeutung des Benjaminiterklans und seine Stellung in den verschiedenen Territorien, darunter Jerusalem und Gibeon, hervorgehoben. Sauls Genealogie, die in V. 29 mit seinem Großvater Jeiel beginnt und sich über 17 Generationen erstreckt, endet mit dem Satz "alle diese stammten von den Nachkommen Benjamins ab" (8,40), womit die Genealogie der Benjaminiten mit Sauls Nachkommenschaft abgeschlossen wird.
Die Familie Sauls besteht eindeutig noch lange nach dem Verlust der Monarchie fort, und die Genealogie der Benjaminiten verbirgt nicht den Charakter Sauls, sondern ehrt ihn und seine Söhne und hält sie in einer angesehenen Position, wobei die lange Genealogie der Benjaminiten mit Sauls besonderer Familienlinie der Benjaminiten endet. Als Folge der antiken Genealogie der Jeieliten und Sauliden gewann der Stamm Benjamin an Bedeutung. Außerdem waren die Benjaminiter ein wichtiger Stamm im nachexilischen Jehud und für den Chronisten ein loyaler Untertan der davidischen Monarchie. Sie waren auch während der achämenidischen Ära ein integraler Bestandteil des Jehud, und so legitimierten vergangene Ereignisse oder die Genealogie ihren Platz im zweiten Gemeinwesen durch den Rückgriff auf die antike Vergangenheit durch Jeiel und Saul, ihre berühmtesten Mitglieder.


Lange Genealogien waren in nicht königlichen Werken eher unüblich, abgesehen von einigen bemerkenswerten Ausnahmen. Ein solches Beispiel findet sich in den Historien des Herodot. Im zweiten Buch berichtet Herodot von seinem Besuch in Theben (Karnak), wo er eine Geschichte über Hekataeus von Milet erzählt, den Historiker aus dem sechsten Jahrhundert (550-490 v. Chr.), der geografische Werke verfasste, in denen er die verschiedenen Regionen der bekannten Welt aufzählte, und auch Genealogien, in denen er versuchte, die Geschichten der Götter und Helden zu ordnen (von diesen Werken sind etwa 35 Fragmente erhalten). Hekataeus wird auch die Überarbeitung einer Weltkarte zugeschrieben, die zuerst von Anaximander erstellt wurde. Herodot erklärt, dass Hekataeus "seine eigene Abstammung studiert und seine Familiengeschichte bis zu einem göttlichen Vorfahren in der sechzehnten Generation zurückverfolgt hatte" (II.143). Er fährt fort, dass die Priester in Theben Hekataeus' Behauptung, man könne vom Göttlichen abstammen, nicht glaubten und ihn in den Tempel des Amun mitnahmen und ihm die Statuen der Hohepriester zeigten, die jeweils eine Generation repräsentierten. Das Amt wurde vom Vater an den Sohn weitergegeben. Schließlich zeigten die Priester Hekataeus 345 Statuen und behaupteten, "dass jede der Figuren einen Piromis darstellte, der von einem Piromis abstammte [im Griechischen wäre das ein "Mann von Rang"] . . . sie brachten keine einzige von ihnen mit einem Gott oder einem Helden in Verbindung" (II. 143). Herodot stellt diese Vorstellung in Frage, dass man eine Genealogie bis zu den Göttern zurückverfolgen könnte, und tatsächlich erklärt Herodot, dass er keine Genealogie seiner eigenen Familie hat und ihm diese Praxis daher seltsam erscheint. Diese Geschichte ist bemerkenswert, denn sie ist der einzige wirkliche Beweis für die Erstellung langer Genealogien in dieser Zeit in der ionischen Welt."

Veröffentlicht in Judäer im Achämenidenreich

The Absent Present

Kulturelle Reaktionen auf die persische Präsenz im östlichen Mittelmeerraum

[…]

Im gesamten Buch wird das Fortbestehen der jüdischen Gemeinden in Persien nie in Frage gestellt. Auch eine Rückkehr in die Heimat wird nie in Frage gestellt, und wir begegnen in Esther einem kosmopolitischen Judentum, in dem - genau wie in Genesis 20 - die ethnische Identität nicht mehr an das Land gebunden ist. Dies schließt jedoch nicht aus, dass es eine Verbindung zu Palästina gibt. Die Verbindungen der Diasporagemeinde in Susa mit den Menschen in Palästina und insbesondere in Jerusalem werden in der Figur des Mordechai hervorgehoben, der als Benjaminiter vorgestellt wird, der mit der Gruppe, die mit dem von Nebukadnezar, dem König von Babylon, ins Exil getriebenen König Jekonja von Juda ins Exil ging, aus Jerusalem verbannt worden war (Esther 2,5-6). Wörtlich genommen wäre Mordechai dann etwa 115 Jahre alt gewesen und kaum in der Lage, eine sehr schöne Nichte zu haben. Wie im Fall von Sara in 1. Mose 20 verstellt eine zu enge Auslegung den Blick auf die literarische Absicht und den Zweck der Erzählung. In der Genealogie Mordechais wird betont, dass er sowohl ein יהודי als auch ein Angehöriger des Stammes Benjamin ist, und es ist genau diese Verbindung, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten müssen. Im Buch Esra (Esra 1,5; 4,1) stellen Juda und Benjamin (zusammen mit Levi) die Fortsetzung des Südreichs Juda dar und werden als die einzig wahre Gemeinschaft betrachtet. Das bedeutet, dass Mordechai nach den Vorgaben des Buches Esra ein echter Jude aus dem Exil ist. Mit seiner Genealogie entspricht er der Beschreibung anderer prominenter Mitglieder der Diaspora, denn sowohl Daniel (Dan 2,25) als auch Tobit (Tob 1,1-2) werden als Exilanten aus Juda oder Israel beschrieben. Wie im Diaspora-Diskurs üblich, werden Status und Identität mit dem Grad der Verbundenheit mit dem Heimatland sowie mit einer gewissen Ausprägung des "Kosmopolitismus" in Verbindung gebracht. Was die jüdische Identität anbelangt, so finden wir ein merkwürdiges Wechselspiel zwischen dem Verbergen und dem Offenlegen der eigenen Abstammung. Es beginnt damit, dass Mordechai Esther befiehlt, ihre ethnische Identität zu verbergen (Esth 2,10; vgl. Esth 2,20), und sie muss dies bemerkenswert gut gemacht haben, denn der persische König scheint nicht zu bemerken, dass er sich eine jüdische Frau genommen hat. Als sie schließlich ihre Identität preisgibt (Esth 7,4), ist der König darüber nicht beunruhigt. Im Gegensatz zu Genesis 20 können sich die Autoren des Buches Esther vorstellen, dass eine jüdische Frau mit jemandem außerhalb ihrer eigenen ethnischen Gruppe Geschlechtsverkehr haben würde (die Tatsache, dass Esther unverheiratet ist, könnte hier hilfreich sein). Alles in allem gewinnt der Leser den Eindruck, dass die Religion als ethnisches Merkmal keine Rolle mehr zu spielen scheint - diese Tatsache ist eindeutig eine kulturelle Reaktion auf das (vorgeschlagene) persische Umfeld, in dem die Theologie nur der Ausgangspunkt für eine ansonsten säkulare politische Wirtschaft ist.
Ein weiteres auffälliges Merkmal des Buches Esther ist die weitgehende Abwesenheit von Gott in diesem Buch. Dies hat natürlich zu zahlreichen Spekulationen über versteckte Anspielungen, Doppeldeutigkeiten usw. Anlass gegeben. Andererseits ist es falsch, den scheinbar "säkularen" Charakter des Buches als Hinweis auf eine geringere Qualität des Buches zu betrachten. Ich denke, wenn wir uns der Esther-Geschichte mit den Bemerkungen über Gott nähern, die oben bei der Behandlung von Genesis 20 gemacht wurden, wird etwas Licht in die Angelegenheit gebracht. Der persönliche Gott der Patriarchen wurde in 1. Mose 20 in ein universelles göttliches Wesen verwandelt, zu dem Israeliten und Heiden sprechen können und an dessen universelle Gesetze sich sogar scheinbar fremde Könige halten können. Dieser Wandel von einem persönlichen zu einem universellen Gott wird in Esther noch einen Schritt weitergeführt. Da keine der Handlungen, die zu einer Gefährdung der Juden in Persien führen, ausdrücklich mit dem religiösen Faktor in Verbindung gebracht wird, ist das Fehlen eines direkten göttlichen Eingriffs vielleicht verständlich. Nur am Rande sei erwähnt, dass die offensichtliche Nichteinmischung Persiens in die religiösen Angelegenheiten seiner Untertanen Persien zu einem idealen Schauplatz für die Legitimation eines neuen Festes macht, das den üblichen Vorstellungen von biblischen Festen zu widersprechen scheint. Der Konflikt zwischen Mordechai und Haman, von dem in Esth 3,1-15 berichtet wird, wird häufig unter Bezugnahme auf Exodus 20,1-5 interpretiert. Zwar wird חוה in der Bestimmung von Exod 20,5 verwendet, aber nichts im Text von Esther deutet darauf hin, dass Haman irgendeine göttliche Eigenschaft hatte, und nur der Targum fügt diesen Aspekt hinzu, indem er angibt, dass Haman das Bildnis eines Götzen auf seiner Kleidung trug. [Das Motiv der Göttlichkeit Hamans kommt nur in Judg 3,8 vor, wo Nebukadnezar göttliche Ehren beansprucht: "Und er zerstörte alle ihre Heiligtümer und schändete ihre kultischen Haine. Er erhielt den Befehl, alle Götter der Erde auszulöschen, damit alle Völker der Erde allein Nebukadnezar dienen und alle Sprachen und Stämme ihn allein als Gott anbeten sollten"]
Trotz Mordechais Aussage, dass er ein Jude ist (Esth 4:4bβ), gibt es in der hebräischen Bibel Beispiele, in denen es vollkommen akzeptabel ist, sich vor einem anderen Mann niederzuwerfen (siehe Gen 23:7, 27:29; 1 Kön 1:31). Die Kombination der hebräischen Verben חוה und כרע ist normalerweise Gott vorbehalten (Ps 22,30; 95,6; 2 Chr 7,3), "aber wenn Götzendienst die Ursache für Mordechais Nichteinhaltung ist, schweigt der Text seltsamerweise darüber. Außerdem ist es schwer zu verstehen, warum der König befiehlt, einen Untergebenen wie einen Gott zu behandeln, wenn er es selbst nicht ist." Esth 3:4bβ (כי הגיד להם אשר הוא יהודי ) scheint eher auf Esth 3:8-15 vorauszuschauen, als dass es als angemessener Grund dafür dienen würde, warum Mordechai sich weigert, sich zu beugen.

Veröffentlicht in Marx Zur Judenfrage

Politische Emanzipation

Die politische Emanzipation des Juden, des Christen, überhaupt des religiösen Menschen, ist die Emanzipation des Staats vom Judentum, vom Christentum, überhaupt von der Religion. In seiner Form, in der seinem Wesen eigentümlichen Weise, als Staat emanzipiert sich der Staat von der Religion, indem er sich von der Staatsreligion emanzipiert, d.h., indem der Staat als Staat keine Religion bekennt, indem der Staat sich vielmehr als Staat bekennt. Die politische Emanzipation von der Religion ist nicht die durchgeführte, die widerspruchslose Emanzipation von der Religion, weil die politische Emanzipation nicht die durchgeführte, die widerspruchslose Weise der menschlichen Emanzipation ist,

Die Grenze der politischen Emanzipation erscheint sogleich darin, daß der Staat sich von einer Schranke befreien kann, ohne daß der Mensch wirklich von ihr frei wäre, daß der Staat ein Freistaat sein kann, ohne daß der Mensch ein freier Mensch wäre.

Bauer selbst gibt dies stillschweigend zu, wenn er folgende Bedingung der politischen Emanzipation setzt:

"Jedes religiöse Privilegium überhaupt, also auch das Monopol einer bevorrechteten Kirche, müßte aufgehoben, und wenn einige oder mehrere oder auch die überwiegende Mehrzahl noch religiöse Pflichten glaubten erfüllen zu müssen, so müßte diese Erfüllung als eine reine Privatsache ihnen selbst überlassen sein".

Der Staat kann sich also von der Religion emanzipiert haben, sogar wenn die überwiegende Mehrzahl noch religiös ist. Und die überwiegende Mehrzahl hört dadurch nicht auf, religiös zu sein, daß sie privatim religiös ist.

Aber das Verhalten des Staats zur Religion, namentlich des Freistaats, ist doch nur das Verhalten der Menschen, die den Staat bilden, zur Religion.

Es folgt hieraus, daß der Mensch durch das Medium des Staats, daß er politisch von einer Schranke sich befreit, indem er sich im Widerspruch mit sich selbst, indem er sich auf eine abstrakte und beschränkte, auf partielle Weise über diese Schranke erhebt. Es folgt ferner, daß der Mensch auf einem Umweg, durch ein Medium, wenn auch durch ein notwendiges Medium sich befreit, indem er sich politisch befreit. Es folgt endlich, daß der Mensch, selbst wenn er durch die Vermittlung des Staats sich als Atheisten proklamiert, d.h., wenn er den Staat zum Atheisten proklamiert, immer noch religiös befangen bleibt, eben weil er sich nur auf einem Umweg, weil er nur durch ein Medium sich selbst anerkennt. Die Religion ist eben die Anerkennung des Menschen auf einem Umweg. Durch einen Mittler. Der Staat ist der Mittler zwischen dem Menschen und der Freiheit des Menschen. Wie Christus der Mittler ist, dem der Mensch seine ganze Göttlichkeit, seine ganze religiöse Befangenheit aufbürdet, so ist der Staat der Mittler, in den er seine ganze Ungöttlichkeit, seine ganze menschliche Unbefangenheit verlegt.

[…]

Der Mensch emanzipiert sich politisch von der Religion, indem er sie aus dem öffentlichen Recht in das Privatrecht verbannt. Sie ist nicht mehr der Geist des Staats, wo der Mensch - wenn auch in beschränkter Weise, unter besonderer Form und in einer besondern Sphäre - sich als Gattungswesen verhält, in Gemeinschaft mit andern Menschen, sie ist zum Geist der bürgerlichen Gesellschaft geworden, der Sphäre des Egoismus, des bellum omnium contra omnes »Krieges aller gegen alle«. Sie ist nicht mehr das Wesen der Gemeinschaft, sondern das Wesen des Unterschieds. Sie ist zum Ausdruck der Trennung des Menschen von seinem Gemeinwesen, von sich und den andern Menschen geworden - was sie ursprünglich war. Sie ist nur noch das abstrakte Bekenntnis der besondern Verkehrtheit, der Privatschrulle, der Willkür. Die unendliche Zersplitterung der Religion in Nordamerika z.B. gibt ihr schon äußerlich die Form einer rein individuellen Angelegenheit. Sie ist unter die Zahl der Privatinteressen hinabgestoßen und aus dem Gemeinwesen als Gemeinwesen exiliert. Aber man täusche sich nicht über die Grenze der politischen Emanzipation. Die Spaltung des Menschen in den öffentlichen und in den Privatmenschen, die Dislokation der Religion aus dem Staate in die bürgerliche Gesellschaft, sie ist nicht eine Stufe, sie ist die Vollendung der politischen Emanzipation, die also die wirkliche Religiosität des Menschen ebensowenig aufhebt, als aufzuheben strebt.


From Karl Marx – On the Jewish Question

Veröffentlicht in Marx Zur Judenfrage

Christlicher Staat und Juden

Der christliche Staat kann seinem Wesen nach den Juden nicht emanzipieren; aber, setzt Bauer hinzu, der Jude kann seinem Wesen nach nicht emanzipiert werden. Solange der Staat christlich und der Jude jüdisch ist, sind beide ebensowenig fähig, die Emanzipation zu verleihen als zu empfangen.

Der christliche Staat kann sich nur in der Weise des christlichen Staats zu dem Juden verhalten, das heißt auf privilegierende Weise, indem er die Absonderung des Juden von den übrigen Untertanen gestattet, ihn aber den Druck der andern abgesonderten Sphären empfinden und um so nachdrücklicher empfinden läßt, als der Jude im religiösen Gegensatz zu der herrschenden Religion steht. Aber auch der Jude kann sich nur jüdisch zum Staat verhalten, das heißt zu dem Staat als einem Fremdling, indem er der wirklichen Nationalität seine chimärische Nationalität, indem er dem wirklichen Gesetz sein illusorisches Gesetz gegenüberstellt, indem er zur Absonderung von der Menschheit sich berechtigt wähnt, indem er prinzipiell keinen Anteil an der geschichtlichen Bewegung nimmt, indem er einer Zukunft harrt, welche mit der allgemeinen Zukunft des Menschen nichts gemein hat, indem er sich für ein Glied des jüdischen Volkes und das jüdische Volk für das auserwählte Volk hält.

[…]

Die starrste Form des Gegensatzes zwischen dem Juden und dem Christen ist der religiöse Gegensatz. Wie löst man einen Gegensatz? Dadurch, daß man ihn unmöglich macht. Wie macht man einen religiösen Gegensatz unmöglich? Dadurch, daß man die Religion aufhebt. Sobald Jude und Christ ihre gegenseitigen Religionen nur mehr als verschiedene Entwicklungsstufen des menschlichen Geistes, als verschiedene von der Geschichte abgelegte Schlangenhäute und den Menschen als die Schlange erkennen, die sich in ihnen gehäutet, stehn sie nicht mehr in einem religiösen, sondern nur noch in einem kritischen, wissenschaftlichen, in einem menschlichen Verhältnisse. Die Wissenschaft ist dann ihre Einheit. Gegensätze in der Wissenschaft lösen sich aber durch die Wissenschaft selbst.


From Karl Marx – On the Jewish Question

Veröffentlicht in Marx Zur Judenfrage

Charta des Christlichen Staates

Die Trennung des "Geistes des Evangeliums" von den "Buchstaben des Evangeliums" ist ein irreligiöser Akt. Der Staat, der das Evangelium in den Buchstaben der Politik sprechen läßt, in andern Buchstaben als den Buchstaben des heiligen Geistes, begeht ein Sakrilegium, wenn nicht vor menschlichen Augen, so doch vor seinen eigenen religiösen Augen. Dem Staat, der das Christentum als seine höchste Norm, der die Bibel als seine Charte bekennt, muß man die Worte der heiligen Schrift entgegenstellen, denn die Schrift ist heilig bis auf das Wort. Dieser Staat sowohl als das Menschenkehricht, worauf er basiert, gerät in einen schmerzlichen, vom Standpunkte des religiösen Bewußtseins aus unüberwindlichen Widerspruch, wenn man ihn auf diejenigen Aussprüche des Evangeliums verweist, die er "nicht nur nicht befolgt, sondern auch nicht einmal befolgen kann, wenn er sich nicht als Staat vollständig auflösen will". Und warum will er sich nicht vollständig auflösen? Er selbst kann darauf weder sich noch andern antworten. Vor seinem eignen Bewußtsein ist der offizielle christliche Staat ein Sollen, dessen Verwirklichung unerreichbar ist, der die Wirklichkeit seiner Existenz nur durch Lügen vor sich selbst zu konstatieren weiß und sich selbst daher stets ein Gegenstand des Zweifels, ein unzuverlässiger, problematischer Gegenstand bleibt. Die Kritik befindet sich also in vollem Rechte, wenn sie den Staat, der auf die Bibel provoziert, zur Verrücktheit des Bewußtseins zwingt, wo er selbst nicht mehr weiß, ob er eine Einbildung oder eine Realität ist, wo die Infamie seiner weltlichen Zwecke, denen die Religion zum Deckmantel dient, mit der Ehrlichkeit seines religiösen Bewußtseins, dem die Religion als Zweck der Welt erscheint, in unauflöslichen Konflikt gerät. Dieser Staat kann sich nur aus seiner innern Qual erlösen, wenn er zum Schergen der katholischen Kirche wird. Ihr gegenüber, welche die weltliche Macht für ihren dienenden Körper erklärt, ist der Staat ohnmächtig, ohnmächtig die weltliche Macht, welche die Herrschaft des religiösen Geistes zu sein behauptet.

It is, indeed, estrangement which matters in the so-called Christian state, but not man.

Der einzige Mensch, der gilt, der König, ist ein von den andern Menschen spezifisch unterschiedenes, dabei selbst noch religiöses, mit dem Himmel, mit Gott direkt zusammenhängendes Wesen.

Die Beziehungen, die hier herrschen, sind noch gläubige Beziehungen. Der religiöse Geist ist also noch nicht wirklich verweltlicht.


From Karl Marx – On the Jewish Question